Samstag, 10. August 2019

Film-Review - Trust (2010)



Filmdramen habe ich früher eher gemieden, da sie sich für mich meist entweder in ihrer Thematik uninteressant angefühlt haben, zu schnell unglaubwürdig oder überzogen wurden oder einfach nicht zu anstrengend für mein noch junges Gehirn waren. Auf diesen kleinen, recht unerfolgreichen Film bin ich damals, wie so oft zu dieser Zeit, über eine Filmkritik gestoßen, und wegen der eigentlich brandaktuellen Thematik und überzeugenden Trailern habe ich ihn dann auch zeitnah angesehen.


Trust nimmt sich, gerade im ersten Drittel, so einige Zeit, um sehr realitätsnah und nachvollziehbar darzustellen, wie schnell sich ein junges Mädchen bei einem vermeintlichen Freund verfangen kann, und langsam von ihm bearbeitet und geformt wird. Das ist unangenehm mit anzusehen, weil man genau weiß, worauf es hinausläuft, aber unangenehm ist das Ganze ja eben auch, und genau so soll man es auch mitbekommen. Selbst die Gewaltszene wird zuerst teilweise und später durch Wahnvorstellungen des Vaters und ähnliche Ebenen explizit gezeigt, und das ist dann richtig schmerzhaft mit anzusehen, was ja aber genau der Sinn und Zweck der Szenen ist.
 

Und klar, für mich war es dann in irgendeinem Stadium des Filmes vielleicht auch ein Stück weit nicht ganz nachvollziehbar, wie die Protagonistin hier gegen jeden Sinn und Verstand ihren Vergewaltiger noch beschützen, und die Vergewaltigung selbst als Solche sogar leugnen kann, aber man weiß ja, dass so ein Verhalten in so einer Situation absolut den traurigen Tatsachen entspricht. Naives, junges Mädchen, das ein Jahr lang bearbeitet und wie eine Göttin behandelt wird. Will dann nicht wahrhaben, dass das alles nur Lügen waren. Es gibt ja nicht umsonst das Stockholm-Syndrom. Das ist von der Schauspielerin richtig überzeugend und auf den Punkt gespielt, ich fand es stellenweise unglaublich gut, wie sie das rüberbrachte. Der restliche Cast bekam das aber ebenso gut hin, gerade der Vater des Mädchens.

In der Endsequenz wird dann nochmal sehr raffiniert gezeigt, dass es sich bei solchen Perversen, wie der hier Dargestellte, nicht immer nur um sterotype Monster, sondern vielleicht auch um ganz unscheinbare Leute handelt. Das fand ich dann doch etwas morbide, wenn auch gut und traurigen Tatsachen entsprechend umgesetzt.

Trust ist ein schönes unschönes, nahegehendes Drama mit viel Fingerspitzengefühl, hervorragenden schauspielerischen Leistungen und (Leider) viel Wahrheit. Auch wenn ich natürlich ein gerechteres Ende bevorzugt hätte, aber die Moral hier lag ja auch darin, sich nicht auf den Täter zu versteifen.


7-5 von 10 E-Mails

- Yoraiko
 

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Paranormal Activity Tokyo Night (2010)


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The Lego Movie 2 (2019)
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The Purge 2: Anarchy (2014)
The Purge 3: Election Year (2015) 
The Riot Club (2014) 
[Serie] The Terror (2018)
Troll Hunter (2010)
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Your Lie in April 


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Playstation 3 - Die besten Spiele der Generation


 
Bei dieser kleinen, bescheidenen Liste handelte es sich ursrpünglich um einen Forenbeitrag, den ich auf die Frage verfasst hatte, welche PS3-Spiele man denn unbedingt gespielt haben müsse. Die folgenden Empfehlungen, mit denen ich versucht habe möglichst alles abzudecken, sind natürlich sehr subjektiv, decken sich aber mit vielen Bewertungen, Ansichten und allgemeinen Stimmungsbildern. Wollt ihr auch heute nochmal in die erfrischende Mittelmäßigkeit eurer PS3 eintauchen oder aus Nostalgie alte Spiele neu entdecken, schaut doch mal, ob was dabei ist, das ihr noch nicht kennt. 

TL;DR - 
Last of Us Multiplayer
Heavy Rain
Beyond: Two Souls
The Walking Dead
Street FighterxTekken
BlazBlue
Tekken Tag Tournament 2
Deus Ex - Human Revolution
Dead Space 2
Mirrors Edge
Bayonetta
Kingdom Hearts 2.5
Child of Light
Split/Second
Alice: Madness Returns
Dark Souls 2 
Steins;Gate (0) 
 
Zuerst: Last of Us. Das beste Spiel der Generation. Ohne weitere Erläuterungen. Aber:

Ich nehme an, die meisten LoU-Spieler von euch haben den Fraktionen-Multiplayer noch nicht ausprobiert, weil ihr ihn für draufgeklatschte Scheisse hieltet. Tut es. Er ist das geheime Juwel des Spiels. Ich habe mehr Zeit damit verbracht, als ich stolz darauf bin. Habt ihr den Prequel-DLC schon gespielt? Wenn nicht, tut es. Gibt es für 5 bis 10 € als Download, gutes Kapitel mit Ellie im Fokus. Der zweite Teil wird nun bald auch endlich erscheinen, wenn auch wohl kaum für die gute, alte drei.

Wenn ihr Heavy Rain mochtet, eines der vorzeigbarsten Filmspiele der Generation PS3, werdet ihr das weniger Bekannte aber für mich deutlich Bessere Beyond: Two Souls, ebenfalls von David Cage, lieben. Es erschien danach und ist eben in jeder Hinsicht überzeugender, aber wie Heavy Rain ein reines Filmspiel. Das Gameplay hält sich sehr in Grenzen, man spielt eher einen Blockbuster mit diversen Logiklöchern, aber die Grafik und die Schauspieler sind seinerzeit der Hammer gewesen. Außerdem gibt es eine interessante Gameplay-Kombonente, weil du quasi zwei Personen spielst, die Protagonistin und ihren übernatürlichen Freund. (Kein Spoiler) Macht nur nicht den Fehler, zu glauben, ihr könntet in Beyond wie in Heavy Rain Entscheidungen treffen, die sich ernsthaft auswirken. Die Story ist nicht beeinflussbar und eure Entscheidungen und Taten sind allenfsalls marginal wirksam. Ihr könnt nicht scheitern und nicht sterben, selbst wenn ihr in einer zehnminütigen Sequenz jedes Quicktime-Event versaust. Das ist ein Atmo-Breaker, dennoch, für die aktuellen Spottpreise sollte jder Fan gut erzählter Stoffe diesen 'Film ansehen'.

Ergänzend dazu: The Walking Dead. Ein mitnehmender, herzerwärmender 'Film', der euch mit einer sehr menschlichen Zombiestory packt. Auch hier wieder die Warnung: Ignoriert die Komerz-Lüge von Telltale Games, ihr könntet in TWD irgendetwas beeinflussen. Euch wird vorgegaukelt, eure Entscheidungen seien wichtig, dabei kannst du nichts, aber auch wirklich gar nichts irgendwie verändern. Du kannst in einer drastischen Szene zum Beispiel etwa zehn verschiedene Entscheidungen unter Druck treffen, es wird immer auf das selbe, gescriptete Ergebnis hinauslaufen. Trotzdem, für kleines Geld ein herausragend emotionaler Film. Alleine für die Protagonistin, Clementine. Toll gezeichneter Charakter, sehr menschlich.



Spielt ihr Fighting Games? Ich bezweifle es, aber gebe trotzde ein paar Titel mit an. Street FighterxTekken ist in meinen Augen das beste Fightingspiel der Playstation 3-Generation, flüssige, zeitlose Comicgrafik, anfängerfreundliches Assist-Gem-System, fehlerlos funktionierendes und spaßiges Kampfsystem. Außerdem Juri. Juri allein reicht als Kaufgrund.
 


Sonst BlazBlue: Continuum Shit Extended. Ebenfalls ein Kampfspiel, aber aus Japan und sehr extraordinär. Fließend Englisch verstehen ist die Mindestanforderung, denn Blazblue ist dermaßen voll mit einem verworrenem Mindfuck-Story-Modus, (Der klasse ist!) dass man schon Zeit und Interesse mitbringen sollte. Es gibt schicke 2D-Grafik, ein leider sehr, sehr kompliziertes und schwierig zu meisterndes Kampfsystem, tolle Musik und wie gesagt eine spannende und epische Story, wenn man sich genug Zeit nimmt, die Arcs von etwa 20 Characteren durchzuspielen und langsam das Gesamtbild nebst True Ending versteht. (Und das ist nur einer von... mehreren Teilen.)

Ausschussware hierbei ist Tekken Tag Tournament 2. Nicht mehr ganz so großartig, aber immer noch ein sehr gutes Fighting-Game mit schöner Grafik. Und hat Lili. Und Bob. Gleich zwei Kaufgründe für Zauderer. 


Gehen wir nochmal zurück zum Mainstream:
Deus Ex - Human Revolution Directors Cut. Man kann über die Reihe sagen, was man will, aber für Spottpreise erhält man hier viele Stunden clever inszenierter Schleich/Missionen-Aktion in einem authentischen Scifi-Setting, in das man sich gut reinfühlen kann. Ob man die Missionen schleichend, kämpfend, mordend oder wie ein stiller Hitman abschließt, ist alleine die eigene Entscheidung und funktioniert auch simultan gut. Die Story ist eben nicht allzu tiefgehender Massenstream, aber sie hat ihre Spannungen, und eigentlich macht man mit diesem Titel nichts falsch, wenn man Stealth mag. 


Enslaved: Journey to the West ist im "Ganz okay"-Segment anzusiedeln. Wenn man es mal für unter 20 € bekommt, nimmt man es ruhig. Es erzählt die Geschichte der beiden sympathischen und großartig geschriebenen Protagonisten Tripp und Monkey. Erstere zwingt Letzteren mit einem Elektrohalsband, sie in einem bodenständigen Endzeit-Setting von Killer-Robotern nach Hause zu bringen. Das Spiel mag man, wenn man sich für eine gute Handlung erwärmen kann und ständige Kletter und Kampfpassagen drumherum nicht zu nervig findet. Aber wie gesagt, nur ganz gut. Das Ende ist auch nur so lauwarm.
Wenn man widerliche Horror-Action mag, Dead Space 2. Teil 1 ist zu veraltet und Teil 3 ist der sauberste Datenschrott, der im Weltall herumschwebt. Teil 2 ist die goldene Mitte. Brutaler, kompromissloser Shooter, aber wenn man sich gerne gruselt, ist das euer Tipp.

Ganz wichtig, nicht mehr ganz so Mainstream: Mirrors Edge. Keine Beschreibung würde dem Spiel gerecht werden, also spare ich mir den Versuch und gebe euch einen kurzen Trailer. Wohl eines der mit Abstand prägendsten Spiele der gesamten Generation. Unbedingt spielen.



Der zweite Teil für die Playstation 4 war zwar schöner, aber leider ansonsten recht ernüchternd. Wenn man Mirrors Edge nicht gespielt hat, hat man quasi die PS3 nicht gespielt.

Für Fans von völlig bekloppt-abgedrehter Japano-Prügelgame-Levelhölle gibt es das bekannte Bayonetta. Quälend schwer, nicht die beste Grafik und eine beschämend beschissene Story, aber das Gameplay macht Spaß und ist schnell, für Anfänger gibt es auch Hilfen. Und die Bosse sind episch, monströs und... japanisch. Gerade der allerletzte Boss im Spiel ist wohl mit das Fantastischste, was ich je auf der Playstation 3 sehen durfte. Bayonetta sollte nicht die erste Wahl sein, aber wenn einem mal der Content ausgeht...


Kingdom Hearts 2.5 HD. Ich kann 1.5 nicht empfehlen, weil ich KH1 für ein schlechtes Spiel halte. Außerdem wird man KH1 eh schon gespielt haben wenn man sich für 2.5 interessiert, und wenn nicht, KH2 funktioniert auch so. In der 2.5 HD-Edition bekommt man Kingdom Hearts 2 und das Prequel Birth by Sleep als HD-Edition bzw. als bisher nie im Westen veröffentlichte Final Mixe. Obendrauf gibts einen DS-Ableger als Filmsequenzen-Zusammenschnitt. Lohnt sich, auch wenn mans schon gespielt hat. Leider fehlt die großartige deutsche Synchro, das ist ein schweres Versäumnis. Trotzdem, für die aktuellen Preise geschenkt.

Ein Tipp, der mir persönlich am Herzen liegt, falls man es ruhig, seicht und künstlerisch mag: Child of Light. Ein wundervolles, kleines Märchen mit noch wundervoll gezeichneteren Landschaften, bei dem sämtliche Charaktere ausschließlich reimen und das einfach etwas für die Seele ist. Nicht sehr anspruchsavoll, aber macht Spaß und kann man immer wieder spielen.

Wenn man Rennspielen nicht abgeneigt ist, Split/Second. Ist das Einzige aus dem Genre, das ich je angerührt habe. Nirgendwo auf der PS3 hat man ein so adrenalinähnliches Geschwindigkeitsgefühl wie hier, dazu ein actionreiches Quicktime-System, mittels dessen man die Mitfahrer verschrotten bzw. die gesamte Fahrbahn ändern/verwüsten kann.

Noch ein B-Ersatzbank-Titel, der aber auch sehr individuell daherkommt, ist Alice: Madness Returns. Äußerst durchwachsenes Gameplay, gewöhnungsbedürftige Comicgrafik und Vertonung, aber ich mochte die mysteriös-psychopathische Geschichte von Alice, deren Familie samt Haus niedergebrannt wurde und die deswegen im Irrenhaus landete und sich ab und an in ihr Wunderland flüchtet. Kann man machen, wenn man einen Faible fürs Obskure hat und viel Geduld und Verständis für repititives, nerviges Gameplay und kreativ-gemeinte, aber tatsächlich-langweilige Level mitbringt.

Zum Schluss, falls man Masochist ist, die Konsole direkt zum Neukauf gegen die Wand schmeissen und eine Woche lang in seinem eigenen Urin in ein Kissen weinen will: Dark Souls II. Teil 1 ist zu hart und Demon Souls als Normalmensch geradezu unspielbar. Teil 2 geht noch. Irgendwie. Trotz seiner Rolle als 'casualigster' Teil der Reihe mit vielen Checkpunkten, berechenbareren Gegnern und weiteren erleichternden Elementen ist es aber mit Abstand das schwerste Spiel, das ich je auf der PS3 gespielt habe. Wenn man ein gnadenloses, fehlerungnädiges Monsterschlacht-Rollenspiel möchte, das einen durch die sieben Höllen des eigenen Unvermögens schickt und die eigene Frustrations-Toleranz auf eine ganz neue Schwelle hebt, zugreifen. Dark Souls II ist knallhart, aber wenn man etwas erreicht, weil man vorher siebenundvierzig Mal daran gescheitert ist und entsprechend gelernt hat, hat man derartig perverse Glücksgefühle, dass man sich wie Gott fühlt. Außerdem, wenn mam dieses Spiel bezwingt, ist danach jedes andere Spiel ein lauwarmer Furz der Herausforderung für euch.


Weitere Ehren-Nennungen:
Journey (Wundervolle Kurzgeschichte, PS4 wäre zu bevorzugen)
Dishonored (Wenn man Stealth mag, ist nur ganz okay)
Tale of Xillia (Wenn man ein J-RPG will und mit einem Tales of-Spiel beginnen möchte, dann mit diesem.)
King of Fighters XIII (Fighting game)
Valkyria Chronicles (Strategiespiel, zeitloses Großwerk des Strategie-Kampfes)
Ico and Shadow of the Colossus Collection (Falls man Nostalgiken ist und sehr viel Geduld fürs Gameplay hat)
The Witch and the Hundred Knight(Ganz, ganz tolles, nischiges, grind-lastiges J-RPG mit dunkler und schwarzhumoriger Geschichte)


Außerdem, wenn man keine PS Vita hat/kauft, Steins;Gate&Steins;Gate0. Der Anime ist bekannt, die Novel ist noch etwas besser, hat alternative Enden und etwas Handy-Gameplay.




 


Das ist auch erst mal alles, was mir so einfällt. Eventuell mache ich zukünftig eine ähnliche Liste für die PS4, wobei ich da natürlich selbst noch viel, viel vor mir habe... 
Hach, die liebe Zeit...


- Yoraiko


Freitag, 9. August 2019

Film-Review - Paranormal Activity Tokyo Night (2010)






Vor dem Ableger der guten, alten PA-Reihe hatte ich damals wohl am meisten Respekt - Denn wenn die japanische Filmlandschaft nun mal eines in den letzten zwanzig Jahren zweifellos klar gemacht hat, dann dass sie Horror beherrscht. Waren die amerikanischen Hauptteile doch eher unspannend und schnell durchschaut, durfte ich mich hier auf einen skurrilen, morbiden, verstörenden neuen Ansatz freuen. Vielleicht war es das nicht ganz, aber so viel sei gesagt, für mich ist Tokyo Night der mit Abstand stärkste Vertreter des Kamera-Franchise.
Der Film haut einen in Adrenalin gesprochen schon ziemlich weg, ganz im Gegensatz zu seinen Originalen. Japantypisch ist der Horror hier natürlich viel subtiler und raffinierter, es wird weniger auf altbackene Schocker als mehr auf eine hautnah unbehagliche Atmosphäre gesetzt. Auch schön war, dass dieser Film sich in der ersten Hälfte ausreichend viel Zeit nimmt, die Charaktere einzuarbeiten und greifbarer zu machen. Viele dürften das anstrengend finden, aber wer mit dem Selbstverständnis der japanischen Popkultur vertraut ist, wird sich dabei wohl fühlen. Und ja, dann geht es in kleinen, ruhigen Schritten immer mehr auf das gelungene Gruselchaos zu. Anzumerken sind hier Ideen wie die Splitscreen-Nächte durch eine Kamera in jedem Zimmer der beiden Hauptcharaktere, Teenager-Geschwistern. Das sind dann so viele Stellen und Details und Kleinigkeiten, auf die man beim Sehen zu Achten versucht, dass man selbst zu zweit nicht das ganze Bild im Auge behalten kann. Aber das zeigt seine Wirkung, denn man wird von Sekunde zu Sekunde nervöser. Während die amerikanischen Vorbilder nach und nach offene Schocker präsentieren, arbeitet Tokyo Nights hier viel mehr mit Imagination und dem Nicht-Zeigen von Dingen, und das funktioniert!


Ebenfalls an der Stelle nochmal ganz, ganz lobend erwähnt sei die weibliche Hauptrolle. Ohne zu viel zu sagen kann ich erwähnen, dass wenn sie am Ende anfängt zu laufen, das für mich heute heute noch unglaublich gruselig und der mit Abstand verstörendste Moment im Film ist. Ehrlich, ich habe noch nie jemanden so überzeugend und unheimlich laufen sehen, das muss man sich mal vorstellen, Horror durch eine Gangart, schauspielerisch eine Glanzleistung. Ich dachte zwischendrin, das wäre mit dem Computer nachbearbeitet.

Bei all dem Lob dennoch das Aber, dass ich nach dem Abspann doch etwas ernüchtert war. Der Film lässt sich wie erwähnt in der ersten Hälfte sehr viel Zeit für Charaktere und einen subtilen Aufbau des Settings. Und das ist ja auch okay. Nur kommt der wirkliche Horror und das eskalierte Setting dann leider nur grob in den letzten 20~ Minuten zum Einsatz. Diese 20 Minuten lohnen sich, keine Frage, aber ich hätte mir hier dann doch noch etwas mehr gewünscht, und das ist weniger eine Kritik an diesem Film im Speziellen als mehr am gesamten Franchise. Subtiler Horror ist gut für die erste Hälfte eines solchen Streifens, aber das gegen Ende hin dann doch so schnell Schluss war, ließ mich etwas enttäuscht zurück. Wenn ich mir solche Szenen wie das Laufen der Schwester oder die mehr als gelungene Kamerawurf-Umsetzung direkt aus dem ersten Teil(Ich hatte beinahe einen Herzinfarkt) ansehe, wäre da wesentlich mehr gegangen und möglich gewesen.

Aber gut, man muss dem Film zugute halten, dass er mit der letzten Szene nochmal einen richtigen Hammer raushaut und ein definitiv unerwartetes Ende präsentiert. Nicht der Horrorfilm den man gesehen haben muss, aber fraglos gelungen, viel gruseliger als die amerikanische Vorlage, und für Horrorfreunde und Filmenthusiasten definitiv ein Geheimtipp, der leider schnell untergegangen ist. 

6,5/10 Kameras für Tokyo Night

Yoraiko  
 

Donnerstag, 8. August 2019

Anime-Review - Made in Abyss (2018)



Made in Abyss ist der Anime von 2018 - Aus dem Nichts kam der nach Niedlichkeit und bunten Abenteuern riechende Zwölfteiler, der bereits nach den ersten Episoden einen enormen Hype und große Begeisterung auslöste. Made in Abyss wurde, und wird nachgesagt, es sei eine der besten Serien der letzten Jahre, und in wirklich jedem Department herausragend. Nun ja, so viel kann ich schon mal vorweg nehmen - In meinen Augen ist er weder herausragend, noch eine nennenswerte Serie im Vergleich zu den Medaillen der letzten Jahre, und sicherlich nicht das beste Irgendwas. Made in Abyss ist lange nicht so gut, wie der Hype und die positiven Stimmen es machen wollen, aber das ist ja oft so. Als Apostel der Vernunft will ich also mal aufschlüsseln, warum die Serie zwar kein wirklicher Riesenhit, aber dennoch sehr sehenswert ist. Milde Spoiler sind inkludiert, wobei da in der ersten Staffel nicht allzu viel anfällt.

Zuerst muss ich erwähnen, dass ich mich sehr lange gesträubt habe, die Serie überhaupt zu gucken. Die gewollt überbordernd-niedliche Optik mit dem diabetes-erregenden Charakterdesign hat mich zusammen mit der leidlich generischen und abgetretenen Handlung dermaßen abgeschreckt, dass
mein Interesse auch tief im Abgrund lag. Sicher, das ist Berechnung - MiA will seine Zuschauer mit dieser Optik und der Abenteuerstimmung am Anfang einlullen, um später seine Ernsthaftigkeit und sein Edge noch besser ausspielen zu können, aber das hat für mich überhaupt nicht funktioniert, weil die Serie nach ZU viel Friede Freude Eierkuchen wirkt und das auch ausstrahlt. Bei Girls Last Tour, einer ganz hervorragenden Endzeit-Serie, hat das viel besser geklappt, weil die Niedlichkeit der beiden Heldinnen der einzige Kontrast zur trostlosen Welt war. Bei Madoka Magica ging es trotz dem steinzeitlichen Magical Girl-Setting hervorragend auf, weil die Charakterdesigns nicht nur süß, sondern gut aussahen. Na ja, und weil der Plot und die Inszenatorik genial war. Made in Abyss hat keine dieser Stärken, und ruht sich zu sehr auf der Tatsache aus, dass es im Verlaufe seiner 12 Episoden düsterer wird, auf eine Weise, die ich so allerdings auch fast exakt vorhergesehen habe, und die deswegen dem fröhlich-platten Design wenig beiträgt oder dieses rechtfertigt. Der Plot ist vorhersehbar, an nennenswerten Wendungen oder Entwicklungen fehlt es.

Irgendwann hatte ich aber dann doch mal Zeit, der Serie eine Chance zu geben, denn ich war natürlich auch neugierig, ob es sich nur um einen weiteren, ungerechtfertigten Internethype handelt oder tatsächlich etwas mehr hinter dem steckt, was man sich in zehn Sekunden zusammenreimen kann, wenn eine so niedliche Serie offensichtlich komplexer ist als sie zuerst den Anschein macht. Nun, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Hier mein großes Problem mit der Handlung, dem Twist(Ich nenne es jetzt einfach mal so) und dem Hype um Made in Abyss: Der Anime braucht 8-9 Folgen, um sein "Wahres" Gesicht zu enthüllen und mehr zu werden als eine fröhliche Schatzsuche. Acht bis neun Folgen von zwölf. Tut mir leid, aber eine Serie, die mehr als die Hälfte ihrer Episoden benötigt, um ordentlich in Fahrt zu kommen, seine unterliegende Komplexität zu enthüllen und etwas aus seiner Geschichte zu machen ist einfach keine gute Serie, egal wie toll das Folgende ist. Und ich will keinesfalls behaupten, die ersten acht Folgen wären nicht unterhaltsam - Im Gegenteil. Die Serie ist schnell und kurzweilig inszeniert, die Episoden halten sich nicht mit unnötigem Ballast auf, sondern präsentieren kreative Schauplätze und interessante Charaktere auf die ich gleich noch genauer eingehe, im audiovisuellen Bereich glänzt MiA mit seinen flüssigen Animationen und seinem Soundtrack, der das Ganze dann eben doch wieder zu einer deutlich überdurchschnittlichen Erfahrung macht. Aber. Das ist genau das, was das Cover verspricht. Nicht mehr und nicht weniger. Eine leichtherzige Reise ins Tief, mit zwei süßen Kindern und nur theoretisch-bedrohlichen Monstern. Die Serie braucht 3/4 seiner Lauflänge, um eine höhere Erzählebene zu erreichen.

Diese letzten vier Folgen sind gut. Sie sind wirklich, wirklich gut, denn sie sind emotional, relativ schmutzig und authentisch, dramatisch, ansprechend ernst und vor allem endlich mal für den Zuschauer fesselnd. Ironischerweise weniger wegen den titeldeckenden Protagonisten, die bis zum Schluss blass und uninteressant bleiben, sondern wegen einem späten Nebencharakter. Aber sind diese vier Folgen gut genug, um einen Megahype um eine großartige Serie zu rechtfertigen? Ich würde ganz klar sagen, nein. Für Staffel 2 bleibt zu hoffen, dass die Handlung besser wird, da wir nun ein Heldentrio haben.


Die Charaktere sind in Made in Abyss durchwachsen. Über große Teile der Serie verfolgen wir das Mädchen und ihren Roboterjungen Reg, zwei unbedarfte, knuddelige Kinder, die recht einfach und eben für Kinder angemessen geschrieben und gestaltet sind, aber wenig Tiefe aufkommen lassen, und ich muss leider gestehen, dass ich nicht wirklich mit ihnen mitgefühlt oder gefiebert habe. Sie waren mir eigentlich egal.
Die Stärke liegt hier eher in den Nebencharakteren - Ob Riko's ominös-faszinierende, legendäre Mutter(Hach, Mütter in Anime-Serien...), die mächtige, obskure Einsiedlerin Ouzen, oder die wohl bekannteste Figur des ganzen Franchises, Nanachi, alle haben sie einen komplexen Charakter, interessante Dialoge, Ecken und Kanten, im Gegensatz zu den beiden Helden. Im Besonderen will ich da nochmal auf Nanachi eingehen, weil sie und ihre Freundin Mitty es sind, die die letzten vier Folgen tragen. Nanachi repräsentiert zunächst allerdings eine weitere, große Nervigkeit, die Made in Abyss mit sich bringt, und zu der Anime leider immer wieder tendieren: Einen Charakter zu spoilen und in den Fokus zu setzen, der erst am Ende einer Serie überhaupt hinzukommt. Wenn man Made in Abyss eingibt oder irgendwo mitbekommt, sieht man sofort Nanachi. Sie ist gefühlt überall, ist der mit Abstand beliebteste Charakter der Serie(Zu Recht), ist schon im Opening drin und kommt doch erst in Folge 8 oder 9 hinzu. Das war für mich sehr irritierend, weil ich mich die ganze Zeit gefragt habe, wo das Hasenmädchen bleibt und wie sie wohl in letzter Sekunde doch noch eingeführt wird. Bitte zeigt mir Charaktere erst, wenn sie inhaltlich auch auftauchen...

Abgesehen davon ist ihre Geschichte und ihre Freundschaft zum Mädchen Mitty das eigentlich Interessante am ganzen Anime und der wirklich verstörende, brustabschnürende Konflikt des Finales. Hier zeigt die Serie ihre Brutalität, ihre Schonungslosigkeit und emotionale Power, so dass etwa die letzte Szene mit Mitty mir jetzt noch die Augen feucht werden lässt. Die Beziehung dieser beiden Mädchen wird nachvollziehbar und gefühlvoll erzählt und bindet den Zuschauer fast schon zwangsweise ein, mitzufiebern. Nanachi selbst hat ein kreatives Design, ihre maaa-Sprachfloskel und Redensweise sprühen über vor Charme, und ihre Vergangenheit so wie Liebe zu Mitty fesselten mich persönlich sehr. Ich denke, dass S2 der Serie von ihrer Anwesenheit im Ensemble sehr profitieren wird.

Zu den Animationen habe ich bereits gesagt, dass sie recht gut und überdurchschnittlich sind, der Soundtrack verdient aber auch eine Hervorhebung. Wo Made in Abyss in den ersten Folgen inhaltlich schwächelt, glänzt es mit seinem variantenreichen, mal mittelalterlichen, mal futuristischen, zauberhaften Soundtrack, der das Geschehen dramaturgisch deutlich aufwertet. Das Opening ist ein ganz typischer Vertreter der Kategorie "Eigentlich nicht wirklich gut oder besonders, wird aber besser je öfter man es sich ansieht". Hat man es acht oder neun mal gesehen, wird ein unmelodischer, schablonenhaft geschnittener Opener so zu einem catchy Abenteuersong. Außerdem ist es ein Progress-Opening, das sich je nach Handlungsabschnitt der Serie verändert, was eigentlich immer eine coole Idee ist. Das Ending ist vergessenswert.

Fazit

Made in Abyss ist eine gute, kurzweilige Serie, die eure Zeit wert ist, wenn ihr unaufgeregte Fantasy-Abenteuer mögt. Es gibt wenig, das die Serie wirklich schlecht oder falsch macht. Und sie hebt sich zweifellos von dem Romance-Comedy-Action-Einheitsbrei ab, der die Anime-Landschaft nach wie vor überflutet. Ich war ordentlich unterhalten und hab mich um meine Zeit nicht betrogen gefühlt. Wer sich aber dazu verleiten lässt, das Wort 'Beste' in einem beliebigen Kontext für Made in Abyss zu verwenden, den kann ich nur belächeln. Die Serie wird ihrem Hype in keinster Weise gerecht und braucht viel, viel, viel zu lange, um seine eigentliche Tiefe (Haha!) zu erreichen. Die Hauptcharaktere sind, wie Kinder nun mal sind, naiv und wenig interessant, die Welt und der Abgrund haben noch viel Potential, und audiovisuell bekommt man sehr wertige, wenn auch vor allem optisch einfach rettungslos-langweilige Chibikost vorgesetzt. Wer hier den Anime des Jahrzehnts erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht werden. Ich hingegen habe mich bestätigt gefühlt und finde das auch voll in Ordnung. 

7/10 Maaa's für Made in Abyss


Yoraiko