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Samstag, 16. Januar 2021

Horrorfilm-Feature - Die 20 besten Horrorfilme der letzten 40 Jahre!

 


Horrofilme sind ein Genre, das in den letzten Jahren - auch durch einen gewissen Regisseur - eine Art kleines Revival erlebt hat, nachdem es zuvor lange in der Bedeutungslosigkeit umherirrte. Schon immer aber waren Horrorfilme trotz aller Spukhaus-, und Handkamera-Vertreter für die Masse eine Nische, welche eher selten wirlich Gutes ablieferte. Für mich als Filmenthusiast mit definitivem Lieblingsgenre 'Horror' war und ist es also jedes Mal ein wahres Fest, wenn doch mal wieder etwas 'Außergewöhnliches' seinen Weg an die virtuellen oder tatsächlichen Kinokassen findet. Das Wort außergewöhnlich muss man dabei vielmals unterstreichen, denn wie kaum ein anderes Filmgenre leidet der Horror in den meisten halbherzigen Streifen unter Ideenlosigkeit, altbackenen Settings, den immer gleichen Schematas und dem Irrglaube, billige Jumpscares mit aufgedrehtem Schockersound wären 'gruselig'. 

 

Doch der Filmhorror als Tor zu furchterregender Kunstfertigkeit und aufregendem Grauen erlebt seit zwei, drei Jahren und dieser Tage einen zweiten Frühling, einmal durch Regisseure die das eigentlich so festgelegte Genre - Dunkelheit, Isolation, Monströse Bedrohungen - vollkommen neu interpretieren und damit die Erwartungshaltung der Zuschauer (über-)fordern, und andererseits vor allem durch Indiefilme, also kleine Produktionen mit wenig Budget, dafür aber umso mehr Freiheit in der Umsetzung schauerlicher Ideen, die keinen Millionenmarkt ins Kino bringen und deswegen der kleinste gemeinsame Nenner sein müssen. Kaum in einem filmischen Genre ist der Indiemarkt so mächtig und einflussreich wie im Horror, denn hier braucht es keine großen Kulissen oder hochglänzende Fassaden, hier geht es einfach nur darum uns Angst zu machen oder in einen Zustand des Unwohlseins zu versetzen.

 

Der Horror war immer mein bevorzugtestes Filmgenre. Ich weiß nicht genau was es ist, doch die Machtlosigkeit, der hypnotische Sog und die morbide Neugier, ja sogar der Drang sich trotz seiner körperlichen Abwehrreaktionen selbst zu fordern und hinzusehen sind Effekte, die mir nur hier geboten werden. Viele verstörende Einrücke, die noch viele Jahre nachwirken, wurden bei mir durch den Horror geboren, und das ist etwas, das nur wenige Comedy-, oder Actionfilme auf diese Weise leisten können. Der Horror ist etwas sehr Persönliches und extrem Intimes, denn er packt uns im besten Falle an unseren ureigensten und tiefsten Ängsten, den inneren Unsicherheiten und Zweifeln, von denen wir bis dato nicht mal wussten, dass wir sie haben. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf war es in der aktuellen Lage Zeit für mich, einmal zurückzublicken auf alle Filme, die ich je gesehen habe und diesem Genre zuordnen würde, und eine Bestenliste mit vielen Empfehlungen auszuarbeiten. Es ist meine größte und dunkelste Leidenschaft im Medium Film und ich bin nun bereit, sie entsprechend zu teilen. Auf die letzten 40 Jahre sehe ich zurück, denn das ist der Zeitraum, den die von mir gesehenen Filme in zumindest diesem Genre größtenteils abdecken.
 

Im vorliegenden Text darf ich euch - Neben einigen weiteren Filmen - die für mich ganz persönlich besten 20 Horrorfilme der letzten 40 Jahre präsentieren, mit kurzen Anmerkungen und Vorstellungen, wenn ihr denn möchtet. Ich hoffe, dass Einiges dabei sein kann, das nicht schon in jeder reißerischen Youtube-, oder Redditaufzählung vorkam und das euch neue Impulse für dieses schrecklich-schöne Genre geben kann. Viel Vergnügen.

 

Anmerkung zum Auswahlverfahren:

In Vorbereitung auf diese Liste habe ich zunächst alle Filme, die ich auf IMDB als 'Gesehen' angegeben habe - Also etwa 900 - auf alles untersucht was ich nur entfernt den Genre 'Horror' zuordne und daraus eine eigene Liste erstellt. Herausgekommen sind derzeit 191 Filme. Damit ihr nachvollziehen könnt, in welcher Relation die 20 vorliegenden Favoriten stehen und gegen was sie sich für mich durchsetzen mussten, könnt ihr euch die Liste gerne selbst ansehen - Vielleicht auch für einige weitere Funde. 

 

https://www.imdb.com/list/ls084112059/

 

 

Interessehalber sei gesagt, dass die Erstellung dieser Top 20 viel, viel schwerer war als die Erstellung meiner allgemeinen Filmtopliste vor einigen Jahren oder von Medien wie Videospielen, was zum einen daran liegt, dass Horrorfilme sich untereinander teilweise so fundamental in ihrer Wirkweise voneinander unterscheiden und so manches nicht mal unbedingt unter das Genre fällt und man andererseits abwiegen muss, ob einzelne extrem-überzeugende Elemente besser sind als ein insgesamt hochwertigeres Gruselerlebnis. Die ersten 5 Plätze standen dabei relativ flott, die Plätze 6 bis 15 waren ein Kompromiss und die Plätze 16 bis 20 waren zum Haareraufen. Nun ja, ich habe es ja irgendwie geschafft, ich Teufelskerl. 

Letzte Anmerkung: Ich verlinke keine Trailer. Ich bin grundsätzlich kein Freund von Filmtrailern, denn das Motto 'Hast du den Trailer gesehen, hast du den Film gesehen' kommt nicht von ungefähr und trifft beim Horror mehr zu als bei jedem anderen Genre. 80 % der Horrortrailer spoilern fast den gesamten Film, und viele der hier aufgezählten Titel funktionieren besser, je weniger man im Vorfeld darüber weiß. Also seht euch die IMDB-Seite an, lest die Inhaltsbeschreibung und überfliegt vielleicht kurz ein paar Reviews - Aber schaut keine Trailer und in Gottes Namen, googelt den Film bloß nicht. Danke. 

 

 

Folgende, nach allen Regeln der Kunst empfehlenswerte und tolle Filme habe ich nach längerem Abwägen für diese Liste NICHT beachtet, da sie in meinen Augen nicht den Tatbestand klassischen Horrors bzw. dem übergeordneten Gedanken des 'Angstschreckens' entsprechen. Dennoch, ich wiederhole mich, jeder davon ist mehr als nur einen Blick wert. In loser Reihenfolge: 

Stephen King's The Mist

The Divide

Let me in Remake

The Purge-Filmreihe

Annihilation/Auslöschung

The Sacrament

 Eden Lake

Martyrs

LUZ

The Neon Demon

Stoker

Aliens

Coherence

Folgende Horrofilmefilme haben es NICHT in die Top 20 geschafft, sind jedoch auf die eine oder andere Weise besonders und definitiv beachtenswert:

(21) Ghost Stories

(22) Der Leuchtturm (2019)

(23) Hell House LLC (Geheimtipp!)

(24) Kill List

(25) The Cabin in the Woods

(26) Das Dorf der Verdammten (1995)


 

 

 

 

 

 

 

Nun denn, hier sind sie, meine 20 liebsten Horrorfilme der letzten 40 Jahre. 

 


Platz 20 - Paranormal Activity - Tokyo Night (2010)


Die Paranormal Activity Filme sind - Trotz ihres großen Erfolges und der Quasi-Begründung eines neuen Horrorhypes 'Found Footage' damals - ein missverstandener Rohrkrepierer, der in den ersten 40 Minuten fast jedes einzelnen Filmes im Franchise erst mal nicht mehr zu sagen hat als ein paar sich bewegende Türen und flackernde Lichter. Dann speist man uns mit einem hektisch-schockierenden Finale ab und nennt das dann Horrorfilm. Es gab da einige gute Ausnahmen, keine Frage, aber im Wesentlichen ist das für mich anspruchslose Zuschauer-Verarsche. 

Als man sich aber japanischerseits dazu entschied, das Thema aufzugreifen und quasi-zu-remaken, war klar, dass das etwas ganz Anderes wird. Japanischer Horror, darüber besteht kein Zweifel, ist ein ganz eigenes Genre und oftmals eines, das dem amerikanischen Nachbarn den Vogel zeigt. So auch hier bei Tokyo Night, wo alles etwas subtiler, etwas eleganter und vor allem etwas kreativer vonstatten geht. Auch hier braucht man für die erste Hälfte viel Sitzfleisch, doch die Charaktere sind sympathischer, der Aufbau unheilvoller und das Finale so viel befriedigender als etwa das Pendant des ersten, amerikanischen Teils. Außerdem hat mich dieser Film gelehrt, wie furchteinflößend es sein kann, jemanden einfach nur auf eine bestimmte Art und Weise Laufen zu sehen, aber mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Geheimtipp!


Platz 19 - Orphan - Das Waisenkind (2009)


Orphan bewegt sich im Segment des Semi-Mainstreams, wodurch es einerseits von einer sehr hochwertigen und gut-verdaulichen Optik und Ausstattung mit namhaften Schauspielern profitiert, andererseits aber nicht die Weichgespültheit eines Conjuring oder Annabelle nachahmen muss. Die Geschichte fühlt sich an wie der typische 'Haunted House'-Kartoffelbrei, wird jedoch aufgrund der Prämisse viel raffinierter und unterhaltsamer umgesetzt. Die Schauspieler, auch und vor allem die Kinder, liefern fantastische und teilweise wirklich für das Alter der Darsteller(innen) grenzwertige Performances ab, auch wenn man einige Charaktere sehr früh im Film zu hassen lernt und auf erzählerischer Ebene als stumpf erachtet. Die 'Scares' sind allesamt hervorragend und der Horror entsteht hier wirklich vor allem auf psychischer und emotionaler Ebene. Zuletzt empfinde ich es immer noch als sehr angenehm, dass hier nicht in SchwarzWeiß-Tönen gemalt wird wie etwa bei jedem Dämonen/Geister/DesTeufelsSekräter-Popkornstreifen, sondern dass auf die Hintergründe und Gefühle eingegangen wird. Ein harter und doch emotionaler Horrorfilm mit einem großartigen Twist, den man vermutlich nicht kommen sieht. 


Platz 18 - Jessabelle

Jessabelle ist  an der Oberfläche und über die meiste Lauflänge wieder ein konservativerer Horrorfilm, der auch anhand von Produzenten, Cover oder den Regisseur, der hauptsächlich SAW-Filme zu verantworten hatte, nicht auf überraschende Tiefe schließen lässt. Es ist jedoch auch wahr, dass er im Mainstream unterging, und das aus dem selben Grund warum er auf dieser Liste vorkommt - Er ist so außerordentlich solide in dem, was er macht, und weicht in wichtigen Kernpunkten vom typischen 0815-Schema ab. Dazu gehört die überzeugend-sympathische Hauptdarstellerin, dazu gehört das sumpfige Setting in Louisiana, dazu gehört die Genremischung mit einer emotionalen Familientragödie, dazu gehören die schneeballesquen Twists, dazu gehören die ungewöhnlichen Jumpscares und dazu gehört die gesamte zweite Hälfte, die einen ganz anderen Weg einschlägt als man erwartet. Jessabelle macht vieles anders als seine bekannteren Kollegen, und was es genau so macht macht es besser.


Platz 17 - V/H/S + V/H/S 2

 

Erinnert ihr euch an Sendungen wie Gänsehaut oder Twilight Zone? Der NurNochSoSemiWeilKult-Geheimtipp V/H/S ist das als richtig eigensinniger Handkamera-Film. Im Setting einer Männerbande, die ein altes Haus durchsucht und dabei auf Unmengen Kassetten stößt, die sie sich ansehen, bekommt ihr hier mal mehr, mal weniger unter die Haut gehende, aber immer morbide-kreative Kurzgeschichten gezeigt, die wieder mehr auf dem Atmosphäre-, und Überraschungshorror aufbauen - Nicht, dass es keine üblen Jumpscares gibt. Viele WHAT THE FUCK-Momente sind auch noch an Bord, und insgesamt erwartet einen hier einfach eine so bunte Wundertüte, dass damit kaum jemand komplett ins Klo greift. Der zweite Teil ist unbeliebter, meines Erachtens nach aber nicht weniger sehenswert. 

 

Platz 16 - Sinister (2012)


Der alles in allem sicherlich 'konservativste' und 'unspannendste' Horrorfilm in in dieser Aufzählung ist da, weil er meiner Erfahrung nach der 'Typical Haunted House'-ConjuringInsidiousParanormalactivityAnnabelle und schlag mich tot-Film ist, der am Kreativsten und unterhaltsamsten mit diesem Staubgerüst umgeht. Nicht nur ist das ganze Seherlebnis durchzogen von einprägsamen und verstörenden Szenarien wie alten Filmaufnahmen, auch der Mythos bzw. die 'Antagonisten' im Film sind etwas anders als das typisch-grummelige Küchenknall-Gespenst. Die Schauspieler liefern hier nun nicht die Welt ab, doch es gibt wenige Kopfgreif-Momente. Viel passiert über Atmosphäre, aber auch die Jumpscares sind hier zur Abwechslung mal so bösartig-effektiv, dass die mich beim ersten Sehen teilweise wirklich keuchend zusammenzucken ließen. Der Soundtrack hat einige abgründige Höhepunkte und das Finale, sprich die letzten 20 Minuten, sind nochmal etwas ganz Anderes. Bei Sinister erwartet einen nicht die neue Welt, sondern Altbekanntes mit viel wohlschmeckendem Gewürz.


Platz 15 - Grave Encounters (2011)


Der zu unrecht als Horrortrash bezeichnete Handkamera-Film von zwei jungen Horrorfan-Regisseuren aus dem Jahre 2011 zählt für mich zu einem der besten und glaubwürdigsten Found Footage-Vertreter, weil er die Frage 'Warum FILMEN die jetzt noch?!' bereits in seiner Prämisse zufriedenstellend beantwortet. Bekanntheit und Popularität erlangte die betonte Indie-Miniproduktion durch die grotesk-verzerrten Geistereffekte, welche die beiden Regisseure im Wohnzimmer-Studio erdachten und einfügten, und welche auch im Jahre 2021 noch uneingeschränkt gelungen daherkommen. Mal abgesehen von den mittelmäßigen Schauspielern ist das 'Geisterhaus' hier als Antagonist ebenso spannend wie die Tatsache, dass im späteren Verlauf neben dem Horrorgenre noch eine Art Survival-Note hinzukommt, aber hier wäre jedes weitere Wort ein Spoiler. Die Ausführung ist einfach aber spannend und es kommt selten die Langeweile eines Paranormal Activity auf. Die Jumpscares sind erstklassig und das Finale ist herrlich-fies und schwarzhumorig.

Unbedingte Empfehlung, wenn ihr hartgesottene Horrorfans seid. Bonus: Der Film ist komplett und legal auf Deutsch auf YOUTUBE ansehbar:

https://www.youtube.com/watch?v=3HS7L498h7o

 

 

14. Perfect Blue  (1997)


Es ist bezeichnend, dass es in Japan bis heute vielleicht drei oder vier Animefilme gibt, die man wirklich als Horror bezeichnen kann, und es der Beste davon natürlich direkt in sämtliche Toplisten schafft. Stellt euch nur vor wie es aussähen würde, wenn man im Animationsmedium dem düsteren Genre zugewandter wäre. So aber ist Satoshi Kons 'Perfect Blue' bis heute eine Art unerreichtes und konkurrenzloses Novum, das komplett auf psychologischer Ebene funktioniert und Elemente der Idol-Otakukultur gekonnt mit spannenden Thrillerelementen verknüpft. Man sieht dem Film seine 23 Jahre an, der Soundtrack ist aber animetypisch nach wie vor gänsehauterregend und das Seherlebnis ist insgesamt auch gut gealtert. Die Auflösung ist leider nicht die Stärkste und fällt auch relativ schnell in sich zusammen wenn man länger als fünf Minuten über sie nachdenkt, aber hier geht es vorrangig um Atmosphäre und Unwohlsein. Allein um den einzigen, richtig-guten Horrorfilm eines kompletten Mediums zu sehen würde ich Perfect Blue mitnehmen. 



13. Creep 1 + 2 (2014, 2017) 


Creep ist wieder so ein Insidertipp von dem ich glaube und hoffe, dass ihr davon noch nie gehört habt, weil mehr Indie tatsächlich einfach nicht geht. Creep ist eine winzige Found Footage-Produktion, die allerdings wieder zufriedenstellend aufklärt, warum gefilmt wird. Alles, was an diesen beiden Filmen gut ist, ist die Figur des 'Creeps'. Dargestellt von einem - Ich kann das nicht genug betonen - fantastischen Schauspieler. Je weniger ihr wisst, desto besser. Der Horror ist hier nicht klassisch, es gibt zwar wahnsinnig-effektive und stressige Jumpscares, aber diese Filme definieren sich eher über dieses allmählich aufkommende, unverdrängbare Gefühl von unterschwelliger Bedrohung und dem Bedürfnis, gerade irgendwo anders zu sein. Dazwischen eine Menge schwarzer Comedy und 'Weirdness'. Manche Szenen sind geradezu absurd-überspitzt, schaffen es dabei aber dennoch, als hyperverstörend für Jahre im Gedächtnis zu bleiben. Dieser Film hier ist exakt das beste Beispiel dafür, wie man aus absolut GARNICHTS mehr als ALLES herausholt. Auch für Horrormuffel eine Top-Empfehlung, da es wenig 'Gruselatmosphäre' gibt. Ich habe beide Filme zusammengefasst, auch wenn der Erste nochmal DEUTLICH stärker ist. Dritter Teil in der Mache.  

 

12. Aterrados (2017)

Aterrados ist ein weiterer recht kleiner Indiefilm, diesmal aus Spanien, ein Land, das öfter spektakulären Horror abliefert. Im Rahmen dieser Liste ist Aterrados ein gutes Beispiel für den Kontrast zwischen Hoher Wertung und Allgemeiner Einordnung. Der Film ist bei mir auf IMDB besser gewertet als einige der Filme höher in der Liste, aber eben nur, weil er in seinem Seherlebnis so fantastisch war. Manchmal muss man das 'Gesamterlebnis' und die 'Wertigkeit' dann aber qualitativer einstufen. Aber wie dem auch sei. 

Aterrados hat eine scheinbar maximal-unspannende Story, die es zunächst wie einen Conjuring-Wiederholungstäter aussehen lässt, bevor bereits in den ersten Minuten die Maske fällt und über die Lauflänge einige der verstörendsten Effekte und Szenen der letzten Jahre kreiert werden. Vor allem ein bestimmter, grotesker Schockeffekt in der Mitte des Filmes ist vermutlich einer der gelungensten Jumpscares die ich je gesehen habe. Im wahrsten Sinne des Wortes hammerhart und kompromisslos, mit richtig spaßigem, unerwartetem Ende. 

Das Cover fehlt hier, weil es leider schon ein cooles Element spoilert. Wenn ihr irgendwie könnt, versucht es zu vermeiden. 



11. The Babadook (2014)

The Babadook war damals eine der Innovationen, die das eingeschlafene Genre brauchte. Vor allem, weil es mal wieder eigentlich kein Horrorfilm sondern ein Familiendrama um eine leidgeplagte Witwenmutter und ihren problematischen Sohn ist. Dabei ist Babadook durchaus anstrengend, denn beide Hauptcharaktere sind mehr Problem-Minenfelder als Sympathietröger und die Regisseurin ist sehr geschickt darin, den Zuschauer sowohl Mutter als auch Sohn im Wechsel zu hassen, nur um dann wieder mit ihnen zu fühlen. Der Horror ist eleganter und fühlt sich mehr nach einem 'Düsteren Märchen' an, es gibt Tim Burton-Zwischentöne und viele richtig schaurige Effekte statt platter Jumpscares. Intensiv wird es im letzten Drittel, wenn das ganze zu einer psychisch-belastenden und gerade für Zuschauer mit desolaten Familienverhältnissen mitnehmenden Erfahrung wird. Babadook ist jetzt nicht der eindrucksvollste, schrecklichste oder innovativste Horrorfilm, aber er ist das beste Horror-Familiendrama, das mir einfällt.


10. The VVitch (2015)

Es gibt zuweilen einen Unterschied zwischen dem Genuss eines Filmes und der handwerklichen Wertschätzung. Im Falle von The VVitch ist das unbedingt zu betonen, denn den Film anzusehen ist die ganze Zeit unangenehm und anstrengend. Die viel zu hohen, langgedehnten Violinen, die trögen, ewigwährenden Waldaufnahmen, die schmutzige, desolate Atmosphäre des konolialistischen Englands und eben das permanente Zerren am Nervenkostüm. VVitch ist extrem verstörend, zermürbend und fordernd. Ich würde argumentieren, dass das hier einer der anspruchsvollsten und unzugänglichsten Horrorfilme der Liste ist, der wirklich nur richtigen Horror-Enthusiasten gefallen kann. Es macht keinen Spaß, The VVitch anzuschauen, aber es ist auf künstlerischer Horrorebene unheimlich befriedigend. Außerdem der EINZIGE Eintrag hier, bei dem ich die Lektüre des ersten Trailers explizit empfehle, weil ich ihn so genial finde. Gefällt er euch auch, könnt ihr The VVitch probieren. Nur erwartet keine Jumpscares.

 

9. Oculus (2013) 

Eine weitere Indie-Produktion. Oculus ist das, was dabei herauskommt, wenn eine alte Idee auf eine hervorragende Umsetzung trifft. Viele Tropes und Regeln des Horrorgenres werden hier persifliert, zitiert oder umgekehrt und das gesamte Konzept ist vor allem in der zweiten Hälfte ein garantierter Mindfuck-Garant, der viel Aufmerksamkeit verdient und fordert, wenn erzählerische Ebenen ineinanderfließen und alles immer verworrener wird. Ein betont-intelligenter Atmosphäre-Horrorfilm, der auch viele verstörende Bilder zu bieten hat. Ging vollkommen zu unrecht unter, weil er etwas Hirnschmalz fordert. Gute Schauspieler, hochwertige Optik, fantastisches Finale.

Ich verweise zudem auf mein ausgedehntes Textreview:

https://gedankenbloggade-yoraiko.blogspot.com/2020/10/film-review-oculus-2013-ein-spiegel-sie.html

 

8. It follows (2014)

Mit Sicherheit das erfolgreichste 'Anti-AIDS'-Advertisement aller Zeiten. Die Metapher von IT FOLLOWS mag ebensowenig subtil sein wie der Titel, aber dafür ist die Nostalgiereise in eine stilistisch andere Epoche des Horrorgenres so angenehm. Es gibt zwar ein paar Schreckeffekte in IT FOLLOWS, aber das hier ist subtiler Atmosphäre und Hintergrundhorror als Film. Viel schrecklicher als kurzweilige Scars, viel furchterregender als die Katze aus dem Sack ist doch das Gefühl der Bedrohung, das nie verschwindet - Denn immer könnte im Hintergrund jemand auf euch zulaufen. Die unglaubliche Fülle an kleinen Details und gruseligen Hintergrundgeschehnissen ist neben der überragend-metapherreichen Bildsprache die größte Stärke. Und dann ist da noch der 80s Synthesizer-Soundtrack, der die fremdartige, hypnotische Wirkung des Filmes verstärkt. IT FOLLOWS ist nicht höher gerated weil es eher Horrordrama als wirklicher Grusel ist und die Charaktere intelligenter sein könnten, aber ich finde das ist einer der besondersten Horrorfilme der letzten 20 Jahre.


7. The Shining (1980)

Ein alter klassiker des Horrorgenres, der hier wirklich niemanden überraschen sollte. Ich bin als Neuzeit-Kind sehr wählerisch mit Filmen, die ihre Wurzeln vor 1990 haben, aber Shining ist in seiner Bildsprache, in seinem eloquenten Script und in seinen verstörend-hautnahen Schauspielern so zeitlos wie ein guter Tropfen Wein. Stanley Kubrick als das visionäre Genie der Filmlandschaft ist für mich bei vielen seiner Filme eine starke Ansichtssache, aber hier kommt es wirklich durch. Jede einzige Aufnahme ist ein Gemälde. Der Horror ensteht nicht durch Jumpscares sondern durch das verstörende Unwohlsein, das nur durch Blicke entsteht. Alleine die eröffnungs-Sequenz ist legendär und legt perfekt die Stimmung für den Rest des Films aus. Lediglich das Ende schwächelt etwas, aber das hier ist der EINE alte Horrorfilm den jeder gesehen haben sollte. 

Empfehlung meines Textreviews:

 https://gedankenbloggade-yoraiko.blogspot.com/2020/04/film-review-shining-1980-127-times.html

 

6. The Taking (2014)

Ultra-Under-Indie. Den Film gibt es nicht auf Deutsch und ich bekam ihn nur zufällig über Reddit mit. Unendlich dankbar. Einer der besten Found Footage-Filme (Was nicht viel heißt wenn man sich ansieht wie viele davon ich hier habe), die das sind, was 'The Visit' niemals hätte sein können. Eine unheilvolle Atmosphäre dicker als Blut, fürchterlich-raffinierte Jumpscares, umwerfendes Acting von der 'Hauptdarstellerin', eine im Vorbeigehen eingestreute Erinnerung wie fürchterlich Demenz eigentlich ist und was sie mit Menschen macht und so ernsthaft-grauenerregende Bilder im besten Sinne. Falls ihr des Englischen mächtig seid unbnedingt Ansehen. Nur vielleicht nicht vorm Schlafengehen. 

5. Hereditary (2018)

Wir sind bei dem Regisseur angekommen, der meiner Meinung nach gerade das Horrorgenre renaissanceiert, revolutioniert und wieder publikumsfähig macht, ohne dabei an Qualität einzubüßen. Der junge Ari Aster ist in seinen Vorstellungen, seinem Ideenreichtum und seiner Kunstfertigkeit dabei so treffgenau, dass man wirklich mit spitzbübischer Freude auf seine weiteren Filme schauen darf. Hereditary nimmt die eigentlich alte Prämisse von Besessenheit/Haunted Family und dreht sie komplett um, um mit den Erwartungen der Zuschauer zu spielen, mit unvergleichlich-brutaler und schonungsloser Brutalität oder Emotionalität wie den Schreien einer Mutter zu schockieren und am Ende nicht nur mit genialen Jumpscares sondern auch einem Panikhorrror aller erster Klasse zu überzeugen. Einmal abgesehen von der tonnenschweren Detailfülle an Hinweisen und Foreshadowing, die in Ari Aster's Filmen steckt. Man sagt 'Hereditary' nach, es wäre DER EXORZIST unserer Generation, und ich finde das trifft es auf den Punkt abgesehen davon, dass Hereditary so viel besser ist. Hier trifft ein Cineasten-Kunstfilm auf massenkompatiblen Schockerhorror mit Rahmen eines Familiendramas. Die Schauspieler sind verboten-gut. Alles richtig gemacht.

4. The descent (2005)

The Descent war seiner Zeit voraus, ist Klaustrophobie im Quadrat, aber auch eine Geschichte über Trauer, Verrat und Freundschaft. Sechs Bergesteigerinnen, die ein tiefes Höhlensystem mitten im Nirgendwo als Erste entdecken. Fast das ganze Erlebnis findet in völliger Dunkelheit statt. Kaum ein Horrorfilm kann es sich leisten, in den ersten 40 Minuten so abstrus-wenig passieren zu lassen und doch keine einzige Sekunde 'Langeweile' zu generieren. Wenn der Knoten aber platzt, dann richtig, und dann beginnt eine Adrenalinfahrt, die durch das Höhlensetting an Beklemmung und Glaubwürdigkeit kaum zu übertreffen ist. Schrecken entsteht hier nicht nur durch das zentrale Horrorelement sondern auch durch die morbide Realisation von Umgebungsgefahren wie einem eindlos-tiefen, finsteren Abgrund oder dieser PERMANENTEN Enge der einen umschließenden Felstunneln, was unter anderem unangenehm klar wird, wenn plötzlich eines der Mädchen irgendwo stecken bleibt und anfängt panisch zu werden. Jede einzelne Schauspielerin vollführt einen ausgezeichneten Job, was essentiell ist dafür, dass wir wirklich um jede einzelne der Freundinnen fürchten. Vor allem Hauptcharakter Sarah wird später durch bestimmte Umstände zu einem absoluten Badass und einer starken weiblichen Figur, von der man gerne mehr gesehen hätte -  Wäre der zweite Teil nicht so eine gänzliche Verunglimpfung jeden guten Geschmacks. Der emotionale Soundtrack ist der ABSOLUTE Hammer und im Gegensatz zu den meisten Horrorstreifen einer der ganz großen Qualitätsträger hier - Wir reden von orchestralen Violinen. Das Ende ist wohl eines der denkwürdigsten des Genres. Außerdem ist das Foreshadowing unheimlich gelungen und effektiv darin, den Zuschauer im Dunklen zu lassen darüber, was da auf die Heldinnen zukommt.The Descent ist gnadenlos-explizit, aber nicht splatterig. Hart im nehmen muss man hier psychisch sein.



3. Triangle (2009)

  
 
Mindfuck - The Movie. Vielleicht einer der komplexesten und kompliziertesten Mindfuck-Horrorfilme, die ihr je sehen werdet. Und dabei wirkt er am Anfang doch eher nach klassischem Slasher-Trash. Diesen Film könnt ihr zehnmal sehen, und ihr werdet immer noch neue Details und Hinweise entdecken. Noch heute, 12 Jahre nach Veröffentlichung, werden in Internetforen und Reddit Theorien gesponnen und versteckte Eastereggs gesammelt. Aber das Beste: Das muss euch keine Angst machen, denn am Ende ist alles klar. Ihr müsst die Antworten nicht finden, weil der Film sich vollständig selbst beantwortet. Ich liebe die Leistung aller Schauspieler und ich liebe das tragisch-atmosphärische Maintheme, das ich noch immer rauf und runterhöre. Zusammen mit 'The Shining' und Platz 1 ist das der einzige Film auf der Liste und in meiner gesamten Horror-Historie, dem ich das Prädikat 'Meisterwerk' andichten würde. Damit wisst ihr schon zu viel. GUCKT IHN.

 

2. REC + REC2 (2007, 2009) 

Der beste Found Footage-Film. REC ist für mich einer der wirklich wenigen Horrorfilme, die mich damals komplett unvorbereitet trafen, mich schockierten und mich bis zum Ende den Atem anhalten ließen. In einem Genre, das so tröge, so leblos und so scheintot geworden war, war REC eine große Innovation, eine entsetzliche Achterbahnfahrt gewesen, die friedlich, einmurmelnd, fast tröge anfängt, bald aber dermaßen schonungslos wird, dass man das Filmerlebnis garantiert Jahre im Kopf behält. Vor allem kann man ihn auch problemlos mehrmals sehen, er ist dann nur nicht mehr ganz so überraschend. Der leuchtende Stern des spanischen Kinos. Die letzten zehn Minuten sind nicht nur für mich in die Analen des Filmhorrors eingegangen. Für mich persönlich ist REC sehr, sehr weit vom dritten Platz entfernt und der einzige Grund, dass er nicht mehr auf Platz 1 steht ist, dass er in der Mitte eine lange Interview-Strecke hat, die das Tempo leider etwas zu sehr rausnimmt. Der zweite Teil macht im Wesentlichen das Selbe wie der Erste, nur in schlechter und unlogischer. Teil 3 und 4 existieren nicht. Am besten auf Spanisch gucken, aber nur, wenn ihr wirklich hartgesotten seid.


1. Midsommar (2019) 

Was ich bereits eine Minute nach Anlaufen der Credits von MIDSOMMAR wusste ist, dass es für mich eine 9 von 10 vereint. Was ich dann erst noch mit mir ausmachen musste ist, ob Ari Asters zweiter(!!) Film weitergeht. Und das tut er, denn Midsommar ist meines Erachtens nach ein unvergleichlicher Horrorfilm, der das Genre ein Stück weit revolutioniert und endlich das erste Mal seit zumindest meinem Leben einen Horrorfilm präsentiert, der nicht nur KOMPLETT bei Tag spielt sondern auch sonst alles anders macht als der Rest des Genres. 

Das mag einer der Gründe sein, warum er so gespalten aufgenommen wurde - Viele, viele Zuschauer aus - und das sage ich wirklich ohne Wertung - vor allem der MainstreamPopkornEntertainment-Riege konnten an Midsommar gar nichts finden, halten ihn für 'sinnlos' und 'überbewertet', und ich verstehe das. Während Hereditary ganz klar möglichst ALLE Zuschauergruppen an einen Tisch bringen will, richtet sich Midsommar in meinen Augen ganz klar an Cineasten und niemanden sonst. Dieser Film ist ein Punkt, an dem das Verständnis und die Wertschätzung für Ari Asters Arbeitsweise schwieriger und fordernder wird, bei weitem nicht jeder kann Midsommer richtig verstehen oder einordnen. Daamit muss man leben, wenn man einen solchen Film macht, und es wird spannend zu sehen, welchen Pfad das dritte Werk einschlagen wird.

Midsommar setzt abermals nicht auf Jumpscares sondern auf den verstörendsten und unangenehmsten Climaxaufbau den ich je gesehen habe. In den letzten 20 Minuten konnte ich die Hand nicht vom Mund nehmen und es ist atemberaubend wie es Ari Aster gelang, eigentlich klassisch-wunderschöne und bezaubernde Elemente (Stichwort Blumen) in etwas derartig Verstörendes und Fremdartiges zu verwandeln, dass man sich kaum regen mag vor Ekel. Das Foreshadowing ist auf einer anderen Ebene als das Meiste, was ihr je gesehen haben werdet, hier sind beinahe in jedem Bild und jedem Hintergrund wichtige Details versteckt, so vieles passiert nur in den Zwischentönen und angedeutet, aber WENN etwas vordergründig passiert, dann auch gnadenlos-explizit und brutal. Midsommar ist ein Rauschtripp, der zumindest mich von Anfang bis Ende gepackt und vor allem in der zweiten Hälfte nicht mehr losgelassen hat. Ein Film, der im Gegensatz zu REC keine Längen und keine für mich ersehbaren Schwächen aufweist und erst in der allerletzten Szene für jeden verständlich enthüllt, worum es eigentlich geht, und dass hier abermals kein reiner Horrorfilm präsentiert wurde. Ich könnte noch so vieles sagen, aber Midsommar kann man eigentlich gar nicht beschreiben, den muss man gesehen haben.

Ganz ohne Zweifel der beste Horrorfilm, den ich je gesehen habe. Aber auch der beste Thriller, das beste Drama und ganz allgemein einfach einer der zehn besten Filme meiner Historie. Aber man muss wirklich wissen, worauf man sich einlässt. Harte, verstörende Kost, die nachwirkt. 

 

 


Das waren sie, meine 20 liebsten Horrorfilme der letzten 40 Jahre, mit viel Text, Vorstellungen und blabla. Ich denke, die nahe Zukunft des Horrors sieht endlich wieder rosig aus, zum einen wegen Regisseuren wie Ari Aster, den ich für das Horrorgenie unserer Zeit halte, aber auch weil immer mehr Gruselstreifen 'Andere Wege' gehen, das Haunted House-Genre ist lange nicht mehr gefragt. Ich hoffe sehr, ihr konntet euch den einen oder anderen Tipp mitnehmen und lese euch beim nächsten Mal. 

 

- Yoraiko





Freitag, 5. Juni 2020

Wer guckt eigentlich DVD-Extras?



Die oftmals enthaltenen Specials auf physikalischen DVD und Bluray-Discs von Anime, Cartoons, Serien und natürlich vor allem Filmen sind gerade heutzutage in Zeiten stetig-steigender digitaler Angebote immer noch ein Argument für den Griff zur Retail-Fassung, da man sich Videos wie Behind the scenes oder Making of's von Filmen sonst, wenn überhaupt, mühevoll online zusammen sucht. 

Beim Arrangieren dieser Specials oder auch Extras kann man allerdings eine ganze Menge falsch machen, damals wie heute, und es gibt so ein paar wiederkehrende Schnitzer oder Eigenheiten, die mich an DVD-Extras fortwährend aufregen. Nicht auf dem selben Niveau wie die Omi an der Kasse die erst nach der Aufforderung zur Zahlung ihre Miniaturbörse öffnet, ihre schmierige Brille rausholt und das überschüssige Kupfergeld wie Aschenbrödel handverliest, aber immer noch genug um jedes Mal wieder die Augen zu verdrehen. Werfen wir an dieser Stelle einen geflissentlichen Blick auf die DVD-Extras verschiedener Medien, welche Eigenschaften mich an welchen stören, wer es hervorragend macht und wovon es einfach zu wenig gibt. 


Wer guckt eigentlich DVD-Extras?

Die Zielgruppe von Film/Serien-Specials auf DVDs und Blurays ist schon in sich eine Nische. Das Ansehen von produktions-relevanten Inhalten wie die Entstehung eines Filmes oder Interviews mit den Verantlortlichen verschiedener, essentieller Bereiche fällt in der Regel dem Filmnerd, Enthusiasten oder Franchise-Vollblutfan zu, der daran genau so interessiert ist wie am eigentlichen Produkt. Für Andere wiederum sind Extras nur eine nette Dreingabe. Der Großteil der Käufer aber dürfte, das ist meine Schätzung, den Bonusinhalten auf Datenträgern keine Beachtung schenken. Die wollen den Film und gut ist. Das sind auch die Leute, die im Kino einfach unterhalten werden und eine gute Zeit haben wollen. Und das ist ja vollkommen in Ordnung.

Film-Enthusiast und Nerd würde ich mir schon attestieren, allerdings eher auf legerem Level, wie es in allen Bereichen meines Lebens vorherrscht. Gerade genug, um keine Diszipliniertheit zu fordern. Ich sehe mir grundsätzlich alle Extras einer DVD/Bluray erst mal an, da ich sonst auch immer das klaffende Gefühl verspüre, etwas zu 'verpassen'. Ich will 'alles' mitnehmen, wofür ich bezahlt habe. Da mittlerweile aber auch einfach viele Produktionen ihre Datenträger sinnlos vollknallen, wie ich weiter unten vertiefe, und ich Sklave grenzenloser popkultureller Medien bin habe ich schlichtweg nicht mehr die Zeit (Oder Lust) wirklich jeden Extra-inhalt einer Disk zu sehen. Also wird hier mal selektiert, was uninteressant ist, und da mal auf 1,5 speed gestellt. Woran aber macht sich fest, welche Inhalte gut sind und welche nicht?

Filme, Serien, Anime und Cartoons - 
Die Unterschiede

Verschiedene Medien bringen auf ihren physikalischen Releases verschiedene Extras mit sich, das zeigt die Erfahrung. Diese Unterschiede begründen sich teils in der Natur des Mediums, teils durch die angenommene Erwartungshaltung der Zielgruppe, teils durch die Mittel der Produktion. Es ist schwer, da ein schlechter oder besser anzuführen, leichter jedoch, die Unterschiede klar zu erkennen.



Cartoon-Extras

Ich will mal ehrlich sein (Wie ich es immer bin!) - ich besitze nicht übermäßig viele Cartoon-Datenträger. Hauptsächlich die  AvatarKorra-Blurays, My little Pony-DVDs und den Spongebob-Film. Zumindest bisher. Aber man bekommt ja so Einiges mit und die Extras auf Cartoon-DVDs fallen so weit ich es attestieren kann oftmals eher mager aus. Trotz dessen, dass der Cartoon wie auch der Anime ein von Synchronsprechern abhängiges Medium ist, sind Synchron-Clips und Interviews als Extras hier deutlich weniger vertreten als im japanischen Medium. Es gibt für erwachsenere Franchises wie Avatar auch mal vereinzelte Behind-the-Scenes und Interview-Clips, aber der Großteil, an eine jüngere Zielgruppe gerichtete CartoonDVD-Markt, hat entweder keine oder wenige Extras, weil wohl ein Nichtinteresse der Kinder geahnt wird.

Ich weiß nicht, ob es das heute noch gibt, aber damals um die 2000er rum waren DVD-'Minispiele' noch ein Ding. Da konnte man also mittels der simplen Menüsteuerung kleine, beschämend infantil-programmierte Spielchen spielen, die einem Nintendo-verwöhnten Kind auch damals nicht mal ein herablassendes Lächeln abringen konnten. Meine Ice Age-DVD kommt mir da spontan in den Sinn. Aber hey, immerhin hat man sich die Mühe gemacht.


Anime-Extras


Ich rede hier grundsätzlich über den deutschen Anime-Markt, denn mit dem bin ich selbstverständlich sehr vertraut. Anders als bei Filmen, Cartoons und Serien dürfte es länderspezifisch signifikante Schwankungen bei den Extras der Releases geben, je nachdem, was ein Publisher lizenziert hat. Von diesem Standpunkt aus muss ich sagen, dass Anime vielleicht noch vor Cartoons das Medium mit den wenigsten Extras sind. Es ist selten genug, dass auf DVDs und Blurays überhaupt welche vorhanden sind. Bis in die späten 2010er Jahre beschränkten sich die in der frech als Extras-Kategorie beschriebenen Inhalte auf das Opening und Ending-Lied der Folgen und Trailer. 

Mittlerweile ist man da bei Fanservice-Publishern wie Animoon mit charmanten, deutschen Synchronsprecher-Clips etwas weiter. Alle Jubelveröffentlichung bekamen wir damals wie heute auch mal ein tatsächliches, japanisches Making of direkt aus dem Animationsstudio der jeweiligen Serie, mit Einblicke in die Synchronstudios, die kein Vergleich zu unserem halbgaren Synchronmarkt sind, oder Recherche-Reisen, die Teams hinter den Anime für ihre Serien unternehmen.

Das ist leider immer noch die Ausnahme, was sicherlich mit schwierigerer Lizenzierung zusammenhängt, aber Einblicke in die Produktionen hinter Anime sind meistens gut gewählt und interessant. 

Was mir sowohl bei Anime, Cartoons als auch Filmen und Serien erheblich fehlt sind mehr Einblicke in die Synchronarbeit. Für mich ist das oftmals der interessanteste Part gerade gezeichneter Medien, über den ich mir gerne noch viel mehr anhören und ansehen würde, statt zwanzig Minuten Schauspieler und Verantwortliche darüber reden zu hören, wie das die 'most amazing experience' aller Zeiten war und alle sich wie eine 'Familie' angefühlt haben. 

Was sich bei Anime-Extras hingegen oftmals als störender Zeitfresser erweist sind Aufnahmen von Live-Premieren bestimmter Anime samt der Synchron-Crew und Q&A. In diesen Premieren werden wirklich jedes Mal die selben, eintönigen Japanohöflichkeits-Phrasen abgefgeuert, die keine Konsistenz haben und nichts aussagen, dafür aber 40 Minuten gehen. Ugh.


Serien-Extras


Auch darin bin ich nicht bewandert, da Realserien nicht mein Brot sind, aber wenn ich beispielhaft von den Game of Thrones-Blurays ausgehe zeigt sich, dass es natürlich viele Überschneidungen zu Filmen gibt. Hinzu kommt, dass Serien-Blurays vermutlich oftmals ein vielfaches der Special-Angebote ihrer Kino-Kollegen in sich vereinen, da sie mit z.b. 10 Folgen pro Staffel auch viel mehr Inhalt bieten als ein Film. Meine Big Bang Theory-DVDs (Packt die Fackeln ein, nur die ersten 4 Staffeln und ich war jung...) nähern sich ebenfalls dem Extrabild von Filmen an. Ich hatte hier nie sonderlichen Grund zur Klage, abgesehen vielleicht von den symptomatischen Extrakrankheiten fast aller westlicher Specials. Dazu unten. 


Film-Extras


Aha, der Kern. Filme bieten sich für eine Sonderbehandlung natürlich alleine schon dadurch an, weil sich 15 - 20 € besser rechtfertigen lassen, wenn man die Laufzeit von 90 - 180 Minuten mit Extras streckt. Viele Sonderinhalte auf dem Backcover der Bluray machen einen guten Eindruck.


Im Gegensatz zu Anime und Cartoons stehen beim Filmen natürlich ganz klar Making-of's und Interviews im Fokus. Konzeptzeichnungen, Vorlagen, Arbeitsweisen, oft können wirt uns so all das erschließen. Das übt auf mich einen bersonderen Reiz aus, wenn es um Horrorfilme oder sehr düstere Geschichten geht - auch wenn man weiß, dass alles nur ein Film ist, tut es doch gerade Angsthasen gut, so zu sehen, wie die Schauspieler zusammen lachen und vor dem Spiegel zum Monster geschminkt werden. Sowas ist ein echter Mehrwert. 

Deleted Scenes sind die Mutter aller Extras und gehören auf wirklich jeden Datenträger, das wird von mir auch immer zuerst angesehen.

Bei tieferen Filmen wie I am Legend, Mother oder Purge findet man zudem dann auch tiefergehende Diskussionen und Einblicke in den Extras, die einen Podcast auf Youtube ersetzen können. Auch Audiokommentare von Regisseur+X Schauspieler sind häufig und dann sinnvoll, wenn ein Film so gut ist, dass man ihn wirklich oft sieht. Das sind coole Sachen. Die Anzahl und Häufigkeit von Filmextras variiert stark aufgrund der schieren Größe des Film-Marktes, es gibt sogar immer noch Film-Blurays ganz ohne Extras, auch wenn das wirklich überaus selten geworden ist. Es scheint einfach zum guten Ton zu gehören.

Während manche diese unausgesprochene Netikette aber ignorieren, und damit niemandem wirklich weh tun, übertreibt es so mancher auch maßlos mit seiner Gutmütigkeit, und auch das kann zum Problem werden.


DVD-Extras und ihre Probleme

Ich fange mit was ganz Infantilem an, das mich allerdings seit ich ein kleines Kind bin derartig aufregt, dass ich ein Buch darüber schreiben könnte: Extra-Intros.

Intros, Zusammenschnitte und Vorspanne sind für längere oder erzählende Medien gedacht, da sie in einer Serie eine Konstante bieten, die Stimmung verbildlichen oder uns erinnern, wo wir hier sind und was wir bekommen. Wofür Intros NICHT benutzt werden sollten, sind verdammte Making-of-Clips auf einer DVD. Und das wirklich Ärgerliche ist, dass einfach 80 % amerikanischer Produktionen diesen Schritt dennoch für nötig halten, damit die dummen Zuschauer auch wissen, was sie im Menü gerade nochmal angeklickt haben. 

Auch ist es für mich ein unnötiges Unding, seinen Extra-Clips 'Coole Namen' zu geben und so vorzutäuschen, das wäre hier alles unheimlich komplex und greife ineinander, statt die Clips einfach als das zu bezeichnen was sie sind.

Beispiel: Ein Extraclip geht fünf Minuten, wird aber mit einem mit Musik unterlegtem Zusammenschnitt kurzer Szenen eingeleitet, der fast dreißig Sekunden geht, Szenen des Clips vorweg nimmt und mit dem Schriftzug 
"BEHIND THE LEGEND" endet. Dann wird der Bildschirm schwarz, der Ton wird leiser und es geht endlich los. WARUM BRAUCHEN EURE KONSERVATIVEN PRODUKTIONSEXTRAS COOLE ANIME-INTROS?? WARUM MUSS ICH DIESEN UNNÖTIGEN DELAY IMMER WIEDER ERTRAGEN? 


Es gibt noch eine oben angedeutete Problematik, die mir dann und wann Stirnfgalten bereitet. Zu viele Extras. Es erscheint wie ein groteskes Problem, sich über zu viel zu beschweren, doch wie oben geschildert hat man unweigerlich das Gefühl, man würde etwas verpassen, wenn man sich nicht alles auf die Netzhaut legt. Sobald ein Grundinteresse an DVD-Extras da ist, kämpft man sich durch. Einige Produktionen meinen es aber nun manchmal zu gut und ballern das Extras-Menü mit drei oder vier Seiten(!!) dutzender Extra-Clips zu, die teilweise Stunden gehen, und jeden kleinen Furz und Pappaufsteller der Produktion verbildlichen -> GCI, Kulisse, Drehbuch, Drehort, Komparsen, Deleted Scenes, Gagrail, Historische Bezüge zum Film, Quellmaterial, Inspirationen, Requisiten, Wetterverhältnisse, Catering, Synchronisierung, Audiokommentar, Audiokommentar mit anderer Besetzung, Extended Filmcut, Schauspieler, Schauspieler-Casting, Schauspieler-Chemie, Schauspieler-Meinungen, Schauspieler-Bauchpinseln, ...

Und all das erschlägt einen dann, obwohl man vielleicht gar nicht an all diesen Mikrobestandteilen einer Produktion interessiert ist. Klar, dann muss man selbstverantwortlich picken. Das tue ich auch mittlerweile. Aber diese Welle an seelenloser Extras ist unnötig und lässt oftmals immer noch Inhalte vermissen, die wirklich interessant wären - mehr Einblicke in Synchronarbeiten, mehr schiefgegangene Szenen, sowas eben.



Vergessen wir bei alldem nicht den Underdog der Discextras. Genau - 




Videospiel Extras

Ja, es gibt sie - die Extras im Videospiel-Segment. Es ist ein sich langsam entwickelnder Nischenzweig, der auch 2020 nur wenige Prozente des Gesamntangebotes ausmacht. Prominente Vorreiter und Fackelträger von Videospiel-Specials sind etwa Quantic Dream, Until Dawn, Deus Ex oder Tomb Raider. Wir merken schnell, dass diese Namen unübersehbare, filmische Züge an sich tragen, und somit auch ihre Extras bekommen. Spiele wie RPGs, Fighting Games, Shooter oder Horror werden fast nie mit Extras abgesehen von Concept Art und Musik ausgestattet, dabei wären Making of's in diesem Medium doch so interessant -
Den Entwicklern und vor allem Synchronsprechern über die Schulter schauen, sie über das Spiel referieren hören, Inhalte sehen die man sich sonst auf Hackerkanälen über Youtube geben muss. Es ist und bleibt eine Nische, aber warum, frage ich mich? Die zielgruppe bleibt vornehmlich erwachsen, doch der Bedarf an Extras wird nicht gedeckt.

Eine mögliche Erklärung ist, dass dieser Bedarf nicht existiert und man Extras nicht als Verkaufsargument braucht. Film-DVDs und Blurays müssen sich mit dem Kino messen und kosten fast immer mehr als dieses, sie müssen Gründe liefern, begehrenswert zu sein. Videospiele stehen für sich, sind konkurrenzlos auf die Heimkonsole/ den PC zugeschnitten und werden gekauft weil man sie spielen will. Keiner macht das abhängig davon, ob es Extras gibt. 

Auch wenn das, um fair zu sein, bei Filmen vermutlich im Kern ähnlich ist.

Nichtsdestotrotz kann ich jedem die Making Of's der Quantic Dream-Spiele empfehlen, die waren genau so interessant wie die Endprodukte selbst und ich würde mir davon mehr wünschen. 

Ich habe gesagt, was ich zu sagen hatte. Möge es lesen und dazu denken, wer auch immer es möge.

Was sind eure Erfahrungen mit Extras auf Retail-Datenträgern? Sicherlich habe ich viel vergessen.


- Yoraiko.



















Dienstag, 7. April 2020

Die 40 besten Filmplakate aller Zeiten (Finde ich!)


Filmplakate fristen entgegen ihrer angedachten Funktion als buchstäbliches Aushängeschild eines Projektes ein Schattendasein gegenüber Trailern und Reviews, welche uns zumeist breitflächiger und eher erreichen. Das erscheint logisch - denn die Filmplakate sehen wir in der Regel auch erst, wenn wir schon tatenfreudig im Kino stehen. Abgesehen davon nur hier und da mal in Reviews oder auf den einschlägigen Filmseiten. Das wird einer der Gründe sein, warum Filmplakate heutzutage keine wirklich bedeutende Rolle mehr spielen. Ein sehr, sehr großer Teil ist einheitlich und uninspiriert, nichtssagend oder altbacken. Und das ist schade, denn eigentlich dienen Filmposter doch einem ganz wesentlichen Zweck - uns in einem einzigen Augenblick Lust auf den dahinterstehenden Film zu machen. Kürzer noch als in jedem Trailer soll man hier Genre, Stimmung, Inhalt, Anspruch und Schauspieler vermittelt bekommen. Horrorfilme sind schwarz und dunkel. Komödien zeigen lachende Menschen. Romanzen zeigen zwei gutaussehender Menschen. Actionfilme einen Mann mit Drei-Tage-Bart und dicker Wumme. Wir sind gedrillt darauf, Filme nur anhand weniger optischer Eigenschaften einzuordnen, und das funktioniert weitestgehend. Um aus diesem Ozean an tausenden und abertausenden, generischen Filmcovern auszubrechen und vielleicht sogar abgesehen vom Zweck ein Kunstwerk oder optischer Eigenwert zu sein, muss man sich schon wirklich etwas Besonderes einfallen lassen oder zumindest kräftig an den bekannten Formeln schrauben.

Es gibt viele Filmplakate die ich sehr mag, es gibt solche die ich an den Wänden meiner Wohnung habe und schließlich auch welche, die ich ganz schrecklich finde. Die Lust auf einen Film kann zumindest bei mir vollkommen vom Filmplakat abhängen. Dabei ist es auch überhaupt nicht so, dass Gutes Plakat = Guter Film bedingt. Es gibt da eine Tendenz, aber die ist unzuverlässig.

Unabhängig von den Filmen bin ich kürzlich durch meine etwa 800 Titel zählende Filmhistorie gegangen und habe versucht, alle Filmplakate herauszusuchen, die ich als persönlich überragend oder in irgend einer Form als höchst besonders und ansprechend betrachte. 40 Filmplakate sind dabei herausgekommen, wie oben in meiner erstellten Collage zu sehen ist, und diese 40 Plakate möchte ich nochmals einzeln präsentieren und kurz kommentieren. Es handelt sich dabei nicht um 40 gute Filme, einige davon sind geradeheraus furchtbar. Doch die Marketing-Abgteiling schafte es, diesen Umstand mit einem hochwertigen und ansprechenden Filmplakat zu verschleiern.

Bitte nehmt zur Kenntniss, dass das meine persönlichen Favoriten sind. Ich habe nicht nach allgemein-anerkannten Meilensteinen wie etwa dem 'Die Verurteilten"-Plakat gesucht sondern tatsächlich nach denen, die ich aus eigensinnigen Gründen großartig finde. Es mag hier also große Meinungsverschiedenheiten geben, und das ist in Ordnung. Die Plakate sind außerdem nicht streng nach Plätzen geordnet, sondern nach Kategorien. Nun geht es aber los.




Persönliche Top-Favoriten:


Es ist schwierig unter all diesen tollen Plakaten die obersten zehn für mich zu wählen. Was ich aber sagen kann ist, dass dieses alternative Plakat von THE NEON DEMON mein unangefochtener Platz 1 ist. Alles an diesem Plakat ist großartig: Der effektive Spruch oben, die blauschwarze Neon-Ästhetik mit dem stechenden  Blutrot, die leichte Spiegelung im Boden, die für den Film wichtigen Dreiecke welche Elle Fanning als tote Modepuppe in verschiedene Stücke teilen. Es ist nur eines von drei, vier Filmplakaten von Neon Demon, aber definitiv mein Liebstes. Es hilft, dass der Film auch fantastisch ist.



Kaum ein Filmplakat sticht heutzutage so heraus wie dieses. Hier hat man sich vollkommen auf das 80er-Retrofeeling konzentriert und damit eine visuelle Stimulationsgranate erschaffen. Ich glaube dieses Plakat könnte man auch unter hundert Anderen noch erkennen. Der stumpfe Spruch in schmerzhafter Schriftart oben ist ein Wehrmutstropfen, aber das Farbdesign ist der Wahnsinn. Der Film ist in Ordnung.



Dieses Plakat ist genau wie der Film selbst: Ein Wolf im Schafspelz. Sieht man es im ersten Moment an denkt man sich "oh das ist aber schön momentmalwaszumfick?!" Ich liebe diese morbide Natur des Plakates, es ist ästhetisch hochwertig, kunstvoll und schwört gut darauf ein, dass man hier einen sehr unkonvbentionellen und experimentellen Film vor sich hat. Die Wunde ist ein bisschen eklig ja, also in die Küche hängen würde ich es mir vielleicht nicht. Der Film ist übrigens perfekt. 



   
Das hängt als sehr große Version in meinem Wohnzimmer. Das mag vielleicht seltsam erscheinen angesichts der Tatsache, dass wir da ein kleines Mädchen sehen, aber die poetische Schönheit, die man 'Cosette' hier verpasst hat ist beispiellos, ich habe noch nie eine schönere Person auf einem Filmplakat gesehen, es könnte auch eine erwachsene Frau sein. Die vier wichtigen Begriffe unter Cosette fangen den Kern des Filmes gut ein. Tolles Plakat. Toller Film.




Klassiker:



Grässlicher, beschämend-beschissener Film. Der Vorgänger ist besser, 28 Weeks later bekam allerdings das bessere Plakat spendiert. Ähnlich wie The Babysitter ist dieses Plakat als eines unter tausend zu erkennen, brennt sich mit seinem brutalen Rot in die Augen und ist eines der ikonischsten modernen Film-Motive.




   
 
Das bekannteste Anime-Plakat der Welt, parodiert und persifliert in unzähligen Produktionen und Szenen. Es ist ein schlichtes, aber zauberhaftes Motiv, das auch den Charme des ganzen Filmes widerspiegelt und einfach Ghiblis DNA in sich trägt. 



 
Das Auge während der gespritzten Drogen, der Traum vom Erfolg am Geländer des Strandes. Zwei Szenen, welche die moderne Filmästhetik mitgeprägt haben und immer wieder referenziert werden, gerade das Auge. Es ist schlicht und verrät nicht zu viel, aber ich mag genau das, denn Requiem for a Dream ist eine beispiellos zerstörerische Erfahrung, die jeder unvorbereitet machen sollte.



Persönliche Darlings:



Ein kleiner amerikanischer Indiefilm, der eine der besten Romanzen zeigt die ich im Kino je beobachten durfte. Und wie wurde ich auf ihn aufmerksam? Durch dieses faszinierende Plakat, das mir auf IMDB vorgeschlagen wurde. Da der Film IN YOUR EYES heißt, würde das Plakat jedes anderen Filmes garantiert Augen zeigen. Hier aber nicht, hier sieht man nur gerade wenig genug von einer hübschen Frau, dass man sich fragt was dahintersteckt. Weniger ist mehr. Unbedingte Empfehlung.



Wieder ein Plakat, das sich nur auf ein zentrales Element konzentriert und jeden unnötigen Schnickschnack weglässt. Das apathische Mädchen im Kern, das blutrot-schwarze Umfeld und noch der effektive Spruch - 
"Innocence dies. Abby doesn't." reicht, um eigentlich jeden Horrorfan neugierig zu stimmen. Das würde ich mir auch in die Wohnung hängen, hätte ich dann nicht zwei Bilder von scheinbar jungen Mädchen an den Wänden...

Zum Vergleich mal noch das andere, unglaublich platte Filmcover, welches sowohl den Twist verrät als auch die dunkle Ästhetik gegen eine blaugrüngraue, schlecht gezeichnete Pixelvisage austauscht:
 
Ew.



Wenn man mal den behämmerten Untertitel ausblendet ist das ein visuell wirklich sehr starkes Plakat, das nicht viel verrät aber sich mit seiner Farbgebung aus dem üblichen Einheitsbrei hervorhebt. Das etwas handzahmere, andere Plakat des Films ist aber auch nicht schlecht.



Na schön, dieses Filmplakat ist eigentlich ein gigantischer Spoiler, weil er sich fast aus der letzten Einstellung des Filmes speißt - aber es zeigt eine so bedrückende und hoffnungslose Endzeitstimmung, dass man sich hier als Fan des Genres gut abgeholt fühlt. 
 

Auch hier sind einige Spoiler im Bunde, wobei ich das in diesem Fall eher als ästhetisches Foresahadowing bezeichnen würde, das fair davor warnt, auf welchen surreaslisatischen Tripp man sich bei Climax einlässt. Rot scheint wohl die Farbe zu sein die man wählt, wenn man ein herausstechendes Plakat möchte. Funktioniert. Keine störenden Credits, selbst der Titel ist eingearbeitet.


Black Mirror / Nosedive

Jaja schon klar, Black Mirror ist kein Film, sondern eine Serie. Doch jede Folge hat ihr eigenes Cover, und als eine der stärksten und eindrücklichsten Episoden der gesamten Serie hat Nosedive ein Plakat spendiert bekommen, welches die Episode und ihre Aussage  wunderbar vulgär einfängt. Fast noch besser wäre eine Seite an Seite-Darstellung mit dem Anfang gewesen.



Der Film in einer Nusschale. Das Plakat verrät uns den über allem stehenden, erzählerischen Kniff, der im Film selbst gar nicht zur Sprache kommt. Ob das nun gut oder schlecht ist darf wohl debattiert werden. Die Texte sind nicht störend, der seitliche Jake Gyllenhaal für Filmposter ungewöhnlich.



Das I KILL GIANTS-Plakat war damals, als ich es gesehen habe, das wohl interessante Filmposter eines westlichen Realfilmes das ich seit langem mitbekommen habe, weil es einen mit Fantasy-Anime-Charme anbrüllte. Ein Mädchen mit Hasenohren und einem verfluchten Zauberhammer, das riesige Giganten bekämpft? Eine urbane Fantasy-Geschichte mit solch östlichen Elementen? Ja konnte denn das wahr sein? Nein. Dieses Filmposter und der Filmname sind wohl eine der unverschämtesten Marketing-Lügen der letzten Jahre, mit welcher Dreistigkeit hier eine vollkommen, VOLLKOMMEN falsche Erwartung geweckt wird, ist erschütternd. Und das war so gewollt, da dürfen wir uns sicher sein. Das Plakat ist der absolute Hammer, weil es so ziemlich das einzige, mir bekannte urbane Fantasy-Filmposter Amerikas ist, aber es ist eben eine dicke, fette Lüge.



The Terror ist eine der besten Serien die ich je gesehen habe, und das ist sie auch und vor allem wegen ihrer Trostlosigkeit. Das vermittelt dieses Poster: Trostlosigkeit. Außerdem scheint es in dieser Liste die Tendenz zu geben, dass Großaufnahmen von Personen sich auf Filmpostern gut machen. Hier aber gibt es sonst Nichts Unnötiges. Nur dieses kalte, graue Gefühl, das sich auch durch die Serie zieht.


Ich konnte mich nicht für eine Variation des Posters entscheiden, daher nahm ich beide. Während wir hier einige Filmplakate haben, welche sich entweder für warme oder kalte Farbgebung entschieden haben, hat man bei Victoria einfach beides genommen. Und während das Erste etwas aussagekräftiger ist als das Untere, vermitteln beide einen starken Eindruck der sagt 'Ich bin etwas Besonderes'. Und das ist der Film. Oh, und es hilft, dass Laia Costa über die Maßen attraktiv ist. Ich mein ja nur. Die Frau hat Augenbrauen.




Normalerweise ist in Sachen Filmplakate Bescheidenheit angesagt, weniger ist mehr, ein zentrales Element und sonst nicht viel. Bei Wolf of Wallstreet wäre ein solches Vorgehen eine Farce gewesen. Das Plakat glüht vor Exzess wie auch der Film, den es bewirbt, und so muss es auch sein. Ein Affe mit Geldscheinen, brüllende Bürohengste, Kleinwüchsige mit Sturzhelmen, Prostituierte und ein seröser Geschäftsmann vereint auf einem Poster. Und das farblich stimmig. Mensch, das muss man auch erst mal schaffen. 



Vollkommene Schönheit:




Bei einem Künstler wie Makoto Shinkai, der für seine atemberaubenden Hintergründe und Natureffekte bekannt ist, muss man ein wunderschönes Plakat erwarten. Das durfte man hier auch, und The Garden of Words ist vermutlich sein bis dato schönster Film. Grüne Filmplakate sind selten, aber hier passiert so viel, es gibt so viele Details, und dennoch sprüht das Poster nur so vor Leben.



Die großmundige Ankündigung darauf darf man vielleicht in Frage stellen, aber die Mischung aus warmen und kalten Farbtönen zusammen mit den Silouhetten der Protagonisten prägt sich ein. Einen schönen  Schriftzug gibt es gratis oben drauf.



Ah, ein weiterer Vertreter der BlauSchwarz-Fraktion. Annihilation setzt sich zu großen Teilen aus seiner verbüffenden Optik und den aufwendigen Umgebungs und Lichteffekten zusammen, und dieser Fakt wurde im Filmposter verewigt, auf dem wir ein unnatürliches Neon-Regenbogenschimmern inmitten von Schwärze und noch die bewaffneten aber geschickt schattierten Frauen für die Spannung sehen. Die Körper sind nicht mehr so scharf und der Text stört, aber die Farbgebung ist wirkungsvoll, keine Frage.




Huiuiui. Nehmen wir uns einen Moment Zeit um anzuerkennen, wie überwältigend schön Charlize Theron in dem Female John Wick-Actionflick Atomic Blonde ist. Ich sage das als jemand, der kein besonderer Fan von ihr ist, aber dieses Plakat zeigt lupenrein, wie ihre Präsenz das Geschehen dominiert. Starke Kontraste, klare Farben, ein purer Augenschmaus. Schade, dass der Film 'nur' okay war, ich weiß nicht ob ich mir das Poster so guten Gewissens in die Wohnung hängen kann...



Das wäre auch mindestens in meinen Top 10, eher den Top 5. Ich empfinde dieses Plakat als eine der schönsten Bildkompositionen des modernen Films, die herbstliche Farbgebung, die weichgezeichnete Nicole Kidman, diese märchenhafte Atmosphäre, der Wahnsinn. Das allein reichte, um mich auf den (fantastischen) Film einzustimmen.



Und wieder Rottöne. Was hat es damit nur auf sich? Das Interessante, was wir uns vom Plakat des Indie-Filmes SPRING und einigen anderen Aufzählungen hier mitnehmen können ist, dass das Plakat eines Filmes nicht vom Budget abhängt. Anders als bei fast ALLEN ANDEREN Aspekten kommt es hier einzig und allein auf die Umsetzung an, weswegen Filmplakate die einzige Kategorie sind, in der auch der kleinste Studentenstreifen mit dem AAA-Hollywood-Blockbuster direkt konkurieren und diesen vielleicht sogar schlagen kann. Das sieht man finde ich gut bei Spring, welches eine faszinierende und ungewöhnliche Bildkomposition mit untypischen Farben, leicht-monströsen Elementen, einem ominösen Titel und einem noch ominöseren Untertitel so wie einer klaren Romantik-Note im Hintergrund zeigt. Respekt. Der Film ist ebenso gelungen.




Erinnert mich jetzt im direkten Vergleich sehr an Les Miserables, weil das optische Konzept in etwa das Selbe ist. Farblich spielt sich bei her natürlich ganz Anderes ab, wobei ich gänzlich unparteiisch sagen muss, dass während Cosette auf dem obengenannten Plakat das wohl schönste Mädchen eines Filmplakates darstellt, Joaquim Phoenix auf diesem Filmposter eine unheimliche Strahlkraft und Schönheit in sich trägt, die mit Sicherheit auch an der Emotionalität seiner Augen liegt. Ein schönes, romantisches und doch unkitschiges Plakat. 



Schwarz in Schwarz mit einem Hauch von Schwarz:




"Hallo! Ich bin ein Horrorfilm!"
Das möchte uns das REC-Plakat zeigen - dennoch ist die verstörend-ausgeleuchtete und eingefärbte Silouhette der Protagonistin etwas, das Fragen aufwirft und neugierig macht. Ein Motiv mit Wiedererkenmnungswert, trotz klassischer Horrorschwärze. Mal abgesehen davon, dass diese Aufnahme auch aus meiner Dusche stammen könnte.



Ein stark verkünseltes Exemplar mit Blumenrahmen, eingearbeitetem Titel und sympathischem Familienportrait. Das Bild beinhaltet genau die richtige Menge Exzentrik und 'awkwardness', wie der Franzose sagen würde, und lebt genau wie der exzellente Film von seiner starken Präsenz.



Dieser Film ist mit Betonung allenfalls in Ordnung. Das Horror-Plakat sticht aber mit einer unheimlichen Maskengestalt weit im Hintergrund heraus und ist damit durchaus schaurig. Nur leider der Film nicht.


 
Mama war damals eine kleine große Hoffnung für das eingeschlafene Horrorgenre, weil der Titel vielversprechend und das Plakat außergewöhnlich daherkamen. Und tatsächlich, die erste Hälfte des Filmes ist auch gut, bis sie sich in der Zweiten selbst das Klo runterspült. Das Cover ist dennoch emotional-gefärbt und gefällt... bis man sich das schlecht-bearbeitete Gesicht des Mädchens zu genau ansieht.




Die Purge-Filme haben eine ganz eigene Ästhetik des Wahnsinns und der zelebrierten Gewalt geprägt, im ersten Film ist davon aber noch wenig zu sehen, und so konzentriert sich das Plakat auf den Irrsinn des psychopathischen Antagonisten mit seiner nicht besonders kinderfreundlichen Gruselmaske. Das Plakat sticht wiederum heraus, weil es in Großaufnahme geschossen ist. Das kann manchmal den Unterschied ausmachen.




Statt schlammiger Dunkelheit aus dem abgestandenen Horror-Kaufhaus des Schreckens bietet uns dieses Poster schöne, klare Schwärze. Ein paar Wörter in angemessener Schriftart und das sicherlich prägnanteste Element des Filmes, morbide verdreht so dass man sich fragt, was in aller Welt mit diesen Ziegenbock los ist. Unheimliches Cover. Unheimlich gut, hahaha! Oh Mann...




Es sticht irgendwie heraus, nicht? Okay, ganz ehrlich: Das ist kein schönes Plakat, aber es ist unangefochten ikonisch. Als Erster und witzigster Scary Movie-Teil war dieses Plakat die erste Parodie ihrer Art, mit einigen schönen visuellen Details und einem Billig-Charme, der sich im Gegensatz zu den Nachfolgern gut gehalten hat. Ich mags. Ich würde es mir um Kubricks Willen nicht ins Zimmer hängen, aber ich mags.



Und das waren auch schon alle.Moment, das waren doch nurr 39? Na, findet ihr das fehlendende Poster in der Collage? 

Offensichtlich sind Innovationen in Sachen Filmplakate immer noch möglich, oder man nutzt die Stärken der Genre-Ästhetik wie viele der hier aufgezählten Horrorplakate es taten. Ich freue mich ehrlich schon darauf, welche spannenden visuellen Ideen man sich in den Marketing-Abteilungen in den nächsten Jahren überlegen wird. An meinen Wänden ist noch Platz! Für Anime so wie Cartoon-Cover müsste man vielleicht mal einen eigenen Artikel machen, ebenso wie für Videospiele-Poster.


- Yoraiko