Dienstag, 23. Juli 2019

Film-Review - Atomic Blonde



Ich möchte gar nicht zu lang oder zu ausgebreitet über Atomic Blonde reden. Der Film ist 'nur' ein ganz guter Actionfilm für mich gewesen, für den ich weder ins positive noch ins negative Spektrum starke Emotionen hege, aber ich empfand ihn dann doch als interessant genug, um etwas darüber zu schreiben.

Atomic Blonde ist der weibliche John Wick in gut, jeder der hochwertigen und in diesem Fall auch noch über weite Strecken mal mehr mal weniger unterschwellig erotischen Actionfilmen etwas abgewinnen kann, und auch gleich mal noch einen Ausflug nach Berlin um '89 herum machen möchte, hat absolut gar keinen Grund, Atomic Blonde nicht zu sehen. Nach dem ersten kurzen Trailer habe ich genau das bekommen was ich erwartet habe, und sogar noch ein wenig mehr. 

Die große, politische und von Intrigen durchzogene Handlung hat mich dabei deutlich weniger interessiert als Charlize Therons Charakter Lorraine an sich, der ein Charisma und eine Ausstrahlung besitzt die ihresgleichen sucht. Wie sie handelt, fühlt und denkt, wie sie kämpft und überlebt sind die Werte, die Atomic Blonde mir mitgegeben hat. Und ja, ich rede gar nicht lange drumherum - Die Protagonistin ist zweifellos auch verdammt, verdammt attraktiv und in ausnahmslos jeder Szene faszinierend anzusehen. Das ist für mich zumindest deswegen etwas überraschend, weil Charlize Theron zwar eine sehr hübsche Frau ist, für mich persönlich aber nicht so anziehend wirkt und ich sie zuletzt in Tully gesehen habe, wo sie eine hochschwangere Mutter gespielt hat. Aber die Rolle die sie hier mit ihrem introvertierten, hochintelligenten und berechnenden Wesen verkörpert, verleiht ihr diese unheimliche Anziehungskraft und diese starke Ausstrahlung. Das ist etwas, das Atomic Blonde grundlegend richtig macht - Die Protagonistin ist eine exemplarische Powerfrau, ohne eine Powerfrau sein zu müssen. Es wirkt nicht gewollt oder übertrieben, sie ist einfach in jeder Szene dominant. Das Make-up, ihr Styling und Charlize Therons überragendes Schauspiel bewirken das. Wenn ich von der Erotik spreche, die sie umgibt, spreche ich im übrigen nicht unbedingt von den Momenten der Nacktheit oder des Liebesspiels sondern schon von viel subtileren Szenen, in denen sie jemand einfach nur ansieht, wohldurchdachte Worte mit ihm wechselt oder ihre Überlegenheit ausdrückt, und man die Spannung förmlich knistern hört. 

Ansonsten haben wir wie immer einen überzeugenden James McAvoy, der mir hier in seiner Rolle nicht so zugesagt, diese aber wieder in Fleisch und Blut runtergespielt hat, vielleicht mochte ich einfach nur seinen Charakter nicht. Es gibt noch viele andere toll-besetzte Rollen wie John Goodman den ich immer gerne sehe oder Toby Jones. Loben werde ich aber explizit Sofia Boutella, deren Darstellung und Charakter ich überaus mochte und die man auch von Climax als Choreographin kennt. 

Audivisuell ist Atomic Blonde ein Brecher. Das ist 100 % ein Style-Film, hier liegen seine großen Stärken. Der Soundtrack, der sich größtenteils aus (deutschen)Retrohits der 80er und 90er zusammensetzt, ist grandios und verstärkt die schmutzige, berliner Atmosphäre des Geschehens noch um so vieles mehr, die Lieder sind gut gewählt und machen Spaß, schade, dass der Sweet Dreams-Remix aus dem Trailer nicht vorkam. Die Bild-, und Lichtstimmung wird von abwechselnden Neonfarben und Grautönen dominiert, gerade die Nachtszenen werden so zum einprägsamen, besonderen Anblick. Die Action sieht sehr handgemacht aus, ich habe schon lange nicht mehr so fetzige Kampfszenen gesehen, auch toll wie hier einige Requisiten kreativ für das Verprügeln der bösen Jungs zum Einsatz kommen (Gefriertruhe, Schlauch, ...) Also da könnten sich VIELE andere Actionfilme einiges abgucken. 

Am Ende nimmt die Handlung des Drehbuchs vielleicht den einen oder anderen Haken und Twist zu viel, so dass ich dann auch nicht mehr ganz durchgeblickt habe, aber die über allem schwebende Politstory muss man nicht mögen, um Atomic Blonde zu schätzen. 

Zwei Dinge bleiben mir im Gedächtnis - Die faszinierende Protagonistin und der fabelhaft eingesetzte Retro-Soundtrack. Die Action ist vorbildlich. Die Bilder und Farben stimmungsvoll. Der Film ist vielleicht einen kleinen Tacken zu lang, aber auch nicht langweilig. Für Fans ruhigerer Action würde ich den empfehlen. Aber auch für Thrillerfreunde, oder jene die durchdachteren Geschichten zugetan sind. Ich fand ihn überaus solide. 


6/10 Blondinen für Atomic Blonde


- Yoraiko   





Spiele-Review - Naruto Ultimate Ninja Storm 3 Full Burst (PS3)





Ja, ich mochte die ersten drei, vier Ultimate Ninja-Teile für die PS2 und hatte sie alle sehr lange gespielt, weil sich das einfache, andersartige Beat'em'up-System erfrischend anfühlte, wenn man Naruto und die Charaktere mochte, was ich grundsätzlich auch heute noch tue, deswegen damals der Kauf. Und ich habe es absolut nicht bereut. Für kleines Geld bekam ich hier eine vor allem optisch und inszenierungstechnisch großartige Nacherzählung des Anime, die ja sogar eigene, neue Abschnitte hinzufügt. Der Angriff des Neunschwänzigen etwa, ach was, jede Schlüsselszene in der man Quicktime-Events mashen muss, war dermaßen überstilisiert animiert, dass es einem die Kinnlade in die Kelleretage gehauen hat. Die Optik war sehr viel beeindruckender, als ich es mir hätte vorstellen können, und erreichte den Anime beinahe schon. Das Kampfsystem gefiel mir seltsamerweise nicht mehr so gut wie in den PS2-Ablegern, vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass man dort noch jedem Charakter jedes Jutsu geben konnte und die ultimativen Jutsus vor allem eigene Filme waren. Aber allein schon Charaktere wie Konan, Pain und Nagato steuern zu können, hat in meinem Fanherz jedes Mal Glücksgefühle ausgelöst. Die Kulissen sind stimmig und die Effekte sehr gut.

Wenn man den Anime/Manga schon kennt, nerven die teilweise sehr langen Story-Sequenzen natürlich irgendwo, aber man kann sie ja auch überspringen. Das nutzlose und deswegen obsolete Freischaltbares-System ist wie in allen Teilen leider gleichgeblieben. Da würde ich mir eher so Extras wie einen veränderbaren Menü-Charakter wünschen, wie es ihn in Teil drei gab. Aber herumliegende Gegenstände, die ich mir nur angucken kann? Nein danke.

Leider war die Spielwelt ansich wieder statisch und eine gefühlte Ansammlung von Pappaufstellern. Es machte wirklich keinen Spaß, zwanzig Minuten durch leblose Maps zu rennen, um von Punkt A nach B zu kommen, zumal die Gegenden in Konohagakure etwa nutzlos sind, weil man nur durch sie durchlaufen kann. Das komplette überflüssig werden von Missionen ist auch nicht gerade toll. In Teil drei war das alles gut gelöst, da hatte man ein Konoha, durch das man springen, klettern und rasen konnte, man konnte sich komplett frei bewegen und sogar auf die Mauer steigen. Außerdem gab es aller Nase lang Missionen und man konnte sämtliche weibliche Charaktere sogar zu Dates einladen und bekam Extra-Dialoge. Warum macht man in den neueren Teilen solche Rückschritte?

Spaßiges und massenkompatibles Anime-Beat'em'up nichtsdestotrotz, das mich fast durchgehend gut und abwechslungsreich unterhalten hat. Momentan spiele ich Road to Boruto, und das, muss man sagen, ist schon wieder ein ganz eigener Brecher...


6/10 Stirnbänder für Naruto Ultimate Ninja Storm 3


Yoraiko 



Samstag, 20. Juli 2019

Spiele-Review - Dead Space 3 (PS3)



Dieses Spiel habe ich damals etwa 6-7 mal durchgespielt, als ich noch Trophäenjäger war. Nach dieser Anzahl kann ich ohne größere Überwindung sagen, dass ich das Spiel abgrundtief hasse und nie wieder anfassen werde.
Ich werde versuchen, im Folgenden nur auf meinen ersten Spieldurchlauf einzugehen, da alle Folgenden für die Trophäen waren und der Qualitätsabfall beim Erleben somit nicht die unmittelbare Schuld des Spiels ist. Es war mein Einstieg als Dead Space-Spieler, die ersten beiden Teile hatte ich nur als Lets Play's gesehen und mochte vor allem Teil 2 sehr gerne. Dead Space 3 aber ist nur noch ein hirnloses und unzumutbares Action und Stress-Feuerwerk, das einem Anfänger(Mir) in den ersten Stunden vielleicht Spaß macht, weil man seine Erfolgserlebnisse gegen Necromorphen hat und förmlich spürt, wie man von Gegner zu Gegner besser, weniger ängstlich, routinierter wird. Doch es gab schon beim ersten Spieldurchlauf Momente, an denen gefühlt hunderte Feeder(Sklelettartige Gegner) und ein paar weitere Necromorphen von allen Seiten auf mich zustürmten, mich zerrissen und ich nervlich einfach so überfordert war, dass ich mit geschlossenen Augen abwechselnd den Schieß und Heil-Button gemasht habe und nur noch wollte, dass es aufhört. Dieser Stress war natürlich eine Intention der Entwickler, doch es ist im höchsten Maße repititiv und macht keinen Spaß. Niemandem. Die Feeder allein sind ohnehin die mit Abstand größte Sünde des dritten Teils. Ganz ehrlich, wer diese Gegnerart entworfen hat, der gehört in ein Nest mit zehntausend ausgehungerten Feedern geworfen. Eine unerträgliche Gameplaymacke. 

Die Story und die Charaktere beschämen den zweiten Teil, weil sie in einem Maße unglaubwürdig, schwachsinnig, klischeehaaft und albtraumartig geschrieben sind, dass die nichtüberspringbaren Zwischensequenzen mit der misslungenen deutschen Synchronisation am Spiel noch die größte Herausforderung waren. Und hört mir ja auf mit dieser Dreiecks-Beziehung unter den Charakteren, ich möchte jetzt nicht anfangen, die Absurdität dieser Dynamik außeinanderzunehmen, sonst rede ich mich nur in Rage. 

Das neue Waffen-System ist auch für den Dickdarm gewesen, ehrlich, ich habe die Energieknoten des zweiten Teils vermisst. 

 Grafisch wie gewohnt aber für ihre Zeit atemberaubende Kulissen und Hintergründe, allein die blutrote Stadt am Anfang war ein Anblick, von dem man sich nicht losreißen konnte. Nur irgendwann hat man sich an allem eben sattgesehe, und was übrig bleibt, ist das frustrierende Gameplay.

Rückblickend muss ich Dead Space 3, trotz einiger Stärken die es auch gibt, als furchtbares und verbotswürdiges Schundspiel bewerten, das zu recht verachtet und belächelt ist. Spielt es nicht. Es lohnt sich nicht. Aber der DLC hat etwas mehr Spaß gemacht. Und ja, das Cliffhanger-Ende hat mich erwischt. Trotz allem würde ich mir einen vierten Teil wünschen. Schade, dass dieser nicht mehr erscheinen wird.

Wer ein schonungsloses, und dennoch atmopshärisches Horrorspile mit hervorragenden Shooter-Elementen möchte, spielt Teil 2. Teil 1 war mir zu unausgewogen und anstrengend.



3/10 Leichen für Dead space 3


Yoraiko 




Brandanschlag auf Kyoto Animation




Manchmal fehlen einem die Worte, und man muss erst mal verarbeiten, dass eine Nachrichtenmeldung Realität, und keine Fiktion aus einer Serie oder einem Film ist. Und man muss sich Zeit nehmen, das Ausmaß einer Tragödie zu verstehen. So erging es mir nun, als ich von dem Brandanschlag auf Kyoto Animation, das Animestudio hinter unter anderem Serien wie Clannad, Lucky Star, K-ON! oder Violet Evergarden erfahren habe. 

Bevor ich ein paar Worte und Gedanken zu dieser für Japan beispiellosen Tragödie loswerde, erst einmal die grobe Situation, für alle, die es nicht mitbekommen haben oder nicht aktuell im Bild sind. Sämtliche Quellen, die ich für diesen Text recherchiert habe und nutze, verlinke ich unten. 

Am letzten Donnerstag, dem 18. Juli, drang ein 41 jähriger Mann in das japanische Animations-Studio Kyoto Animation ein, überschüttete Wände und Mitarbeiter mit brennbarer Flüssigkeit und zündete diese daraufhin an. Es folgten mehrere Explosionen, das Feuer verbreitete sich schnell über das ganze Gebäude, die Feuerwehr rückte mit  30 Einsatzwagen an, konnte das Feuer aber dennoch erst nach fünf Stunden vollständig löschen. 73 Menschen waren zu dem Zeitpunkt im Gebäude, davon sind 34 gestorben, 36 weitere sind leicht bis schwer verletzt. Das Motiv des Mannes, so hat er es gegenüber der Polizei ausgesagt, soll eine von KyoAni gestohlene Idee sein, die er für eine Novel hatte. Ihm droht nun die Todesstrafe. 

Wie gesagt, man muss sich dem Ausmaß bewusst werden, den dieser Vorfall mit sich bringt. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig pathetisch, aber in unserer heutigen Zeit hören wir fast täglich von Schreckensmeldungen, Tragödien, Unfällen und Toten, da realisiert man manchmal erst auf den zweiten Blick, wie schlimm eine Sache eigentlich ist. Ein Thema, das über der ganzen Trauer und den Mitgefühlen gegenüber KyoAni hängt, ist der Vorwurf der selektiven Teilnahme, wie es ihn auch damals bei den Amokläufen in Paris gab - Im nahen Osten herrscht Krieg, täglich sterben Menschen, aber wenn ein Haus in Japan brennt, trauern die Leute. Ich sehe das anders. Jede Tragödie auf der Welt darf ernst genommen werden, keine verdient mehr oder weniger unser Mitgefühl, aber der unerwartete Schock, der einem bei einem solchen Vorfall in einem so sicheren Land wie Japan trifft war für mich ungleich größer. Und selbstverständlich muss man ehrlich sagen, dass Tragödien einen natürlich gleichmal noch härter treffen, wenn man eine Verbindung zu den Betroffenen hat - Viele, viele Fans von KyoAni und seiner wunderbaren Arbeit können das von sich behaupten.

34 Tote. Eine solche Zahl erscheint absurd. Viele der Mitarbeiter haben versucht, auf der Treppe zum obersten Stockwerk zu entkommen, als sie vor Erschöpfung zusammenbrachen. Die Japantimes stellt fest, dass dies der Brandanschlag mit den meisten Todesopfern in Japan seit 1989 ist. Man kann nicht oft genug betonen, dass unsere Gedanken bei den Angehörigen und bei KyoAni sind, die sich von diesem schweren Schlag kaum in naher Zukunft erholen werden. Denn abgesehen davon, dass all diese Toten ansich schon furchtbar sind, darf man nicht außer Acht lassen, welche großartigen Talente uns hier verlassen haben - Zeichner, Autoren, Direktoren, Animatoren, Programmierer, die Hälfte von KyoAni ist ausgelöscht, Menschen, die in den letzten Jahren hart dafür gearbeitet haben, der ganzen Welt wunderbare Serien nahezubringen. Jetzt sind sie weg, und man fragt sich, wie das Nichts, das sie hinterlassen haben, gefüllt werden soll. All die Scripte, die sie geschrieben haben. All die Serien, die sie betreut haben. Ihre ganz persönlichen Werke, die maßgeblich von ihnen abhingen. Verloren. Denn das Drama endet nicht bei den menschlichen Verlusten - 

Wie der Direktor des Animationsstudios bekannt gab, wurden sämtliche Materialien und Computer ausnahmslos zerstört. Externe Backups hatte man in dem noch immer als Familienunternehmen organisierten Studio nicht. Sämtliche Scripte, Drehbücher, Zeichnungen, Planungen - Vernichtet. Der finanzielle Schaden für das Studio ist schwindelerregend, und es bleibt abzuwarten, ob es sich überhaupt jemals davon erholen wird. Ob man uns wieder mit herzerwärmenden, unterhaltsamen Serien beschenken wird. Unter den Toten waren unter anderem die Hauptverantwortlichen für mehrere aktuell produzierte Serien, deren Zukunft ebenso ungewiss ist. Was das Motiv des Täters angeht, so muss man sich fragen, ob es in einem Rechtsstaat wie Japan nicht verdammt nochmal einen anderen Weg gegeben hätte, gegen eine vermeintlich gestohlene Idee vorzugehen. Ich bin mir da sicher. Es gibt IMMER einen anderen Weg als DAS, aber vor allem in diesem Fall. Ob er die Todesstrafe verdient, das muss wieder jeder für sich entscheiden, es ist nicht an uns, darüber zu richten. Aber was dieser Mann genommen und vernichtet hat, ist immens, gelinde gesagt. 


Kurz noch ein Kopfschütteln und Mahnen loswerden möchte ich in Richtung von Schundmagazinen wie Welt.de, die ihre Berichterstattung prompt instrumentalisiert haben und Aussagen wie diese einarbeiteten:
»Das Film-Studio produziert Manga-Serien für junge Menschen. Diese Filme sind teils sehr brutal. Möglich, so sagen Kenner, dass sich der Täter davon beeinflussen ließ.«

Ja genau, die brutalen Kyoto Animation-Serien, Welt. Danke für deine neutrale Berichterstattung. Mittlerweile wurde das wieder rausgenommen, weil man ihnen sonst wohl zurecht die Website angezündet hätte. Knallköpfe.

Um darauf hinzuweisen, wie man das Studio jetzt unterstützen kann, verlinke ich ohne Umwege auf den Artikel von Anime2You zum Thema, der das Ganze übersichtlich und verständlich zusammenfasst: Unterstütze KyoAni

Aber selbst wenn man das Studio nicht direkt unterstützt, kann man die Nachricht verbreiten und zum Helfen auffordern. Für mich persönlich war es wichtig, darüber zu schreiben, wie hart mich dieser gerade für die Anime-Industrie unvorstellbare Schlag trifft, und welche Konsequenzen auch daraus hervorgehen. KyoAni hat einige meiner absoluten Lieblingsserien wie Clannad oder Violet Evergarden produziert, und ich kann nur hoffen, dass man irgendwann einen Weg finden wird, weiterzumachen.

Abzuwarten bleibt auch, wie die Animagic in Mannheim 2. bis 4. August nun verfahren wird. Es ist angesichts dieses schrecklichen Ereignisses ein profaner Gedanke, aber man muss ihn sich stellen - Die größte Anime-Messe Deutschlands ist ein Ereignis der Freude, mehrere Verantwortliche von Kyoto Animation waren eingeladen. Wird es eine Schweigeminute geben, wird man eine Spendenaktion starten oder wird man die Messe gar ganz absagen? Ich hoffe das nicht, denn das wäre meines Erachtens nach der falsche Ansatz, damit umzugehen. So oder so aber wird es sicher eine merkwürdige Stimmung werden, die auf der Messe vorherrscht.

Ich halte inne, und wünsche allen direkt und indirekt Betroffenen die größtmögliche Stärke. 

Ruhe in Frieden, Kyoto Animation.





Quellen: 
Anime2you
Japantimes 
BBC News 
Zeit Online 



- Yoraiko


Freitag, 19. Juli 2019

Ein Stelldichein des Genusses


Ein Stelldichein des Genusses


In meiner kürzlich veröffentlichten, weltbekannten Abhandlung über den qualitativen Tiefpunkt Ferreros, die Kapitulation an die eigene Selbstachtung, die Ode an die Yogurette, der Teufel trägt braunweißrot, habe ich in aller Explizität mit diesem missverstandenen Terroranschlag auf die Geschmacksnerven abgerechnet, und nachvollziehbar, stichhaltig und grundsympathisch aufgeschlüsselt, warum es moralisch im höchsten Maße fragwürdig ist, freiwillig für Yogurette gutes Geld auszugeben, das man auch verbrennen könnte.


Heute aber möchte ich mich einmal den positiven Seiten des Lebens zuwenden, die Sonne eines neuen Tages auf meinen Bierbauch scheinen lassen, und hinaus in die Welt schreien, dass es auch Spaß machen kann, zu verdauen. 
Denn so einfach es ist zu hassen, so amüsant es auch sein mag seinen Zorn zu entfesseln, und auf ein wehrloses Produkt niedergehen zu lassen, so anspruchslos ist es doch auch. Und so lesen Sie, verehrter Leser oder gar charmante Leserin, heute etwas von den weniger misslungenen Ergebnissen der Bemühungen unserer Lebensmittelindustrie, uns von der Tatsache abzulenken, dass wir eines Tages sterben und in der Erde verfaulen werden. 
Ja ich möchte fast meinen, Sie erwartet ein Loblied. Die Speerspitze des Ungesunden, des Köstlichen, besser wird’s nicht, das gustatorische Liebesspiel im Himmelbett. Daher sei vorab gesagt, dass hier zwangsweise explizit Werbung für gewisse Produkte und Marken gemacht wird, ohne dass ich von diesen auch nur einen müden Cent oder wenigstens ein paar verdammte Produktproben zugesendet bekommen hätte!! Doch so wie die Firmen hinter diesen Produkten mir nichts Gutes getan haben, so hat Ferrero mir einst nichts Böses getan, als ich sein Produkt als das Gepantsche entlarvt habe, das es nunmal einfach ist. Das ist also nur fair. Betrachten Sie es als ganz persönliche, unfinanzierte Meinung - Und das sind doch die Ehrlichsten, nicht wahr?      


Ich möchte mich, so Sie gestatten, dabei zuvorderst auf zwei ganz bestimmte Produkte konzentrieren. Ja, unsere Welt hat neben ungezählten, kulinarischen Schrecken auch viele Gaumengenüsse aufzubieten, aber all diesen hier eine Bühne zu gereichen würde nun doch etwas den Rahmen sprengen. Darum, horchen Sie auf, welche Produkte heute Ihre Sinne mit auf eine Reise ins Schlarafenland nehmen werden: 

Oreo und Dr. Pepper



Sie sind die greifbaren und unbestreitbaren Beweise dafür, dass die Nahrungsaufnahme nicht immer nur ein Mittel zum Überleben oder verarbeiten spröder Nährstoffe sein muss, nein, sie kann ein Erlebnis sein! Aber warum ist das so? Selbstverständlich kennen Sie die unvergleichliche Euphorie, die mit dem Verspeisen eines Oreo-kekses einhergeht, falls Sie schon mal das Vergnügen hatten - Und der Himmel sei Ihrer Seele gnädig falls nicht. Lassen Sie mich dennoch in gemeinsamer Freundschaft noch einmal erörtern, was diesen unseren heiligen Gral der Gebäckindustrie ausmacht.


Meine Geschichte mit Oreo-keksen gleicht einem griechischen Drama - Erst einige Jahre nach ihrer gestiegenen Popularität in Deutschland wurde ich auf sie aufmerksam - Und hatte kein Interesse. Langweilig sahen sie aus, und sie erinnerten an diese reizlosen, veralteten Kakao-Vanille-Kekse aus Opas Veteranenschrank. Als ich dann hier und da durch Zufall doch dazu kam, in einen solchen Keks zu beißen, schloss ich mich der einhelligen Meinung meines Dunstkreises an, der schwarze Keks sei eklig und viel zu dominant in seinem Geschmack. Wie naiv ich doch war. Wie ein kleiner Junge, der noch nicht den Reiz eines erblühenden Mädchens verstand, wie ein Bauer, der die herbe Reife eines Weines von 65er Jahrgang nicht zu schätzen wusste. Ich war jung und dumm. Doch ein, zwei Jahre später kam die Wende, ich gab den Keksen eine erneute Chance und lernte diesmal, ihren Geschmack und ihre Natur richtig einzuschätzen. Oreo-kekse sind eine perfektionierte Formel aus Süße, erwachsener Herbe und Knusprigkeit, und es drängt sich einem beim Verpspeisen der Verdacht auf, dass wenn Gold essbar wäre, es so oder ähnlich schmecken müsste.  
Aber mit dem Geschmack nicht genug - Der Oreo-keks ist schwarzweiß. Was der Natur der Panda ist, ist dem Gebäck der Oreo. Der Goth unter den Lebensmitteln. 


Brauchen wir noch mehr Gründe, um unseren farbenscheuen Freund die Krone aller Kekse aufzusetzen? Nun, spitzen Sie Ihre Ohren und halten Sie sich gut fest, ich erfuhr es selbst erst vor wenigen Monaten - Oreo-kekse sind vegan. Es klingt seltsam, entspricht aber tatsächlich den Tatsachen. Als Fast-Veganer ebenso wie als gewissenhafter Mensch ist es mir so ein dreifaches Vergnügen, umweltbewusst in den monochromen Keks zu beißen, wohlwissend, dass keine Kuh dafür ihre Körperflüssigkeiten lassen musste. Zu einer noch einmal außerordentlicheren Brillanz gelangt der Oreo-keks selbstverständlich, wenn man ihn für einige Sekunden in eine Tasse Sojamilch tunkt - Oder Kokosmilch, oder Mandelmilch. Hierbei ist wichtig, das richtige Zeitfenster zu finden, um ein perfektes Ergebnis aus Weiche doch noch immer vorhandener Integrität des Kekses zu erreichen. Für mich haben sich hier 4-5 Sekunden als ideales Maß herausgestellt. Im übrigen treffen wir hier auf eines der Hauptargumente, das Oreo-kekse vor den zahlreichen, mittelgeilen Kopien schützt - Tunkt man sie in Milch, werden sie schön sämig und zergehen auf der Zunge wie eine Creme. Die Oreo-Kopien? Die werden nass und pappig. Sie sehen also, manchmal lohnen sich die 30 Cent mehr eine Marke eben doch. 


In den letzten Jahren war auf der Marke Oreo jedoch ein Trend zu erkennen, den man gut oder schlecht bewerten kann, ein krampfhaftes Verlangen nach Diversität - Sie kennen es wahrscheinlich alle, Oreo gibt es mittlerweile in gefühlten siebenundsvierzig Varianten, die alle verschiedene Elemente des Oreo-kekses in den Fokus stellen, diesem neue hinzufügen oder gar wieder welche wegnehmen. Dabei sind gewiss nicht alle davon schlecht, das empfindliche Gefüge des Originals hat für mich aber noch keine davon erreicht, und diese Vielfalt drückt für mich Unsicherheit aus. Mondelez International, der vertreibende Konzern, scheint sich mir nicht sicher zu sein, wo die großen Stärken seines Kekses liegen, scheint noch immer zu experimentieren. Sehen wir uns einige der Produkte genauer an. 


Da haben wir eine von vielen bevorzugten Varianten, den Oreo Double, der mit der doppelten Menge an Vanillecreme zu gleichbleibendem Keks aufwartet. Für mich zu süß. Dann gibt es den Gegenentwurf, Crispy&Thin, was einfach nur sehr dünne Oreo-kekse sind, und das funktioniert für mich alleine schon deswegen nicht, weil sich das Verspeisen anfühlt, als hätte man eine Packung Pringles in der Hand, abgesehen davon, dass man hier einfach nur Geld für weniger vom gleichen Produkt zahlt. Obskur. Interessanter sind da die Oreo White, welche mit weißer Schokolade ummantelte Oreo-kekse darstellen. Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen, wenn ich nur darüber schreibe, und so ging es mir auch, als ich zum ersten Mal davon gehört habe. Und ja, diese Kekse sind unglaublich köstlich, aber auch unfassbar süß. Während der klassische Oreo-keks seine Stärke daraus zieht, nicht so erschöpfend süß zu sein wie andere Kekse, schafft man von den Weißen in der Regel nicht mehr als 2-3 am Stück. Also nett für besondere Anlässe, mehr aber nicht. Oreo Golden hat es auf die Spitze getrieben, und dem schwarzen Produkt schlichtweg seinen ikonischen Keks entzogen, um ihn gegen einen hellen auszutauschen. Wie auch ich sollten Sie jetzt meinen, heller Keks mit Vanillecream schmeckt wie jeder zweite Gebäckbatzen aus Bettinas Bäckerei, aber nein, der Zauber von Oreo liegt auch hier noch im Rezept, und so bietet diese helle Variante die für mich bisher einzige, annehmbare Alternative zum Klassiker an. Geschmacksrichtungen wie Strawbeery, Brownie oder Peanutbutter sind kurzweilige Spielereien, aber nichts, das dauerhaft bestand hätte.


Und wenn wir von den Keksen weggehen - Dann erblicken wir Erfolgsgeschichten. Denn auf diesen Märkten hat man nicht mehr versucht, das eigene Spitzenprodukt zu übertrumpfen, sondern dieses sinnvoll umgewandelt. Oreo-Eis ist in jeder Form ein Hochgenuss, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er auch frisch aus der Tiefkühltruhe zartweich auf der Zunge zergeht. Der Oreo-Pudding schmeckt besser als vergleichbare Lizenzprodukte, und die Oreo-Torte, nun, die ist der aufsteigende Held, der die Benjamin Blümchen-Torte als langjähriges, herrschendes Königsgeschlecht der Tiefkühltruhe abgelöst hat, und einen dazu bringt, sich in sie hineinschmeißen zu wollen. Würde ich morgen im Lotto gewinnen, würde ich armen, hungernden Menschen kein Brot spenden, sondern Oreo-Torten. Wenn sie endlich etwas zu essen bekommen, dann doch bitte gleich das Beste vom Besten… ehe sie zwei Wochen später an Herzversagen dahingerafft werden. Aber das ist dann ja nicht mehr mein Problem.


Lassen Sie mich noch kurz über Dr.Pepper sprechen. Sie müssen wissen, ich verabscheue Coca Cola. Pepsi. Sprite. So ziemlich jede Art von Cola und Softdrink. Nur Dr. Pepper, das Getränk der Intellektuellen, hat es in mein Herz und meine Blase geschafft. Wie, fragen Sie sich jetzt berechtigterweise? Wie jedes gute Produkt beworben wird - Mit Anime. Für die texanische Getränkemarke gab es 2011 mit der Animeserie Steins;Gate das wahrscheinlich beste Advertisement in der Geschichte ihres Konzerns - Und lustigerweise wusste man seitens der Texaner wahrscheinlich nicht mal was davon. In dieser Serie trinkt der Protagonist 
Hououin Kyouma, selbsternannter wahnsinniger Wissenschaftler, das wie er sagt Getränk der Intellektuellen, Dr.Pepper. Immer gut im Bild, explizit genannt, eine Werbung die man sich nicht schöner wünschen könnte. Ich hätte gerne Statistiken darüber, inwieweit die Abverkäufe des Getränkes nach Steins;Gate in die Höhe gegangen sind. Als ich damals das Erste mal zu dem hierzulande eher unbekannten Getränk gegriffen habe, hatte ich das große Glück, dass es tatsächlich auch köstlich schmeckte - Nicht so widerlich-süß oder chemisch wie Cola, mit einer erfrischend-fruchtigen Note und einem ganz eigenen Geschmack. Dr.Pepper zu trinken bedeutet, zu leben. Zu Atmen. Zu fühlen. Mensch zu sein. Einen tiefen, langen Schluck vom schwarzen Getränk aus der Dose zu nehmen fühlt sich an, als würde einem ein von Gott gesandter Engel in den Mund ejakulieren. Es spült einem Leib und Seele durch, und man geht nach jeder Dose als unübersehbar gereinigter, besserer Mensch hervor. Und irgendwann als unübersehbar übergewichtiger Mensch, wenn man es übertreibt, aber das ist ja mit allem Leckeren so.


Oreo-kekse und Dr. Pepper zusammen - Das ist für mich die Offenbarung. Natürlich ist beides immer noch in Maßen zu genießen, denn Zucker ist nun mal der erklärte Feind unseres Körpers, aber in wohldosierten, anlassorientierten Mengen kann der Oreo-keks und die Dr. Pepper Dose mehr für uns sein als nur ein Snack und ein Getränk - Sie können Freunde sein. Möglicherweise… Freunde fürs Leben
Und eines ist sicher - Hätten die Römer damals schon Oreo-kekse und Dr. Pepper gehabt, hätten sie sich diese statt beschissener Weintrauben und zweitklassigem Wein in den Mund fallen und tröpfeln lassen.
Sein Sie kein Römer. 
Sein Sie ein verantwortungsbewusste Mensch des 21. Jahrhunderts. 
Essen Sie Oreo. 
Trinken Sie das Getränk der Intellektuellen. 


Überleben Sie nicht einfach nur - Leben Sie.       


Vielen Dank.

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Donnerstag, 18. Juli 2019

Steckbrief Yoraiko




Teilzeit-Mensch und Denkopfer


Yoraiko:
Ein viel zu alter, wenig interessanter, dafür umso amüsanterer Taugenichts, der in Hamburg wohnt. Neben dem Schreiben ist die Popkultur in all ihren Auswüchsen seine Verpflichtung. Ein in seinem eigenen Wahnsinn gefangenes Denkopfer, das sich für wirklich nichts zu schade ist. 
Anhänglicher als ein Anker im Ozean.

Verpflichtungen:

  • Seit seinem zehnten Lebensjahr ist seine größtes und prägendstes Laster das Land Japan mit all seinen popkulturellen Schätzen - Videospiele, Manga, Visual Novels und Anime
  • Seit 2012 ist er beschämter Brony, Anhänger einer Zauberpferdchen-Serie.
  • Seit 2014 schreibt er Fiktion, fiktionaler als die Realität
  • Ist schon immer Rollenspiel-Leiter und Teilnehmer mit Herz und Nierenstein
  • Stellt sich zwischen Mittagessen und Toilettengang die Frage nach dem Sinn seiner Existenz
  • Beschämend beschissene Wortwitze sind seine Spezialität

Was ihr wissen solltet:  

Traum -
Mit Kreativem Schreiben seinen Lebensunterhalt bestreiten. Ein Mensch an seiner Seite. 


Angst -
Der Tod und das Altern. Blindheit. Flugzeuge. Operationen. 


Glücklich - 
Zuneigung. Wenn sein Geschreibsel jemandem gefällt.

Traurig -
Allein sein.

Hobbies -
Schreiben, Lesen, Spielen, Onlinekultur, 

So was ähnliches wie Denken

Musik - 
Rammstein, Max Richter, Radiohead, The Birthday Massacre

Nahrung -
Oreo und Dr. Pepper, Drachenfrüchte und Kidney Bohnen, Jelly Beans und Tee. Weiße Schokolade ist besser als Dunkle.
 

Übelkeit -
Fleisch, Milch und Eier. Fisch. Yogurette. Lakritz. Pepsi. Zartbitterschokolade. MC Donalds. Jedes andere Fast Food. Die meisten Süßgetränke. Pilze.
 

Ziele -
Japan. Norwegen. Neuseeland. Schottland. Whales. Italien. Kanada. Amerika.

Lieblings...
Farbe - Schwarz, Blau
(Doch, Schwarz ist eine Farbe)
Tier - Panda

Zitat - 
"Dear, dear god... please make everyone die."

"Love is such despair."

"I lived a thousand years and am still not wise enough to overcome your foolishness."

 
Freunde - 
Discord-ID: In_Pace#9664




Anime-Review - Kannagi


 



Ich war von Anfang an überaus positiv überrascht von Kannagi, und das ist bis zur letzten Folge so geblieben, eher noch gestiegen. Dazu muss ich sagen, dass ich auch mit sehr niedrigen Erwartungen herangegangen bin, weil der Anime fünf Meilen gegen den Wind nach 0815-Comedy-Slice of Life-Liebchen riecht. Und dagegen bin ich bei Anime etwas allergisch. Und genau das ist Kannagi dann auch, nur mit dem Unterschied, dass es sämtliche Klischees und Nervigkeiten dieses Formats entweder ganz weglässt oder geschickt einsetzt. Die Serie ging mir kaum auf die Nerven, ein Umstand, den ich bei diesem Medium als achtes Weltwunder glorifiziere.

Das fängt mit den Charakteren an: Der Protagonist ist, ich kann nicht glauben, dass ich das gerade schreibe, nicht nervig, nicht so daddeldämlich wie ein Stück Giraffenreste, nicht so unsympathisch und asozial wie ein läufiger Gorilla. Das sind schonmal drei Dinge, die ihn von den meisten Hauptcharakteren ähnlicher Anime unterscheiden.
Er ist unauffällig und weist keine besonderen Eigenschaften auf, ja, aber er geht mir konstant nicht auf den Kranz, und mehr verlange ich nicht. Auch ansonsten kaum Stereotypen. Kannagi ist lustig und sympathisch, auf den obligatorischen Kindheitsfreund trifft - und das ist ebenso erstaunlich - alles zu, was ich zum Protagonisten auch schon schrieb; ich hasse den Kindheitsfreund-Stereotyp eigentlich, weil er in der Regel furchtbar, unerträglich und zum Abschalten nervig ist, aber hier ist nichts davon der Fall, stattdessen hat man bodenständige Zuneigung.

Der Humor ist, mal mehr mal weniger, nicht zu dick und stumpf aufgetragen wie in ähnlichen Serien, sondern macht das, was er machen soll und bringt mich zum Lachen. Mein persöhnliches Highlight der Serie: Wie Protagonist Jin minutenlang vor dem Schrank sitzt, sein Liebesgeständnis übt, und zwei Sekunden später Kannagi kauend ins Zimmer kommt und sie sich minutenlang anstarren. Herrlich, wunderbar, so geht Situationskomik.

Also, um mal auf den Punkt zu kommen: Kannagi hat als Anime drei große Stärken, wegen denen ich ihn als eine starke Slice of Life-Serie bezeichne:

1.Sympathische und erfrischende Charaktere
2.Umgehen/Umarbeiten der meisten Klischees&Tropes
3.Wirklich guter, stellenweise absurder Humor, statt dumm, überzogen und holzhämmernd.

(Hallo, Noucome!)

Bei zweitens muss ich nochmal anführen, dass ich sehr glücklich über das Finale war: 

Kannagi ist einer der sehr, sehr wenigen Comedy-Anime, der den "Wir werden ernst und machen Drama um zu zeigen, dass wir mehr als nur Comedy können!"-Plotwechsel tatsächlich glaubwürdig hinbekommt und sich damit nicht komplett in die Sackgasse fährt. Kein Kitsch, kein Out-of-Charakter, kein Hass auf unnötige Blödheit. 
So schön kann das gehen. In der letzten Folge war es zwar teilweise schon hart an der Grenze, aber die Macher haben hier eben auch spät genug mit dem Umschwung angefangen, so dass es passte. Das verdient Unmengen an Respekt.
Und nicht zuletzt wegen diesem unvergleichlichen Meisterwerk ist Kannagi bester Anime wo je gemacht wurde:



UND JETZT ALLE:
The fish is lively
The meat is shiny
Natural vegatables, Shirigeya
Wives smiling everywhere
Husbands happy between the shelves
Everyone, go to Shirigeya~
A happy shop filled with smiles
Your town's paradise
Shirigeya Shirigeya
General Supermarket Shirigeya
Shirigeya Shirigeya
A dream Supermarket Shirigeya
Shirigeya (Shirigeya)
Shirigeya (Shirigeya)
General Supermarket Shirigeya
Shirigeya (Shirigeya)
Shirigeya (Shirigeya)
A dream Supermarket Shirigeya.

AB HEUTE KAUFE ICH NUR NOCH BEI SHIRIGEYA. Denn da ist das Fleisch shiny und die Husbandos sind happy!
 

Alles in allem bekommt Kannagi also vor allem für sein an ein Wunder grenzendes Nichtvorhandensein von Nervigkeit und dem für das Genre exzellenten Humor viel Liebe. Definitiv kein Must-see, aber wenn ihr einen entspannten Klassiker sucht, ist sowas nicht das Schlechteste.

6/10 Fische für Kannagi

Yoraiko 

 

Die Welt wartet auf Last Of Us 2

"I'm gonna find... and I'm gonna kill every last one of them."


The Last of Us. Dieser bahnbrechende, standardsetzende, herausragende Spieletitel, über den ich schon im Rahmen meiner Top-Videospiele aller Zeiten gesprochen habe. Der auch heute noch, sechs Jahre nach seinem Erst-Release, gut aussieht und zahllose Spieler begeistert. Als wir 2016 mit diesem ersten, großartigen Trailer sofort wieder zurück in die Welt und die Stimmung von LoU geholt wurden, war die Freude und Begeisterung immens: Es würde einen zweiten Teil geben. Wir würden Ellie erwachsen sehen. Alles, was sich das Fanherz wünscht. Alles? Naughty Dog hat noch einiges drauf gesetzt. 

Zuerst wurden wir mit diesem schonungslosen aber stimmungsintensiven Trailer gesegnet, der die Spekulationen zum ersten Trailer weiter anfachte, und schließlich hat Sony mit diesem Gameplay-Trailer auf der E3 2018 jede nur mögliche Bombe platzen lassen. Er zeigt so viel, gibt so viel, lässt uns so viele Argumente sammeln, unsere Geldbörsen auszuleeren und Naughty Dog mit dem Inhalt zu beschmeißen. Zuerst einmal die Grafik. LoU war schon immer ein Ausnahmebrecher in diesem Segment, aber meine Güte dieser Trailer. Diese Grafik. Seht euch Ellies Mimik an. Seht euch an, wie lebensecht sie ist, und welchen Strom verschiedenster Emotionen wir in wenigen Sekunden darin ablesen können. Es ist atemberaubend. Und schwer vorzustellen, dass die Grafik von diesem Punkt an in Darstellung menschlicher Mimik überhaupt noch besser werden kann.

Wir bekommen intime Einblicke in Ellies Gefühlswelt, ihre Beziehungen und ihr Liebesleben, es wird bestätigt was sich in Last of Us 1 angekündigt hat, Ellie ist lesbisch. Und wie schön die Szenerie des Tanzfestes mit ihrer Freundin inszeniert ist. Sicherlich, der Trailer hat damals einige Kontroversen ausgelöst - Die emotionale Leichtigkeit im Wechselspiel mit der kalten Gewalt sei ein Mittel zum Schockieren, der Trailer wäre platt und effektheicherisch. 

Kritiken, denen ich mich nicht anschließen kann. Die Welt von Last of Us war schon immer schonungslos, eine Gesellschaft des Stärkeren, in der Blut und Mord die stetigen Begleiter des Überlebenden sind. Das Wechselspiel der verschiedenen Seiten des Lebens, die Ellie in ihrem Alltag noch immer durchmacht, ist in meinen Augen großartig inszeniert. 

Das Gameplay sieht unumwunden fabelhaft und, man verzeihe mir den profanen Ausdruck, schlichtweg saugeil aus. Natürlich wird das Meiste davon gescriptet sein, und natürlich wird es nicht allzu viele dieser Abschnitte in LoU2 geben, aber das Gameplay hat im ersten Teil schon gut funktioniert, und im zweiten Teil wird man sich die Mühe gemacht haben, dieses weiter zu verbessern und die Fehler des Erstlings auszumerzen, wenn ich mir den Trailer so ansehe.

Gerade gestern ging die Nachricht um den Globus, ein vermeintlicher Insider hätte das
Releasedatum des zweiten Teils geleaked.(Quelle) 
Februar 2020 könnte es demnach so weit sein. Mir ist es recht, genau so wie es ein späteres Datum wäre. Zwar kann ich es überhaupt nicht abwarten, den Nachfolger zu spielen und Ellie zu steuern, ihre emotionalen Geschichten mitzuerleben, großartig geschriebene Charaktere zu treffen und mich von der Welt verblüffen zu lassen, aber Naughty Dog soll sich jede Zeit nehmen, das Spiel bis zur Perfektion zu polieren. 

Außerdem soll es vier Editionen geben: Normale, Limited, Collectors Edition, und auch eine besondere Ellie-Edition. Ich habe damals den ersten Teil als Ellie-Edition bekommen.


Bis heute handelt es sich um eine der für mich bestausgestattetsten Spiele-Editionen überhaupt, vor allem wenn man bedenkt, dass ich sie wegen release-fernem Datum für unter 50 € bekommen habe. Diesmal werde ich bei einer ähnlich opulenten Edition wohl früher zugreifen, und würde dabei auch über hundert Euro auf den Tisch legen. 

Eines ist klar, Last of Us 2 wird mindestens sehr gut, eher überragend, wahrscheinlich eines der besten Spiele der PS4-Generation. Ich persönlich erwarte ein Meisterwerk der Videospielhistorie, bleibe im gleichen Atemzug aber auch bescheiden und freue mich, wenn es 'nur' gut wird. Dass es besser wird als der erste Teil noch, da habe ich keine Zweifel. Und ich bin gespannt, ob es erneut einen so guten Onlinemodus geben wird.

- Yoraiko