Freitag, 18. Oktober 2019

Durchgelesen - A Murder is Announced!



Da ich mich in jüngerer Vergangenheit mit einigen kleineren Büchern der Kriminalkönigin Agatha Christie beschäftigt habe, landete auch das Buch 'A MURDER is announced' früher oder später auf meinem Tisch, und war mir ebenso wenig wie 'Schneewittchen-Party' oder 'Alibi' ein Begriff, die ich auch durch meine Familie erhalten hatte. So viel aber kann ich schon verraten, 'AMia' war für mich das Beste der drei Werke aus der zweiten Reihe Christies, und dass trotz Miss Marple, mit der ich persönlich nicht viel anfangen kann.

Die Handlung:
„Ein Mord wird hiermit angekündigt. Er wird Freitag, den 29. Oktober, um 6 Uhr 30 abends in Little Paddocks verübt. Freunde und Bekannte sind herzlichst eingeladen, daran teilzunehmen. Eine zweite Aufforderung erfolgt nicht.“

Diese Anzeige erscheint in der wöchentlichen Zeitung eines verschlafenen Kleinstädtchens, und auch die Besitzerin des Anwesens Little Paddocks, Letitia Blacklock, ist äußerst überrascht und stellt sich darauf ein, Gäste zum fragwürdigen Anlass zu empfangen. Eine kleine Feierlichkeit findet statt, und tatsächlich - Es kommt zum Attentat auf Miss Blacklock, das schief geht, und am Ende den Attentäter selbst erschossen zurücklässt. Was ist nur passiert?

'A MURDER is announced' hat mich deutlich länger gebunden als ich es bei der überschaubaren Dicke des Buches zunächst angenommen hatte, und auch länger als And then there was no one, was zum einen sicher daran lag, dass das Buch auf für mich in recht anstrengendem Englisch geschrieben war, und zum anderen daran, dass der Inhalt selbst in der ersten Hälfte sehr träge und zäh präsentiert ist. Zum Ersten muss man sagen, dass ich an anderer Stelle die zeitgemäße Sprache von Christies Büchern lobe, weil ich sie als der Atmosphäre zuträglich empfinde. Das Ganze wird aber deutlich unangenehmer, wenn man plötzlich altbackenes Englisch lesen und übersetzen muss. Das zweitere Problem ist eine Eigenart, die ich an Christies Bücher feststelle - Abgesehen von ihren wirklich großen, populären Werken benötigen ihre Bücher immer eine lange Zeit, um in Fahrt zu kommen und den Leser zu fesseln. Die Geschichte und die Aufklärung des Mordfalls in diesem Buch kommt nur sehr, sehr langsam voran, und alles zieht sich in der ersten Hälfte beschwerlich, weil sich wieder eine vielleicht zu ausufernde Menge Zeit genommen wird, um alle Charaktere, deren Beziehungen zueinander und die Ruhe vor dem Sturm, als man auf den nächsten Anschlag wartet, ausreichend zu beschreiben. Und ich konnte abermals die meisten Charaktere nicht auseinanderhalten, was mein Fehler oder der des Buches gewesen sein mag. Ich weiß es nicht. Die paar wichtigsten Charaktere konnte ich zuordnen, schon, aber den Großteil der familiären Bekanntschaft nicht. Zu viele zu gleich klingende Namen und kaum Persönlichkeit muss man der Besetzung Christies hier ankreiden. Ich hatte das Buch damals noch vor dem Orientexpress angefangen, weil es so dünn und kompakt ist, aber man kommt alles in allem dennoch nicht gut hindurch. 

An Geschwindigkeit gewinnt die Erzählung endlich, wenn ein bestimmtes, zweites, tragisches Ereignis stattfindet. Ab diesem Punkt musste ich mich nicht mehr zum Weiterlesen zwingen, weil sich die Dramatik und das Tempo der Ermittlungen überfällig spürbar erhöhten. Das letzte Drittel des Buches mochte ich schlussendlich auch noch ganz gern, und die Auflösung war schlüssig, durchdacht und befriedigend. 

Das klingt jetzt alles eher negativ, wo ich das Buch doch als das Beste der von mir gelesenen Zwergenwerke Agatha Christies bezeichnet habe, aber damit meinte ich auch eher das am wenigsten Schlechte. Im letzten Drittel von 
A Murder is announced beginnt man tatsächlich, mit einigen Personen ernsthaft mitzufühlen, man beginnt Zusammenhänge zu verstehen und mitzurätseln, und nach der Auflösung, der sprichwörtlichen Katze aus dem Sack, versammelt sich Detektivin Miss Marple nochmals mit allen relevanten Personen um ein Kaminfeuer, um den Fall in allen Einzelheiten zu besprechen und aufzuklären. Handwerklich kein sehr sauberes Mittel, um den Leser auch garantiert nicht mit Fragezeichen über dem Kopf zurückzulassen, aber auf jeden Fall ein Willkommenes.

Das Buch ist schwierig zu empfehlen, weil ein Großteil der Erzählung dann doch Geduld und Aufmerksamkeit verlangt, wenn überhaupt sollte man es also unbedingt auf deutsch lesen, wenn man nicht wirklich, tatsächlich, beeindruckend gut in Englisch ist. Und ich dachte, ich wäre es. Mag man einen Krimi mit guter und durchdachter Auflösung hinten raus, ist A Murder is Announced die aufgebrachte Geduld und Zeit aber allemal wert. 



5,5/10 Zeitungen für Ein Mord wird verkündet




- Yoraiko



Light Novel-Review: The Saga of Tanya the Evil / Yojo Senki Volume 1





In Anime-Kreisen ist der Titel 'Youjo Senki' schon länger ein namhafter Begriff - Die Anime-Adaption der zugrunde liegenden Lightnovel ging 2017 an den Start und etablierte sich prompt als eine der unterhaltsamsten und wertigsten Actionserie des derzeitigen Angebotes. Musik, Geschichte, Optik, Humor - Alles war herausragend. Da kommt man gar nicht unbedingt darauf, auch mal zum Quellmaterial zu greifen, das als schnödes Buch weniger reizvoll erscheint. Aber die Lightnovel-Reihe zählt schon 10 Bände und ein Ende ist nicht in Sicht, demzufolge wird man hier wohl mehr Tanya bekommen, als es der Anime je leisten können wird. Ich jedenfalls hatte als großer Fan des Anime vor zwei Monaten dann endlich genug Interesse, in die Novelserie mit den beeindruckenden Coverarts hineinzuschnuppern, und weiß jetzt nach Beendigung nicht so genau, was ich dazu sagen soll.

Band 1 - 'Deus Io Vult'("Gott will es!") ist für mich unheimlich schwer zu bewerten, nachdem ich gestern endlich damit fertig geworden bin. Ganz allgemein ist unheimlich schnell(und positiv) zu bemerken, wie radikal viel Theorie, Hintergrundwissen, Palaver und Gedankenspiel der Anime für die Adaption herausgeschnitten hat, um das Tempo und den Unterhaltungswert der Geschichte zu erhöhen, in meinen Augen vollkommen zurecht. The Saga of Tanya the Evil ist überaus sperrig, setzt sehr gute Englischkenntnisse, eine einigermaßen hohe Konzentrationsfähigkeit und ein Mindestinteresse an Militärischer Theorie, Geschichte und Strategischen Manövern voraus. Mindestens die Hälfte davon fehlte mir, und so empfand ich die erste Hälfte des Buches als extrem zäh und anstrengend. 

Das liegt daran, dass Autor Carlo Zen eine sehr spezielle Art des Storytellings verwendet, der das Buch auch seine Dicke verdankt: Die 317 Seiten hätten 200 sein können, ohne wesentliche inhaltliche Verluste, auch wenn mir ein Großteil der Kernfans da sicher widerspricht. Jedenfalls gibt es in dem Buch grundsätzlich nur 5 verschiedene Szenentypen:
- Ein innerer Monolog von Tanya
- Ein Dialog zwischen Tanya und einem Vorgesetzten oder Kameraden
- Ein Dialog von Militäroffizieren ohne Tanya
- Eine Kampfszene in einer Schlacht
- Seitenlange Ausführungen über militärische Manöver, Strategien und deren Kontexte

Es gibt ein paar wenige Ausnahmen in Form von Monologen anderer Charaktere, aber grundsätzlich ist es so. Dabei muss man sagen, dass die Actionszenen im Anime sehr dominant sind, wobei sie im Buch nur einen sehr, sehr, sehr kleinen Teil aus machen, stattdessen wird das Lesegeschehen eben dominiert von laaaangen, theoretischen und sehr trockenen Gesprächen über Kriegsführung in all ihren Formen. Es gibt Triviawissen zu Strategie und Waffen und Ähnlichem und man merkt zumindest, dass Carlo Zen eine große Leidenschaft für diese Themen hat. Ich aber leider nicht, und so musste ich mich sehr oft zwingen, wieder zum Buch zu greifen. 

Ich war schon lange vor der Hälfte der Geschichte bereit, die Novelreihe als Flop abzutun, die nur von ihrem wunderbaren Anime profitierte, aber in der zweiten Halbzeit wird alles etwas besser und bekömmlicher. 
Die Monologe von Tanya werden mehr, und jeder davon ist gut und zutiefst unterhaltsam - Wenn man dem berechnenden Geschäftsmann in Tanyas Geist lauscht, wie er jeden Dialog, jede Aussage und jede Aktion sorgfältig plant, kalkuliert und zu seinem Vorteil abwiegt, kommt man nicht umhin köstlich unterhalten zu sein und sich vielleicht auch ein wenig selbst darin wieder zu finden. Kalkulieren wir nicht auch immer wieder, ob und wie sehr Situationen und andere Personen uns nützen und zu unserem Vorteil sein können? Jedenfalls sind das die in der ersten Hälfte des Buches seltenen und später häufigeren Lichtblicke. 

Allerdings wird auch häufiger ÜBER Tanya gesprochen - Die Szenen, in denen die Offiziersversammlung über Tanya von Degurechaff redet, über ihre Beförderungen berät, ihr unglaubliches Talent hinterfragt und ganz allgemein das Mysterium der Protagonistin zu ergründen versucht sind schlichtweg hochspannend. Als Leser wusste ich natürlich, was hinter Tanya steckt, aber die Art wie hier eine uns bekannte Protagonistin zum unbegreiflichen Monster aufgebaut wird war schwarzer Humor auf höchstem Level. 

Auf höchstem Level ist Tanya selbst auch ohne Frage - Wie der Autor im Nachwort ganz richtig feststellt ist die Protagonistin nach allen Klassen und Standards eine hoffnungslos überpowerte Mary Sue, der schier alles gelingt, die einen riesigen Erfolg nach dem Anderen einbucht und schon innerhalb des ersten von mehr als zehn(!) Büchern zur beispiellosen Militärlegende digitiert.  

Fokus auf andere Charaktere gibt es bisher wenig - Abgesehen von den erwähnten, überschaubaren Monologen ausgewählter Personen, die mit dem 'Rhine Devil' zu tun haben, bleiben wir entweder immer direkt auf Tanya oder es geht zumindest um sie. Interaktionen, die über Kämpfen oder bloße Dienstgespräche hinausgehen, hat sie mit anderen Charakteren nicht. Das war im Anime laut meiner erinnerung durchaus anders, kann aber ja auch noch in den kommenden Büchern hinzu kommen. 

Am Ende haben wir einen mehr oder weniger passablen Cliffhanger, der den weiteren Weg der Geschichte andeutet und klar macht, dass das Imperium, unter dem Tanya dient, am Anfang eines Weltkrieges steht. Persönlich bin ich nun nach der starken zweiten Hälfte, die sich mehr mit Tanya als dem Imperium und dem Krieg beschäftigt, sehr sehr unschlüssig ob ich die Reihe nicht doch weiter verfolgen möchte. Zuerst stand das für mich außer Frage, doch der Reiz die Legende vom Rheinteufel weiter mitzuverfolgen, ist da. Ob sich dieser gegen die begrenzte Lebenszeit, die noch begrenztere Lesezeit und die starke Konkurrenz durch hervorragende Lightnovels wie Spice & Wolf durchsetzen kann, bleibt für mich abzuwarten. Am Ende des Tages aber ist Youjo Senki 1 eine vorrangig durchwachsene Lese-Erfahrung, die sicher keine referenz für das Lightnovel-Medium darstellt, dessen ureigenmes Merkmal es ist, eher leichte Literatur zu sein. Wer in das Franchise einsteigen möchte, tut das besser unbedingt über den Anime. 


6/10 Silver Wing-Abzeichen für The Saga of Tanya the Evil





- Yoraiko


Band-Gedanken: Attack on Titan Vol. 25




Bei den auf Denkbloggade veröffentlichten Artikeln zu den Attack on Titan-Bänden 17 - 25 handelt es sich um recht alte Beiträge von mir in einschlägigen Mangaforen, die ich hierfür überarbeitet habe. Sie dienen vor allem der Archivierung, aber auch, um einen Einblick zu geben in die in meinen Augen großen inhaltlichen und konzeptuellen Schwächen der Geschichte beginnend ab Band 15. Wer gleich zu meinem großen Attack on Titan-Manifest mit Stand Band 25 gehen möchte, der klicke hier. Ansonsten danke fürs Lesen. 



Ich habe Band 25 gelesen. Hach ja, Wahnsinn, dass es schon wieder 4vierMonate, 1/3 Jahr her ist seit Band 24 bzw. meinem letzten Trauerzug durch die Fäkalienstadt Isayamas.

Überraschenderweise ist Band 25 der erste seit... 19?, den ich einigermaßen gut, spannend und stimmig fand und bei dem ich richtig Lust habe, weiterzulesen. Natürlich ist das Gesamtkonstrukt immer noch brüchig wie das Bein eines Leprakranken, aber das wird auch nicht mehr besser werden. Jetzt kann man nur noch versuchen, das Chaos zu genießen. Die Zeichnungen waren der Hammer. Versteht ihr, Hammer? Höhö... ach, vergesst es.


Die Rede beziehungsweise Storyzusammenfassung der Tyburs war insofern erfrischend, dass man nochmal das Hintergrundkonstrukt in Kurz bekommt. Ist nötig bei all den crazy Entwicklungen und Verzweigungen, die Isayama da Band für Band reinschmeißt.

Die politischen und strategischen Aspekte beziehungsweise Dialoge fand ich abermals uninteressant, weil ich immer noch kein Civilization lesen will, sondern Attack on Titan. Außerdem rerstehe ich immer noch nicht die größeren Motive Marleys -
Tybur hat zwar erzählt, dass hinter den Mauern eine Revolution gelaufen ist, und dass Eren jetzt der Urtitan ist, aber WARUM das so gekommen ist und sie von Eldia bedroht werden hat er fein ausgespart. Das ist doch alles nur passiert, weil Marley warum genau nochmal vier Krieger dahin geschickt hat? Für Erdöl? Um im Wettrüsten der Nationen nicht nachzulassen? Das klingt immer noch alles sehr lapidar und zweifelhaft, so als ob Isayama selbst nicht ganz wusste, wie es denn jetzt zu diesem großen, coolen Krieg kommen soll. Was WILL Marley?

Erens und Reiners Gespräch hat mich auch sehr skeptisch gestimmt. Es wirkte ja über weite Teile so, als wäre genau das Erwartete eingetroffen, Eren hat sich zur Kartoffel zurückentwickelt, hat eingesehen, dass Krieg ja eine schlimme Sache ist und niemand wirklich was dafür kann, Reiner nur Befehle befolgt hat(Nazi-Argument) und Vergebung ja stärker ist als Hass. Würg. Darum war es eine angenehme Überraschung, dass er doch noch eine Agenda hat. Ich verstehe nur nicht ganz, welche.

Marley vernichten? Was heißt das konkret? Und wie soll es dann weitergehen? Die ganze Welt vernichten? Unwahrscheinlich. Alle sieben Titanen sammeln und Shen Long beschwören? Vergessen wir aber natürlich nicht, dass all diese Fragen, der vielleicht theoretisch spannende Plot und sämtliche Twists and Turns ohnehin keine große Rolle mehr spielen, weil Hajime Isayama, der wahrscheinlich einfältigste und gedankenloseste Autor seit Kishimoto, einfach mal so das verdammte Ende seiner verdammten Geschichte enthüllt hat. Ich kann nicht in Worte fassen, wie dumm man als Mangaka sein muss, um das Ende einer Geschichte wie Attack on Titan einfach mal so zu enthüllen. Vielleicht kommt das vom Schlafmangel.

Lieber gar nicht weiter drüber nachdenken. Alles nach der Rede jedenfalls war ziemlich cool. Schön, wenn auch erwartbar, dass der Tyburn-Statist direkt wieder aus der Geschichte rationalisiert wurde. Ebenso erwartbar, dass er nicht der Titan war. Ich finde es auch vollkommen angemessen und angenehm, dass die Eldianer es jetzt schön krachen lassen und den Bodycount in Marley nach oben treiben. Wenn Marleys Regierung allen Ernstes Eldia angegriffen hat nur um ihre Wirtschaft und ihre militärische Stärke auszubauen, geschieht den Knallköpen das recht, Zivilisten hin oder her. +Darwin Award. Der Hammertitan ist relativ langweilig geworden, aber der Name hat das auch schon vermuten lassen...

Wunderbar beeindruckend finde ich das neue Design, den Kampfstil, das Vorgehen der Eldianer. Mikasa und Sasha sehen klasse und realistisch gealtert aus, Jeane auch. Auch ihr Kampfstil ist eine homogene Weiterentwicklung zum realistischen Setting, quasi das Beste aus dem Schlimmsten rausgeholt. Das ändert natürlich auch nichts an der Tatsache, dass Mensch-gegen-Mensch-Kriegskonflikte einfach langweilig sind, weil ich sie buchstäblich in JEDEM ZWEITEN SHONENMANGA genau so haben kann.

Dennoch waren die Kampfszenen cool, hoffentlich pflanzt sich das in Band 26 fort. Viel mehr als die Action kann ich bei Attack on Titan lange schon nicht mehr genießen. 


Aber es ist ja nur Fiktion, warum sollte man sich darüber allzu viele Gedanken machen? Sicher, andere Autoren, die ab und zu auch mal Schlafen bevor sie ihren bescheuerten Plot weiter in die Verdammnis reiten bekommen es auch hin überzeugende Geschichten ohne Magie und Fremdscham zu fabrizieren, aber das hier ist Attack on Titan, da frisst manm oder stirbt. Im wahrsten Sinne des Wortes.HahahahahahahahahahahaHAHAHAHAHAHahahsdashshHAHHAHAHAHAHAHA
HahsartHAHASHAHASHAHAHAHAHAHAHAHAHAHUHUHOGHOHOAH
DIPHGHAHAHAHOHOHOHIHIHIHHAHAHAHAH
AHAZUHIHIHIHIHIHIHIHRHTJghdtgdKillme

- Yoraiko




Band-Gedanken: Attack on Titan Vol. 24



Bei den auf Denkbloggade veröffentlichten Artikeln zu den Attack on Titan-Bänden 17 - 25 handelt es sich um recht alte Beiträge von mir in einschlägigen Mangaforen, die ich hierfür überarbeitet habe. Sie dienen vor allem der Archivierung, aber auch, um einen Einblick zu geben in die in meinen Augen großen inhaltlichen und konzeptuellen Schwächen der Geschichte beginnend ab Band 15. Wer gleich zu meinem großen Attack on Titan-Manifest mit Stand Band 25 gehen möchte, der klicke hier. Ansonsten danke fürs Lesen.




Ich habe Band 23 gelesen...




Attack on Titan in a Nutshell:




Das.
Größte.
Franchise.
Trainwreck.
Des.
Jahrzehnts.
Mit.
Abstand.


Wow, Isayama. Wirklich, mir fehlen die Worte. Es gehört schon wirklich, wirklich viel dazu, das wohl spannendste und meisterwartete (Anime-)Franchise des Jahrzehnts mit Anlauf derartig in den Dreck zu fahren, und das von einem Autor, der sich laut eigener Aussage stets hinterfragt und nie mit sich zufrieden ist. Wie man eine so unverbrauchte und packende Geschichte mit einem derartig nichtssagenden, belanglosen und vor Fehlern nur so triefenden Hintergrundkonstrukt völlig und episch ruinieren kann, ist mir schleierhaft. So was habe ich auch noch nicht erlebt. Dagegen sehen Naruto und One Piece plötzlich wieder gut aus. Damit ist die Reihe dann für mich gestorben, und ich lese sie nur noch, um meine monatliche Dosis Kopfschütteln zu absolvieren. Tut richtig weh, mein Lieblingsfranchise so vieler Jahre zu begraben, aber dann auch wieder hat sich das seit fast 10 Bänden angekündigt.

Ich muss jetzt erst mal trauern gehen. Die Welt ist ein grausamer Ort. Grausam und dämlich. 


- Yoraiko

Band-Gedanken: Attack on Titan Vol. 22







Bei den auf Denkbloggade veröffentlichten Artikeln zu den Attack on Titan-Bänden 17 - 24 handelt es sich um recht alte Beiträge von mir in einschlägigen Mangaforen, die ich hierfür überarbeitet habe. Sie dienen vor allem der Archivierung, aber auch, um einen Einblick zu geben in die in meinen Augen großen inhaltlichen und konzeptuellen Schwächen der Geschichte beginnend ab Band 15. Wer gleich zu meinem großen Attack on Titan-Manifest mit Stand Band 25 gehen möchte, der klicke hier. Ansonsten danke fürs Lesen. 
 
Band 22. Mein ganz aktueller Eindruck Stand 22 ist gerade, dass die Geschichte von Attack on Titan leider doch recht viele Plotholes aufweist, von denen mir jetzt zwar vielleicht nicht alle einfallen als jemand, der nicht nach jedem Band nochmal die ganze Serie liest und Notizen macht, aber einige Beispiele werde ich exemplarisch nennen.
Kurz vorher, darf ich hier nochmal die Zweifelhaftigkeit des Covers von Band 22 betonen? Es hat mich wirklich ein ums andere Mal beeindruckt, wie es die späteren Mangacover geschafft haben, unspektakulär aber größtenteils völlig spoilerfrei zu sein. Und dann das. Eines der wichtigsten, worldbuilding-elementarsten und emotionalsten Elemente der Geschichte vom allerersten Kapitel an, weit und breit gespoilert auf dem Cover. 

Ich meine, was zum Norweger? Welcher Volltrottel(Und das schließt Isayama natürlich mit ein) hat das denn bitte abgesegnet?! Nun, wie dem auch sei, zum Inhalt...

Gut, dass man gleich nochmal eine Zusammenfassung der Geschehnisse spendiert bekommt. In diesem Band war auch schon wieder viel zu viel drin. Man kommt ja kaum noch mit. Man hätte das alles so schön über 3-4 Bände verteilen können, jetzt ist mir persönlich das aber viel zu viel Input auf einmal.
Die Strandbank zu sehen war interessant und hat auch wieder einige Fragezeichen verschwinden lassen, die sich gebildet hatten oder vielleicht noch hätten. Der Twist mit Eule war okay, den habe ich nicht kommen sehen. Das aber auch wegen den Plotholes. Dazu gleich mehr.

Mikasas Bettfrisur war eines der erhabendsten Dinge, die ich bisher in diesem Manga sehen durfte. Schade, dass sie sofort back to boring ist. Allgemein zu Mikasa, ich finde es interessant, dass sie mir in den letzten beiden Bänden langsam als Charakter sympathisch wird. In den ersten 20 Bänden (Und ersten zwei Staffeln) war sie nicht mehr als Erens Dakimakura, aber langsam gewinnt sie etwas Charakter hinzu. Weitermachen. 





"Weil ich das unterhaltsam finde."
Aaaahh, die gute alte Evil cuz Evil-Schule. Sehr gut Isayama, Marley ist ein böser Staat voll mit bösen Arschlöchern, die Arschlöcher sind, weil sie böse sind. Richtig gutes Storytelling! Da hat das bisschen Erklärung danach auch nicht mehr viel für den Charakter gebracht. Und natürlich verbrennen sie Menschen bei lebendigem Leibe, beschmeißen scheinbar unschuldige Personen aufgrund eines alten Mythos mit Steinen und lassen Kinder von Hunden von Kindern zerfressen. Meine Damen und Herren, Hajme Isayama, großer Manga-Autor und subtiler Erzähler, reiht sich in der Liga der Schwarzweiß-Malerei direkt neben Eiichiro "Alle Adligen sind böse" Oda und Masashi "Alle außer dem Protagonisten sind unfähig und nutzlos" Kishimoto ein. Ganz, ganz kleines Kino.

Das mit den 13 Jahren kommt mir vor wie ein unglaublich, unglaublich überinszenierter Asspull. Das Ganze stinkt so dermaßen rabiat nach einem dramatischen Storyelement, das die Titanenträger nerfen und gleichzeitig für emotionale Zwiespalte sorgen soll, dass ich das eigentlich wirklich nicht gebraucht hätte. Hat wenn mich meine vage Erinnerung nicht täuscht auch bisher keinen einzigen Hinweis auf eine solche Begrenzung gegeben.

Und Junge, lasst mich bloß nicht von dieser Shingeki no Kyojin-Sache anfangen. Ich habe selten in einem Manga einen so platten, unnötigen und gezwungenen Rolling Credits-Moment gehabt wie hier. Hinzu kommt, dass das ganze auf Deutsch (Und auch im Original?) mit "Attackierender Titan" auch noch maßlos albern klingt und keinen Sinn ergibt. Was mich aber am meisten stört ist die Implikation, dass Erens Streben nach Freiheit, was das Streben des MENSCHSEINS nach Freiheit, dieser ganze Kampf gegen das Leben im Käfig, auf den Einfluss des Titanen zurückgeführt wird. Das ist... wow. Das wäre wirklich fast schon Narutoniveau, wenn das am Titanen lag. Hoffentlich sollte das nur coole Symbolik sein.

Ich verstehe den Gag mit Erens und Hanjis Geste bei den Zellen nicht. Hat Eren sich einen runtergeholt? Ich bezweifle das. Außerdem hätte Mikasa diese Verschwendung nie zugelassen sondern die Wand eingetreten und es selbst gemacht.

Ymirs Backstory hat der Anime - Aus mir jetzt absolut unerfindlichen Gründen - ja vorgezogen, was dem Brief leider viel seines Basses genommen hat. Das war schon ein bisschen enttäuschend. Okay, dass das mit dem Heiraten mal so explizit gesagt wurde war schön, und das halbe Gesicht von Historia mit angedeuteten Tränen ungewohnt smart und subtil für Isayama, aber wenn diese kleine Szene und Historias "Kono Baka..." jetzt der Abschluss von Ymirs Charakter war und da sonst nichts mehr kommt, ist das ein neuer Tiefpunkt der Charakterzeichnung in Attack on Titan. Das bezweifle ich aber ganz stark. Trotzdem war es seltsam, wie schnell Historia das einfach zu den Akten gelegt hat.

Was mich an dem Band am meisten stört bzw. was das größte Fragezeichen ist, ist natürlich, warum Eule Armin und Mikasa kennt. Das bringt mich wieder auf die unangenehme Theorie die ich seit Ep1 des Anime habe, dass das Ganze irgendwie in einer Zeitschleife hängt oder Zeitreisen/Paradoxen im Spiel sind. Eule könnte sogar Eren sein. In Ep1 des Anime hat Eren ja Sachen vorhergesehen. Ich dachte ursprünglich, das wäre genau wie der Saiyajin-Titan am Ende von S1 nur ein Stilmittel des Anime, aber es könnte auch zu dem "An dich in 2000 Jahren" passen. Hoffentlich nicht. Aber eigentlich gibt es keine andere Erklärung dafür.

Ich fand die große Ratssitzung cool und mag, dass die Mauermenschen jetzt immerhin so offen mit allen Infos umgehen. Hat man nicht so oft in solchen mysteriösen Geschichten.

Flocke ist einfach der beste Charakter der ganzen Geschichte.
Jeder, der den Manga gelesen hat, hat sich gefragt... warum nicht Kommandant Erwin?
Der Junge bringt es perfekt auf den Punkt, was wiederum heißt, dass Isayama es perfekt auf den Punkt bringt und weiß, was er da inszeniert hat. Ich weiß echt nicht mehr, was ich von dem Mangaka halten soll. Mal überrascht er mich positiv und dann schüttle ich wieder den Kopf.
Der Meeresreveal hätte richtig episch sein können aaaaaaaberCover.
 
Aber mal zu den gefühlten Plotholes bzw. einigen die mir spontan aufgefallen sind:
- Warum zum Geier hat sich Eule nicht schon vor Jahren selbst hinter die Mauern begeben um den Urtitanen zu holen? Warum wartet er bis zu seinem Tod, nur um es dann jemand anders machen zu lassen, der es schon einmal gehörig versaut hat (Zeke)
- Und in dieser Hinsicht, warum gerade jetzt? Warum hat Eule vorher zich seiner eigenen Leute getötet und entscheidet sich gerade jetzt für gerade diese Person?
- Warum hat Eule es nicht so gemacht, dass er Krishas Frau am Leben lässt, sich in einen Titanen verwandelt und alle anderen tötet? Danach hätte er zusammen mit Krisha von der Mauer hüpfen und seine Kräfte übertragen können. Anschließend hätten Krisha und seine Frau zusammen in die Mauern gekonnt. Warum zum Geier gab es keinen anderen Weg als sie zu opfern? Ach so, weil Plot.
- Es ergibt absolut gar keinen Sinn, dass noch nie ein Flugzeug/Fremdes Schiff/Irgendjemand von außerhalb des Kontinents die Insel betreten oder überflogen hat.
- Was ist das mit diesem Special-Quatsch mit Eren? Nur ein Königsnachfahre kann das Potential des Urtitanen entfalten, aber wenn den einer kriegt, steht der aus irgendwelchen Gründen unter dem Mindset des großen Pazisfisten Fritz, aber Eren kann jetzt doch das Potential des Urtitanen nutzen weil er einen Nachfahren als Titan berührt hat?!! Warum? Warum er? Könnten alle das? WAS?
- Warum zum Geier verschweigt Eren das mit der Berührung? Was würde man denn schon mit Historia machen? Warum sollte man etwas mit ihr machen? Klassischer Streck-Isayama. Vollkommen blödsinnig von Eren, an diesem Punkt noch so wichtige Informationen zu verschweigen.

Schlussendlich frage ich mich ehrlich gesagt aktuell, wo der Manga eigentlich hinwill. Der große Reveal beziehungsweise das Hintergrundkonstrukt von Attack on Titan und der Welt wird immer schwächer und ernüchternder, dieses Franchise hat für mich von dem Hass, der Verzweiflung und dem aussichtslosen Kampf Erens und der Menschheit gegen einen übermächtigen Feind in Form der Titanen, fremden Invasoren und Unwissen um Freiheit gelebt. Das alles ist jetzt quasi hinfällig, Erens emotionaler Kollaps ob der Tatsache, dass sein, JEDERMANNS gesamtes Leben einfach völlig sinnlos war, jeder umsonst gestorben ist und der Grund für die Verwüstung ihrer Heimat #Wirtschaft ist, blieb schlichtweg aus.

Was will Eren jetzt machen, den ganzen bösen Marleystaat plattmachen? Warum? Wird das jetzt also eine weitere, langweilige Kriegsgeschichte von einem kleinen Volk gegen das große Imperium? Keine Ahnung, das ist irgendwie nicht das, was ich in Attack on Titan immer gesehen habe, und ich finde das gerade alles extrem ernüchternd.

Und hinzu kommt, dass der Magicz!-Hintergrund immer unausweichlicher wird. Dass bei frühzeitigem Trägersterben wahllos andere Ymirleute die Kräfte übertragen bekommen und unsichtbare Verbindungen zwischen allen Titanen bestehen, das ist mit irgendeiner Meta-Sciene schon fast nicht mehr zu erklären, das kann eigentlich nur Magiczpowerz sein. Ich habs ja schon mal erwähnt, ich will von Shingeki no Kyojin keine übernatürliche Erklärung, und dass trotz der Tatsache, dass es um Titanen geht die von Menschen gesteuert werden. Ich will irgendetwas Nachvollziehbares, das in die Welt passt, und nicht so eine Animegrütze. Wenn ich sowas will, geh ich Naruto lesen.

Meine Hoffnung bleibt, dass das alles gerade noch ein fortwährendes Leserverwirren ist und wir mehr erfahren werden, und viele der aktuellen Ereignisse nicht für bare Münze zu nehmen sind. Sonst hat Attack on Titan sich vielleicht auch einfach selbst gesprengt. Das wäre eines der größten Franchise-Trainwrecks des letzten Jahrzehnts. Solchen Schund wie Naruto zähle ich da jetzt nicht unbedingt dazu, weil das auch schon vor dem Absturz nicht uneingeschränkt gut war...


Bin etwas weniger als bisher auf Band 23 gespannt und hoffe einfach nur, dass Isayama schlauer ist als ich ihn einschätze und doch noch irgendwie die Kurve zur alten Schwere seiner Geschichte kriegt. 






- Yoraiko
  

Band-Gedanken: Attack on Titan Vol. 21





Bei den auf Denkbloggade veröffentlichten Artikeln zu den Attack on Titan-Bänden 17 - 24 handelt es sich um recht alte Beiträge von mir in einschlägigen Mangaforen, die ich hierfür überarbeitet habe. Sie dienen vor allem der Archivierung, aber auch, um einen Einblick zu geben in die in meinen Augen großen inhaltlichen und konzeptuellen Schwächen der Geschichte beginnend ab Band 15. Wer gleich zu meinem großen Attack on Titan-Manifest mit Stand Band 25 gehen möchte, der klicke hier. Ansonsten danke fürs Lesen. 
  


Band 21 war der Band im Zuge von Attack on Titan, in dem der große Vorhang fiel, und die Hintergrundgeschichte offenbart wurde. Ich gehe erst mal chronologisch durch meine Eindrücke während des Lesens.
Die ganze Handlung mit Armin und Erwin war vom Drama-Aspekt her schon okay, allerdings ist der einzige Grund, dass er überhaupt noch gelebt hat, seine Plot-Armor. Der Konflikt mit Erwin war absehbar und das kann man schon mal machen, aber es war halt auch von Anfang an zu 100 % klar, dass Charakter Levi Armin die Spritze gibt. Dramaturgisch ein bisschen schwach, aber was will man machen, wenn man nicht den Mumm hat, jemand wirklich Wichtigen über den Jordan zu schicken und sich das Gewimmere der Fanboys aufzuhalsen. Und Erwin zählt natürlich nicht, sein Tod hat sich seit Längerem angekündigt, da er seine Funktion in der Story auch erfüllt hat.
Wirklich cool an der Szene fand ich Mikasa. Von ihr endlich mal eine stark-emotionale Reaktion auf jemanden der nicht Eren ist zu sehen. Ich war mir bisher nicht sicher, ob sie Armin nur als Erens Anhängsel schätzt oder wirklich mag, das dürfte jetzt wohl geklärt sein.

Road to Coconut-Titan! Ich frage mich ob das dann wirklich so ohnesgleichen lächerlich aussieht wie mans erwartet, oder ob Isayama da was am Design macht. An und für sich finde ich es unheimlich unnötig, Armin Koloss-Kräfte zu geben. Ich verstehe, warum Isayama es gemacht hat, um dem bisher defensiven Armin wieder eine größere Rolle zu geben, aber für mich hätte es das nicht gebraucht. Ich fand ihn als Gehirn des Trupps okay, und er hätte der neue Anführer werden können. Wenn überhaupt hätte man Mikasa zum Koloss machen sollen, oder eben Erwin.

Bertholds Tod war für mich ziemlich bitter. Ich persönlich stand ja seit jeher irgendwie auf der Seite der Mauerbrecher, wenn auch nur, weil sie mich interessierten und ich Annie mag. Klar, Berthold hatte es verdient, aber traurig, dass sein Charakter jetzt raus ist. Wird spannend, was Annie dazu sagt. Vermutlich nichts, wie man Isayama kennt.

Der Schlüssel ist nicht für diese Tür ist erstklassiges Mastertrolling. Ich war, wie wahrscheinlich jeder andere Leser, kurz davor den Band aus dem Fenster zu schmeißen, und dann tritt Levi einfach die dämliche Tür ein. Isayama weiß ganz genau, was er da abzieht, der Lurch.
Zum letzten Kapitel und zum großen Reveal:
Ja, ich muss schon sagen, dass man dem Autor Respekt zufächern muss dafür, dass er in nur einem Kapitel einen ganzen Sturm an Answerbombs hageln lässt. Das war, und ich weiß wie absurd das klingt, fast schon zu viel auf einmal. Ich kam teilweise gar nicht mehr mit und musste die Seiten mehrmals lesen. 
Entschädigt zwar dennoch in keinster Weise die Fillersteppe in den fünf Bänden davor, aber wow. Wenn er auf den Punkt kommt, dann richtig.

Dass außerhalb der Mauern noch mindestens ein weiterer Distrikt existiert, der Berthold und Co. entsendet hat und vermutlich für die Titanen verantwortlich ist war mir ja schon seit der zweiten Staffel klar, aber in diesem Ausmaß hatte ich es dann doch nicht erwartet. Kompliment an Isayama, dass er die üblichen "Experiment in kontrollierter Zone / Zeitreise / Gottesspiel, Dimensionen / Alles ein Traum"-Auflösungen vermieden hat, zumindest bisher. Trotzdessen, dass mich das Ganze völlig weggeblasen hat, war meine erste Reaktion:

"Das... wars jetzt? Das ist die große Auflösung, für die ich so viele Jahre gewartet habe?"
Es gibt so Einiges was mich stört bzw. gestört hat, aber ich beschränke mich hier mal auf das Wichtigste:
- Soweit es bisher kommuniziert ist und ich es verstanden habe, will Marley Eldia(Unsere Mauern) aus zwei Gründen invasieren bzw. Eren entführen: 

1. Angst vor dem König 
2. Die Erze im Boden darunter.
Wenn das wirklich im Wesentlichen die einzigen Gründe für diesen gesamten Konflikt sind und dass man da Titanen hinschicken muss, ist das extrem schwach und antiklimatisch. Die ganze dramatische Story für... Erzvorkommen. Mal sehen, was da noch enthüllt wird.

Die Backstory mit dem Teufelspakt, der Urtitanin etc. hat mich zunächst sehr aufgeregt. Seine Geschichte mit so einem Hokus Pokus zu erklären ist wirklich das unterste Niveau. Allerdings habe ich mich nach dem Band an die fünf Stunden durchs Internet, Reddit und dergleichen gelesen und viele haben erwähnt, dass die Perspektive dieser Erzählung ja eigentlich komplett subjektiv ist, und daher nicht für voll genommen werden kann. Das hoffe ich jetzt auch mal, dass irgendetwas... Handfesteres dahintersteckt.

Als ich mich quergelesen hab bei Leuten die schlauer sind als ich, ist mir dann auch noch vieles klar geworden, was so rückwirkend Sinn macht oder richtig übel wird. So sind z.b. die meisten Titanen die man bisher gesehen hat Mitglieder dieses Widerstands, was schon echt bitter ist - Der Aufklärungstrupp ist wirklich komplett sinnlos gestorben, im Kampf gegen die eigentlich eigenen Leute.

Das Übelste für mich war aber, und da muss ich Isayama wirklich zuprosten weil es ein großartiger Twist ist, ist dass der Grinsetitan, der Erens Mutter gefressen hat, ja Erens Stiefmutter ist. Like, what the Fuck. Und da realisiert man dann auch erst, dass dieser Titan Karla zuerst zerrissen hat, ehe er sie gefressen hat - Aus Eifersucht. Und als Eren die Hand seiner Mutter berührt hat, wurde seine Koordinate aktiviert. Gut durchdacht, und wirklich ganz, ganz bitter.

Was sich für mich noch nicht so ganz ins Bild einfügt, aber vielleicht habe ich das schon mit gelesen und jetzt nur vergessen, warum Reiner und Co. so extrem verschwiegen sind. Okay, sie halten die Menschen hinter der Mauer für das absolut Böse, aber warum können sie nicht mal im Angesicht des Todes etwas über ihre Heimat ausplaudern? Weil ihre Familien dann ihre Privilegien verlieren? Hm...

Dass Isayama in seiner deutsch-geprägten Welt eine Allegorie auf das dritte Reich macht hätte man eigentlich auch irgendwie erwarten können, aber man sieht es nicht kommen. Auf jeden Fall auch interessant, dass es der Menschheit gut geht und andere Länder dabei sind, stärkere Waffen zu entwickeln. Man könnte sich auch fragen, warum nie ein Luftschiff, Flugzeug oder Ähnliches über die Insel geflogen ist, aber na ja, Suspension of Disbelief. Wusstet ihr übrigens, dass die Mauerinsel quasi Madagaskar ist, und der Kontinent daneben Afrika? Wenn man das Bild der Karte umdreht, passt es fast perfekt. Da die Mauern vom Umfang her aber nicht auf Madagaskar passen würden, ohne dass man das Meer sieht, muss die Insel etwa 3x so groß sein. Fragt sich also, ob das nur eine lose Vorlage oder quasi unsere Welt ist.

Am Ende des Tages hängt für mich viel davon ab, wie viel jetzt noch offen ist, wie der Rest noch aufgeklärt wird und was von dem bisherigen Wissen vielleicht doch nicht stimmt. Laut euren Kommentaren und anderen Quellen soll da ja durchaus noch einiges kommen. Ich hoffe jetzt einfach mal, dass in Band 23 nicht so was passiert wie dass sie plötzlich in Cyberkapseln liegen, Dinosaurier herum rennen oder so. Stand jetzt ist das aber für mich schon ein eher ernüchternder Reveal, sieht man mal von genialen Implikationen wie Erens Stiefmutter ab. Man muss natürlich auch fair bleiben und sagen, dass man einer jahrelangen Erwartungshaltung von zichtausend Fans die sich zichtausende Theorien spinnen kaum noch erfüllen kann, egal mit welchem Twist, aber dass die Mauern einfach eine Insel sind und die Bösen nur wirtschaftliches Interesse haben, ist schon ein wenig... antiklimatisch. Ich bin gespannt, was Eren und die anderen dazu sagen, wenn sie erfahren, dass all ihre Liebsten dafür gestorben sind. Eren ist bisher ja schon eine wandelnde Wutgranate, der Moment wird ihn dann vermutlich zur atomaren Explosion aufblasen.

Irgendwie hat es sich ganz komisch angefühlt, als ich das Kapitel fertig gelesen hatte. Fast schon so, als würde ein kleiner Lebensabschnitt zu Ende gehen. So ist das wohl, wenn man sich diverse Jahre das Hirn zermartert und dann plötzlich die Auflösung bekommt. Vieles ist mir immer noch unklar bzw. unbefriedigend, aber ich bin mal gespannt, was noch so kommt.


- Yoraiko
 

Band-Gedanken: Attack on Titan Vol. 18




Bei den auf Denkbloggade veröffentlichten Artikeln zu den Attack on Titan-Bänden 17 - 24 handelt es sich um recht alte Beiträge von mir in einschlägigen Mangaforen, die ich hierfür überarbeitet habe. Sie dienen vor allem der Archivierung, aber auch, um einen Einblick zu geben in die in meinen Augen großen inhaltlichen und konzeptuellen Schwächen der Geschichte beginnend ab Band 15. Wer gleich zu meinem großen Attack on Titan-Manifest mit Stand Band 25 gehen möchte, der klicke hier. Ansonsten danke fürs Lesen. 
 
Hahahaha. Am Ende des letzten Bandes erwartete ich, dass auch in Band 18 inhaltlich wieder rein gar nichts passieren würde.
Ich kann nicht mal stolz darauf sein, dass es genau so wie vorhergesagt gekommen ist, weil es an diesem Punkt einfach so offensichtlich war. Hajime Isayama - Was für ein Mann, sein Verlag muss ihn lieben.

Er hat es in diesem Band tatsächlich ein WEITERES MAL geschafft, einen gesamten Manga lang so gut wie keinen inhaltlichen Fortschritt zu produzieren. UN - FUCKING - FASSBAR!
Der Band war aber immerhin recht unterhaltsam, darum sehe ich es diesmal nicht so tragisch. Ironischerweise gab es
sogar einen unrelevanten Flashback mit Ankündigung:
"Wenn du mit einer Geschichte ohne jeden Nutzen zufrieden bist..."



Okay, aber ich bleibe fair: SnapesähmShadis Rückblick fand ich persönlich wahnsinnig gelungen. Mich hat seine Außenseiterrolle schon ein bisschen emotional getroffen, gerade die Geschichte mit Karla. Ein sehr unangenehmer Rückblick. Vor allem entlarvend für mich war, dass ich in der Szene in der er ihr seine Meinung geigt und sie sehr emotional angreift, zwei Sekunden vorher genau das Selbe über sie gedacht habe wie er.

Ich wollte mich dann schon aufregen, dass die Szene springt und wir Karlas Reaktion nicht sehen, weil Isayama keine Emotionen hinkriegt, aber das wird ja dann echt 'super' gelöst. Clueless-Klara hat keine Ahnung, wovon ihr jahrelanger Freund und offensichtlicher Verehrer spricht und geht stattdessen nochmal auf Eren ein, den wir als Leser natürlich nochmal auf ein Podest gehoben brauchen.
Karlas antwort be like:

"Yo my man, I have not the slightest clue what you're rambling about, but let's take another look at ma' cute son, which is not your son, he doesn't have to be special, it's special enough that his father is a doctor, and a handsome one on top of that, and above all not you, so this chick right here isn't givin' two sandy shits about you and Yer' fuzzin! Oh and take just another look, how cute he is, doesn't he look like his father, which is - by the way - not you? Now go and have fun dying out there like the fucking worthless loser you are while I'm bussy making my little ery-wery a little sister or two. With my man. Not you. Cheers!"

 
So in etwa war es jedenfalls. Das war sicherlich eine der bescheuertesten Szenen des ganzen Manga bisher.
Schön die schwierige Stelle vermieden, Isayama. Der ganze Rückblick macht Erens Eltern ehrlich gesagt noch unsympathischer, und ich fand die bisher schon nicht sehr mögenswert. Endlich mal Mangahelden-Eltern, von denen man froh ist, dass sie tot sind. Und Shadis lebt noch. Sieht jemand die Ironie?

 
Die dann stattfindende Party war wieder jede Menge gut kalkulierter Filler. Sasha's Verfressenheit fand ich diesmal wieder grenzwertig übersteigert, auch wenn es lustig war, wie sie dann einfach vergessen wird und als Einzige nichts zu essen kriegt.

Schön, dass sie jetzt wenigstens angekommen sind, wo es vielleicht etwas Fortschritt gibt. War natürlich meeeeeilenweit abzusehen, dass der folgende Kampf zum Cliffhanger wird.

Ich muss übrigens sagen, dass ich mittlerweile sehr schwierig finde einzuschätzen, was in der Welt von Attack on Titan möglich ist und was nicht. Das Ganze hat angefangen als halbwegs bodenständiges Mittelalter-Setting, dann konnten Menschen sich in Titanen verwandeln, dann hatten Titanen Special Powers, dann waren alle Titanen Menschen, dann konnten Titanen mMssenamnesien durchführen, dann konnte man den alten König über eine Tube übertragen, dann konnte man Titanen wie Soldaten steuern... ich habe keine Ahnung, wie weit der Fantasyaspekt noch geht.

 
Als Armin überlegt hat, wo die Feinde sich verstecken, bin ich für einen viel zu langen Moment ernsthaft davon ausgegangen, dass sie im Himmel über ihnen sind. Keine Ahnung, in einer fliegenden Festung oder so. Und ich halte es für gut möglich, dass in Erens Keller das Portal zu einer anderen Dimension ist oder Ähnliches. Sogar, dass Erens Vater ein Zeitreisender ist schließe ich nicht aus.

Total bekloppt. Das macht der Mangamit einem.



Isayama gab selbst öfter zu, dass der Arc den er mit Band 13 bzw. nach Staffel 2 begann, der schlechteste Teil des ganzen Manga sei. Immerhin ist er da ein bisschen reflektiv, das hat er anderen Größen wie etwa Kishimoto von Naruto also schon mal voraus. Ich muss sagen, dass ich ja langsam angefangen habe, an seiner Kompetenz zu zweifeln, vor allem auch weil ich vor ein paar Jahren mal gelesen habe, dass er spätere Charaktertode wegen potentiellen gebrochenen Fanherzen umändern will. Vielleicht geht ein Großteil der Genialität von Attack on Titan auch einfach auf den Anime zurück, den ich in jeder Hinsicht für das überlegene Medium halte und der zig Sachen gemacht hat, die es im Manga gar nicht gibt.


 - Yoraiko

Band-Gedanken: Attack on Titan Vol. 17





Bei den auf Denkbloggade veröffentlichten Artikeln zu den Attack on Titan-Bänden 17 - 24 handelt es sich um recht alte Beiträge von mir in einschlägigen Mangaforen, die ich hierfür überarbeitet habe. Sie dienen vor allem der Archivierung, aber auch, um einen Einblick zu geben in die in meinen Augen großen inhaltlichen und konzeptuellen Schwächen der Geschichte beginnend ab Band 15. Wer gleich zu meinem großen Attack on Titan-Manifest mit Stand Band 25 gehen möchte, der klicke hier. Ansonsten danke fürs Lesen. 
  

Ich glaube, man kann sich konfliktlos darauf einigen, dass Attack on Titan in aktueller Zeit eines der meistbeobachteten und am heißesten erwarteten Franchises weltweit ist. Gerade Anime only-Leute, falls es die überhaupt noch gibt, müssen seit Jahren furchtbare Qualen der Ungeduld durchmachen, was dadurch nicht besser wird, dass das Adaptionstempo des Anime in etwa dem Sprinttempo eines querschnittsgelähmten Maulwurfs entspricht, und die zweite Staffel voll mit Fillern war. Ich selbst bin nach S2 auf den Manga umgestiegen.

Und auch, wenn mir bewusst ist, dass ich mit Band 17 weit hinterherhinke und für die aktuellen Leser schon wieder alles ganz anders aussieht, möchte ich, von MEINEM Stand ausgehend betonen, was für eine absolute Leistung von Hajime Isayama es ist, so viele Bände mit konkretem, absolutem Nichts zu füllen. Jeder einzelne Anime-Zuschauer, der damals nach S2 auf den Manga umgestiegen ist und in aufgeregter Ekstase glühte, als er die Stelle erreichte, die über den Anime hinaus geht(Band 15), sah sich dann wahrscheinlich mit einer deprimierenden Ernüchterung konfrontiert: Es passiert einfach nichts.

Die letzten 3-4 Bände fühlten sich, und ich meine das genau so wie ich es sage, an wie purer Filler. Seit zwei oder drei Bänden bin ich über den Anime hinaus und warte, dass ich ENDLICH erfahre, was es mit der Welt und der Geschichte auf sich hat. Wie lange wartet man jetzt schon darauf, endlich mal mehr zu erfahren? Aber nichts. Isayama ist unglaublich geschickt darin, sämtliche Charaktere vor allem in den letzten Bänden entschlossen drumherumreden, nur andeuten, nie wirklich konkret werden zu lassen, nur zu teasen. Ellenlange Monologe von sämtlichen wichtigen Charakteren, prätentiös und mit einem Hauch von Möchtegern-Tiefe, aber nichts Konkretes.
Ich weiß ich weiß, in Fakt hat man in den letzten 2 - 3 Bänden neue Sachen erfahren. Aber wenn man die paar Brotkrumen mal gegen die Seitenanzahl aufrechnet und diese mit den neuaufgeworfenen Fragen gegenrechnet, ist das schon jenseits von unverschämt.

Okay Isayama, du weißt, dass die Welt sich an den Fingernägeln herumkaut, endlich den großen Knall deiner Story zu erfahren und es ist okay uns alle zu teasen und zu trollen, aber doch keine vier Bände lang. Was zum Schaf. Das gibt es wirklich nur bei Attack on Titan, dass wir einen halben Band lang einfach mal vollkommen zusammenhangslos die Backstory von Kenny bekommen, obwohl das zu diesem Zeitpunkt keine Sau interessiert. Das gibt es nur bei AoT, dass Charaktere zwei Bände lang am selben Ort stehen und sprechen können, ohne dabei auch nur eine einzige verwertbare Info preiszugeben. Ich empfinde das an diesem Punkt als konkurrenzlose Dreistigkeit und ein sehr schlechtes Storytelling, das mit Biegen und Brechen darauf ausgerichtet ist, auch ja noch so lange wie möglich die Mystik aufrecht zu erhalten, mit allen Mitteln. Ich will nicht sagen, dass ich die letzten Bände schlecht fand, ganz im Gegenteil. Historia etwa ist ein großartiger Charakter. Aber jedes Mal habe ich den Band mit der Hoffnung auf mehr Verständnis angefangen, in einem Zug durchgelesen und am Ende wieder dumm geguckt, weil man bestenfalls so schlau wie zu Anfang war.




Man erwartet endlich die Auflösung. Und was darf ich mir angucken? Historias Krönung, ein Waisenhof und ein Kopfquetscher. Ganz großer Sport, Isayama.

Klar, für alle die schon auf aktuellem Stand sind, wird das alles schon überhaupt nicht mehr relevant sein, und man denkt sich vielleicht Hab dich nicht so, aber diese Leute sollten versuchen sich zurückzudenken in die Zeit, in der sie auf jedes Kapitel eine Woche warten mussten. Gott. Das hätte ich nicht durch gehalten. Leider erlaubt es meine finanzielle Situation nicht, alle Bände auf einmal zu kaufen, ich hole nur so 1-2 aller 1-2 Monate nach. Also etwa der Rhythmus,den man etwa damals auch ertragen musste.




So viel zum siebzehnten Band. Gespannt bin ich, wie auch Band 18 mit purem Nichts gefüllt wird.


- Yoraiko





Review: Uncharted - The Lost Legacy (PS4) - "Das ist also AAA..."

 


Mein Name ist Chloe Frazer, ich bin australische Schatzjägerin, und verdammt, offensichtlich die Heldin eines waschechten AAA-Blockbuster-Hollywood-Videospieles. Da kann man schon mal ins Staunen geraten. Zu lange halte ich mich damit aber nicht auf, denn meine Geschichte verlangt eiliges Handeln - Es geht um ein sagenumwobenes, indisches Artefakt, den Stoßzahn der buddhistischen Gottheit Ganescha, das ich zu finden gedenke. Dass ich mich dabei mit der zwielichtigen Söldnerin Nadine zusammentun muss, ist zu Anfang eher notwendiges Übel als besondere Freude, und natürlich ist auch wieder ein fanatischer und unbelehrbarer Antagonist dabei, der einem mit seinen gesichtslosen Kugelfängern das Leben schwer macht. Egal,die blase ich weg, genau wie jedes andere Hindernis. Für moralische Bedenken bleibt keine Zeit wenn es darum geht, einen millionenschweren Schatz zu finden, den man am Ende dann aber doch nur wieder weg gibt...

Genau so ist es Chloe, danke für die Einleitung. Wie du schon richtig sagst - Du bist Heldin eines AAA-Videospiels. Eine Güteklasse, die ich in der Regel großzügig umgehe. Zugetan bin und war ich immer eher den kleineren Genres wie Fighting-Games, J-RPGs oder Adventures, große Blockbusterspiele hingegen interessieren mich nur in den seltensten Fällen. Na klar - Sie sind hochqualitativ, spielen sich flüssig, sehen bombastisch aus, sind bis auf den letzten Pixel feinpoliert und von A bis Y durchinszeniert. Aber mir meistens dann doch... zu platt und seelenlos. 

Die Uncharted-Reihe befand sich nie auf meinem Bedarf. Die Schatzjäger-Formel mit Kletter&Rätsel-Gameplay hat mich noch nie gereizt, mit dem Helden Nathan Drake konnte ich nichts anfangen und so richtig verstanden, mit welchem Teil man am besten anfängt, habe ich auch nicht. Das änderte sich, als ich einem Bekannten vor geraumer Zeit Uncharted: The Lost Legacy zum Geburtstag schenken wollte, da ich ihn noch nicht lange kannte und mir das wie eine sichere Bank erschien. Ich hatte nur Gutes über den neusten Eintrag der Uncharted-Marke gehört und gelesen, und dass die Heldenrolle diesmal von zwei Frauen besetzt wurde, stieß mir ebenfalls positiv auf. Der besagte Bekannte lehnte das Spiel ab - Ich jedoch wollte dem Franchise zumindest einmal eine Chance geben, und behielt Lost Legacy kurzerhand einfach selbst.

Was ich bekommen habe, war zweifelsohne in etwa das, was ich erwartet hatte, mit verschwindend geringen Abweichungen. Dennoch ist mein letztes Spiel dieser Größenordnung einige Zeit her, und so musste ich ab und zu innehalten und mir denken - "Das ist also AAA..." 
Der Storymodus ist einigermaßen kurz und relativ schnell durchgespielt. Das kann man schlecht finden, was für mich hier aber nicht der Fall war, da mir die Länge genau richtig erschien für den vergleichsweise flachen und überschaubaren Inhalt. Die Protagonistinnen empfand ich nach anfänglichen Schwierigkeiten durchaus als sympathisch, und es stimmt, was man so sagt - Die Dynamik zwischen den beiden funktioniert gut, wie man es von den Hauptcharakteren eines Blockbuster-Spieles auch erwarten können sollte. Aber alles ist eben wirklich komplett auf One liner, fette Sprüche, Coolness und Unterhaltsamkeit ausgelegt, so dass wirklich JEDER zweite Satz, der aus dem Mund der Heldin kommt, ein dummer Witz ist. Daran muss man sich gewöhnen. 

Die Story und überhaupt das ganze Spiel muss sich den dringlichen Vorwurf gefallen lassen, dass es extrem nah an Genrekollegen wie Tomb Raider oder auch Far Cry  verortet ist. Das betrifft allen voran den Inhalt - Ich kann langsam wirklich keine gebildeten, elloquenten Antagonisten mit einer Organisation seelenloser Fanatiker unter sich mehr sehen. Alle neuen Tomb Raider-Teile haben das gemacht, eben so wie Far Cry 4 und 5. Und so auch Uncharted Lost Legacy, wobei hier sogar noch die Ähnlichkeit zu Tomb Raider bei Heldin und Gameplay auffällt. Im Gegensatz zu Tomb Raider aber ist Uncharted viel polierter und hochglänzender, wohingegen es in meinen Augen qualitativ zu dieser Konkurrenz aber stark abfällt. Teurer ist nicht immer gleich besser.

Wenn man mit dem anfänglichen, relativ offenen Gebiet durch ist, denkt man schon fast, man befände sich auf den Weg ins Finale, dabei hat man gerade mal die Hälfte des Spieles hinter sich gebracht. Hier wird also durchaus für Überraschung gesorgt, was positiv hervorzuheben ist. 
Was mir persönlich gegen Ende hin sehr gefallen hat ist die Entschlossenheit und Inbrunst von Antagonist Asav - Sicher, man kann ihm wie JEDEM ANDEREN SEKTENANTAGONISTEN keine große Intelligenz anrechnen, wenn auch er bis zum Schluss nicht versteht, dass man die Protagonistin nicht lebendig in einer versinkenden Höhle zurücklässt, sie grundlos verschont oder sie immer wieder mit kleinen Gruppen angreift, statt sie EINFACH ENDLICH ZU ERSCHIESSEN!! 
Aber was Asav für mich ein wenig über seine unglücklichen Kollegen aus Tomb Raider und Far Cry erhebt, ist seine Konsequenz. In diesen Spielen ist es immer so, dass die Antagonisten mit beispielloser Arroganz und bilderbuchhafter Bösartigkeit auftreten, und man sich als Spieler im Laufe der Geschichte, wenn man einen Sieg nach dem anderen gegen ihre Truppen einfährt und ihre Organisation im Alleingang mehr und mehr dezimiert, schon diebisch darauf freut, am Ende die dummen Gesichter und wutentbrannten Reaktionen der Bösewichter zu sehen, die doch die ganze Zeit so selbstsicher auftraten. Meistens wird man enttäuscht - Entweder zucken sie mit den Schultern, begehen Selbstmord, werden reaktionslos umgebracht oder freuen sich sogar über unseren Erfolg - WAS FÄLLT DENEN EIN?!

Nicht so Asav. Asav ist wutentbrannt und tobt wie eine Bestie, als Chloe und Nadine ihn im Finale des Spiels konfrontieren und bekämpfen. Er liefert dem Spieler ein hartes Gefecht, das zeigt, wie drastisch, beharrlich und kompromisslos er darum kämpft, seine (wahnsinnigen) Pläne umzusetzen, und dass er die Heldinnen als Bedrohung komplett ernst nimmt. Das muss und sollte man nicht sympathisch finden, aber mit den aufrichtig-zornigen Dialogen, die er am Ende noch zum Besten gibt, gewinnt er etwas mehr an Tiefe als Antagonist als seine vergleichbaren Kollegen. Und das in einem Spiel, das trotz unzähliger Klippen in etwa so viel Tiefe besitzt wie ein 2D-Adventure. 

Das Ende ist, wie eigentlich auch der Großteil vom Rest des Spiels, natürlicherweise vorhersehbar und gibt einem abgesehen vom runden Abschluss nicht viel mehr. Die After Credits-Scene, welche einmal mehr beweist, dass man hier in einem Spiel ist, das explizit BLOCKBUSTER sein MÖCHTE, ist zwar überraschend, in ihrem Inhalt und ihrem Abschlussgag aber dermaßen platt und überflüssig, dass sie fast schon störend wirkt. Aber das sind dann eben die Nachteile, wenn man alles und jedes der filmischen Inszenierung unterwirft. Dennoch, da ich mich sehr gut auf die Blockbuster-Inszenierung einlassen konnte, und meine Erwartungen entsprechend angepasst habe, hatte ich eine unterhaltsame Zeit mit Lost Legacy, seiner Story und den Charakteren. Am Ende mochte ich sie sogar ganz gern.

Speielerisch konnte ich Uncharted Lost Legacy nicht übermäßig viel abgewinnen. Das Klettern funktioniert sehr flüssig und ohne große Erklärungen oder Ruckler, taugt für mich als unterhaltsames Gameplay aber nur bedingt, vor allem dann, wenn die meisten Kletterpassagen über die steilsten Gebirge und tödlichsten Schluchten derartig butterweich und beinahe schon automatisiert von statten gehen, dass man als Spieler das Gefühl hat, eigentlich kaum noch was zum Geschehen beizutragen. 
Und mitunter gibt es dann auch hier noch Stellen, an denen die Technik unsauber verarbeitet wurde und man z.b. zehn bis zwanzig mal in den Tod stürzt, ehe man sich an ein von einem NPC bereitgestelltes Seil hängen kann, weil die Kollisionabfrage so ungenau ist. 

Die Rätsel empfand ich, wie in einfach ausnahmslos jedem Rätselspiel, als lästig, überflüssig und teilweise auch wirklich anstrengend. Das Schöne an AAA ist, dass die Entwickler an alles denken, und so sind die Rätsel in Uncharted meistens entweder sehr gut lösbar oder lassen nach und nach von NPC Nadine Tipps bis hin zum kompletten Rätsel ausspucken. Ein Angebot, das ich gerade im späteren Verlauf durchaus ein, zwei Mal ausnutzen musste. 

Apropos Nadine - Begleitende NPCs in Videospielen sind immer so eine Sache. Sie können von vollkommen egal über zutiefst nervig bishin zu unglaublich frustrierend variieren, je nachdem, wie oft und leicht sie sterben, womit sie einen zuquasseln und all das. Nadine in Uncharted fiel mir äußerst positiv damit auf, dass sie ständig und von sich aus nützliche Tipps für den Spieler hat: Ein Gegner schleicht unter dir entlang? Sie warnt dich. Du hast ein Item übersehen? Sie weist dich darauf hin. Ein Gegner hat dich im Würgegriff und droht, dich umzubringen? Sie schreitet ein. Und kann sie dich verraten? Nein, denn sie ist genau wie Ellie aus Last of Us unsichtbar für alle Gegner, was natürlich überhaupt gar keinen Sinn ergibt, dem Spielfluss aber ungemein weiterhilft. Alles in allem eine ganz großartige Art und Weise, einen KI-Begleiter ins Spiel einzubinden, der ehrlich hilfreich ist und interessante Dialoge mit Protagonistin Chloe führt. 

Die Grafik ist eine der größten Stärken des Spiels, wie es nicht anders zu erwarten ist von der Marke und Entwickler Naughty Dog. Das Spiel ballert eine Skyline-Kulisse nach der anderen heraus, weite Dschungellandschaften, gigantische Wasserfälle mit eindrucksvollen Statuen oder fantasievolle, fiktive Städte aus alter Antike, von denen man sich wünschen würde, dass sie tatsächlich existierten. Und da es sich hier um ein Blockbusterspiel handelt, darf es natürlich nicht beim Bewundern bleiben - Es gibt einen recht üppigen Fotomodus, den man jederzeit aktivieren und das Ingame-Bild signifikant bearbeiten und verändern kann. So sind alle Bilder, die ich in diesem Artikel verwende, aus dem Fotomodus. Allerdings ist der wie die meisten solcher Fotomodi derartig komplex, dass ich abgesehen vom Titelbild, das ihr hier ganz oben seht, nicht oft die Möglichkeiten ausgelotet habe bzw. nicht die Zeit und Geduld hatte, mich jetzt eine Stunde an eine Bildbearbeitung zu setzen. Dennoch, tolles Gimmick!

  Gimmick ist auch das richtige Stichwort für die Extras, die man nach einmaligem Durchspielen der Story-Kampagne freischaltet. Mal abgesehen von den altbekannten alternativen Kostümen und freischaltbaren Waffen (Die man leider nur in bestimmten Abschnitten auch nutzen kann, WTF) gibt es hier tatsächlich auch Gameplay-verändernde Optionen und ganze Rendermodes. Ja, sowas hatte ich vorher auch noch nirgendwo gesehen. Das ist also AAA. Auch den Ton kann man verändern, so dass z.b. alles in 4BIT, 8BIT erklingt oder mit Helium gefüllt ist. Mit all diesen Optionen hatte ich mich beinahe schon darauf gefreut, vielleicht doch nochmal die eine oder andere Stunde in den Storymodus zu versenken, aber meine Befürchtung, es handele sich nur um kurzweilige Spielereien, bewahrheitete sich. So sind die Soundmodi zwar ganz nett, verlieren aber schnell ihren Reiz wenn man merkt, dass alles in 4BIT bzw. 8BIT einfach furchtbar klingt. Ebenso zu tiefe Stimmen. Das Einzige, was überhaupt erträglich war, waren die Helium-Stimmen, aber einen besonderen Reiz geben die der Klang-Kulisse auch nicht. Da hätte ich es viel sinnvoller gefunden, wenn man die Stimmen der Charaktere hätte tauschen können oder Ähnliches, aber das wäre eben auch bedeutend mehr Arbeit gewesen. Gleiches gilt für die bildverändernden Rendermodes: Pixeloptik, Schwarzweiß und CRT mag ja alles ganz lustig sein, wird aber auch schnell wieder langweilig oder ist schlichtweg potthässlich. Die einzigen Modi, die hier für mich wirklich einen Mehrwert boten, waren der Cellshading-Look, der tatsächlich unheimlich gut und authentisch aussieht, und dem Spiel einen ganz neuen Look verleihen könnte, und der famose Regenbogenland-Look, der alles in klare, strahlende Regenbogenfarben taucht. Aber reicht das, um das Spiel nochmal durchzuspielen? Meh.

Zuletzt die Gameplay-Cheats - Bedauerlicherweise auch hier nichts Bedeutendes, da Effekte wie Zeitlupen-Schüsse, gespiegelte Landschaften oder unendlich Munition eben meistens nicht wirklich auffallen oder das Geschehen kaum beeinflussen. Und Features, die 'Keine Schwerkraft' heißen, dieses Versprechen nur allzu vorhersehbar nicht konsequent umsetzen, sondern nur getroffene Gegner kurz schweben lassen. Schwach, aber irgendwo auch verständlich. Denn was wäre das noch für ein Kletterspiel, wenn wir überall einfach herumschweben könnten? 

Ein Spaßiges. 


Fazit

Trotz vielem Gemecker auf hohem Niveau war Uncharted: Lost Legacy wirklich überraschend okay. Ich muss einfach betonen, wie unglaublich niedrig meine Erwartungen an das Spiel waren, und wie solide und popkornartig es mich dann doch von Anfang bis Ende unterhalten hat. Weglegen konnte ich den Controller nur selten, denn wenn man AAA-Spielen auch vieles vorwerfen kann - Dass sie sich nicht flüssig und butterweich spielen, ist nichts davon. Die Hauptcharaktere sind genau das, was man bei einem 8 - 10-Stunden-Abenteuer erwartet und braucht, funktionieren in diesem Kontext gut und sind unterhaltsam ohne zu viel Tiefe zu entwickeln, die aber auch gar nicht notwendig ist, denn sie haben sie ja schon durch vorhergehende Teile, die ich nun nicht gespielt habe. Der Antagonist ist das, was man schon vierzig Mal gesehen hat, nur in etwas besser. Das Gameplay ist repititiv aber nicht störend oder aufdringlich. Audiovisuell ist Uncharted nach wie vor ein Brecher.

Wer einfach mal eine flache, anspruchslose Unterhaltung für ein paar Abende abseits von komplexen Geschichten, anstrengenden Kämpfen und emotionalen Achterbahnfahrten sucht, der wird mit Uncharted Lost Legacy, ein Spiel für wirklich jeden Spielertyp, wahrscheinlich bestens bedient. Danach hat man nicht viel Neues dazugelernt oder seinen Horizont nennenswert erweitert, aber man war definitiv gut unterhalten. Und das soll bei Videospielen ja auch manchmal wichtig sein. 


6/10 Enterhaken für Uncharted - The Lost Legacy
 
- Yoraiko