Montag, 14. Oktober 2019

Test-osteron: Der ultimative Colamarken-Vergleichstest - Schwarzes Gold oder Finstre' Pampe?



Der große, ultimative Cola-Vergleichstest 
(Mit Cola) 


 1. Vorwort und das Format 'Test-osteron
2. Die Tester und ihre Beziehung zu Cola
3. Die Test-Kandidaten
4. Die Bewertungskriterien
5. Verlängerter Testbericht mit Kommentaren und Eindrücken 
6. Kurzer Testbericht mit Wertungen
7. Endwertung + Siegerehrung

1. Vorwort und das Format
Viele von uns trinken sie jeden Tag, und das seit wir sie als kleine Racker mit der Muttermilch verabreicht bekommen haben, einige haben es geschafft ihr abzuschwören und gesündere Alternativen in ihr Leben zu lassen, aber auch die vermeintlich Abstinenten kehren irgendwann zurück. Zurück zu Cola, dem schwarzen Gift, dem flüssigen Herzinfarkt, der trinkbaren verkürzten Lebenserwartung. Doch während man vor fünf bis zehn Jahren noch in so ziemlich jedem Fall von Coca Cola sprach, wenn man das C-Wort auch nur andeutete, ist die Auswahl heutzutage riesig, und so unterschiedlich wie die Leute die sie trinken. Keine Frage, in Punkto Bekannt-, und Beliebtheit ist die gute alte Coke unangefochten, aber ist sie auch die beste Cola? Ist Pepsi wirklich nur eine traurige Kopie, ist Vitacola wirklich so widerlich wie alle sagen, ist Fritzkola tatsächlich das Getränk für Erwachsene? 
Diese und weitere Fragen habe ich zwei engen Freunden gestellt, und statt sie mir zu beantworten gingen sie auf meinen übereifrigen Vorschlag ein, doch gleich den Feldversuch anzusetzen - Ein großaufgemachter, empirisch stichhaltiger Colatest und Vergleich, durchgeführt von drei Niemanden, die alles wollen und nix können. Perfekt.

Wir nennen dieses Format Test-osteron, und es wird ab und zu, regelmäßig, unregelmäßig, erscheinen, vielleicht. Wie der Titel es den Begabteren unter euch schon verraten hat, werde ich mit verschiedenen Kameraden dabei Dinge testen. Doll! Das gabs noch nirgends. 


2. Die Tester und ihre Beziehung zu Cola  
 Yoraiko: Ich habe Cola seit vier oder fünf Jahren abgeschworen, und sie durch ungezuckertes Wasser ersetzt. Vorher trank ich entweder immer Coca Cola oder Ja!-Cola. Irgendwann wollte ich gesünder leben und hörte damit auf. Ich vermisse es nicht. Vor zwei oder drei Jahren begann meine Leidenschaft für Dr.Pepper, welche die einzige Ausnahme bildet. Selten trinke ich eine Dose davon. Ich mag Cola nicht und finde sie meistens eklig. Ich habe die meisten zu testenden Sorten noch nie getrunken. 

PizzaJuice: Ich habe vor ca zwei Jahren sehr viel Cola getrunken, da meine Mutter stets welche gekauft hat, aber auch so war mein Drang nach Cola groß. Es war mir auch zum größten Teil egal, was für Cola es war. Ob Pepsi, Cola Zero, normale Cola... alles habe ich ausnahmslos getrunken. Der Geschmack, aber größtenteils das Koffein haben mich gefesselt, da ich kein Kaffeetrinker bin und dies meine Alternative war. Nach einiger Zeit habe ich aber gemerkt, dass Koffein nicht mal eine richtige Wirkung auf mich hat und mich im Endeffekt nur müder macht nach ein bis zwei Stunden, und der Geschmack von Cola ersetzbar ist mit leckeren, gesünderen Alternativen. Die einzige Cola die ich noch trinke und wirklich genieße ist Fritz-kola. Diese trinke ich aber auch nur ungefähr ein mal im Monat. Ich habe kaum mehr das Verlangen nach Cola. Für mich ist es ein Gelegenheitsgetränk und sollte nie exzessiv täglich eingenommen werden. 

Paiclya: Ich mag keine Cola


3. Die Test-Kandidaten

Hier ist sie, die stolze Aufstellung der mutigen Zuckerwasserkadetten, die sich unserem gnadenlosen Urteil ausliefern: 
1.River Cola (Aldi)
2. K-Classic Cola (Kaufland)
3. Ja!-Cola (Rewe)
4. Coca Cola Zero
5. Coca Cola Cherry
6. Dr. Pepper
7. Vita Cola
8. Coca Cola
9. Fritz Kola
10. Club Mate Cola
11. Mio Mio Cola
12. Pepsi

Nicht auf dem Bild zu sehen weil nachträglich hinzugekommen:
13. Afri Cola

Wir hielten dies für eine breitgefächerte und durchaus repräsentative Auswahl, und haben bewusst schwammige Geschmacksrichtungen wie Vanilla oder Light weg gelassen.

 4.Die Bewertungskriterien
Folgende Kategorien haben wir für diesen Test als sinnvoll erachtet:
- Vermarktung, Image, Gesamtbild
- Preis, Verfügbarkeit in Märkten
- Design, Aussehen der Flasche und des Getränkes
- Inhaltsstoffe
- Duft
- Geschmack
- Extrapunkte und Abzüge

Diese Kategorien teilen sich in die, die wir zu dritt live und direkt bewerten konnten und jene, die man nicht bewerten sondern nur recherchieren kann, was ich dann alleine vorgenommen habe. Die Schlussfolgerungen daraus muss jeder für sich selbst finden. In jeder zu bewertenden Kategorie konnte jeder von uns dreien pro Getränk bis zu 10 Punkte vergeben, dabei waren ,5-Wertungen möglich. In der Kategorie Extrapunkte und Abzüge kann zudem jeder Judge, wenn er denn möchte, bis zu fünf Extrapunkte oder Minuspunkte pro Getränk vergeben.




5.Testbericht lang - Kommentare und Gespräche
Hierzu habe wir Videoaufnahmen die ganze Zeit über mitlaufen lassen, die ich im Anschluss ausgewertet und in Kommentare zum jeweiligen Getränk umgewandelt habe, falls denn welche vorhanden waren.

Vermarktung, Image, Gesamtbild:
Yoraiko:
Coca Cola: Hat den Weihnachtsmann quasi erfunden, steht für großartige Weihnachtswerbungen, das Lied Wonderful Dream ist untrennbar mit der Marke verbunden, Kampagnen wie die Cola Gläser bei MC Donalds, so wenig ich sie mag muss ich hier zehn von zehn vergeben
Coca Cola Cherry: Cherry klingt schon sehr schön, es klingt süß, etwas gesund, solide und gut
Fritz Cola: Ich verbinde absolut gar nichts mit der Cola, außer vielleicht dass es die 'coole' Erwachsenenkola ist. Klingt gut, cooles Design.
miomio: Ich weiß nicht. Spricht mich vom Design an, der Name ist nicht gut und das Marketing ist offensichtlich nonexistent.
Dr. Pepper: Stilvolle und einzigartige Intellektuellen-Konnotation wegen des Dr., großartige Werbeclips auf Youtube, sympathischer Konzern + Steins;Gate
Pepsi: A sad coke... furchtbarer Ruf und quasi irreversibles Image, das Design ist eine französische Flagge auf Kippe, 'Pepsi' klingt unglaublich furchtbar.
Ja! Cola: Das Alleinstellungsmerkmal der Farbe Weiß ist cool, Ja! steht für gute Qualität, die Beste aller Billigmarken
K-Classic Cola: Steht qualitativ zwischen Ja! und River, K-Classic hat jedoch eher ein negatives Image, so gut wie keine Werbepräsenz
River Cola: River Cola klingt im Gegensatz zu den anderen Billigmarken eklig und richtig billig, und will Kreativität vortäuschen, wo nur Aldi ist.
Coke Zero: Hatte ein paar coole Werbeclips, gilt als pseudogesund, beinhaltet allerdings Chemie statt Zucker.
Vita Cola: Kein gutes Image, Kein gutes Design, Zitronencolagemisch
Club Mate Cola: Nicht viel von gehört, Gutes Design, klingt recht flippig

Paiclya:
Coca Cola: 'Weeeeihnachtsmmaaaaann & MC Donalds'

Pizzajuice:
Coca Cola: was Yoraiko sagt + Ich liebe Glasflaschen, das wertet jedes Getränk auf, Fetziger Name, The origin of cola
Coca Cola Cherry: War die beste Colavariation vor Vanilla, Design ist abereinfach nur Cola mit einer Kirsche, sehr beliebt, tolle Variation
Fritz Cola: Mein persönlicher Favorit, Kannte das Getränk schon sehr früh, habe es oft bei Youtubern gesehen, es ist diese ANDERE Cola, das K statt C bei Kola ist cool, die zwei Jungs auf dem Etikett sind überzeugend, Glasflasche, gutes Design, 
'bring mich um sie sind geil'
miomio: Kannte vorher schon andere Miomio-Produkte, ich mag die Marke, viele meiner Freunde trinken sie, Super Flasche, sie ist etwas breiter und anders als andere Glasflaschen
Dr. Pepper: Ich habe es nur für Yoraiko einmal getrunken, Guter touch, es gibt viele lustige Parodien mit dem Getränk in etlichen Shows, sehr populär
Pepsi: Im Schatten von Coca Cola, ich war früher ein Riesenhater und hab jeden Trinker von pepsi gehasst, heutzutage hab ich einen kleinen Friedensvertrag mit Pepsi geschlossen, sie will Cola sein, ist nicht Cola
Ja! Cola: Ich wusste nicht, dass Ja-Cola existiert,  es tut weh, dass Ja-Cola existiert. 
Ja!-Produkte haben dieses scheiß billige Ja!-Logo, seeehr überzeugend mit dieser braunen Strömung im Hintergrund...
K-Classic Cola: Einmal im Leben gesehen und getrunken danach nie wieder, so langweilig, das klitzekleine Kauflandlogo triggert mich, ich sehe vor mir wie das von Hartz IV Empfängern getrunken wird
River Cola: Mie von gehört, Dieses River... sie wollten irgendwas damit ausdrücken, es hat nicht funktioniert, keine Ahnung.
Coke Zero: Coke Zero kommt in jeder Colawerbung vor, eintönig
Vita Cola: Vita cola tut weh, sie will anders sein. 
"Wir mischen mal ein bisschen Lemon drunter" ist das ganze Konzept. 
Nur weil sie original drunter schreiben macht es das nicht original weil sie die Idee geklaut haben.
Club Mate Cola: Eklig, war nie ein Fan, aber meine Fresse sieht die Flasche wunderbar aus, netter Name, Glasflasche, unglaublich beliebt, der Typ mit Sombreroist witzig

Duft: (Wurde blind und in wahlloser Reihenfolge durchgeführt)
Yoraiko:
Coca Cola: Starker Duft, sehr chemisch, aber geht schon mal
Coca Cola Cherry: Seeehr stark, prickelt in der Nase, auf gute oder schlechte Weise intensiv, sehr aufdringlich
Fritz Cola: Starker Duft, leicht süßlich
miomio: Potentiell billig, nach längerem Riechen würde mir schlecht werden
Dr. Pepper: Richtig toller Duft, duftet wie Marzipan und Vanille, wirklich wunderbarer Duft, unterscheidet sich sehr stark vom Rest, ich kriege nicht genug von
Ja! Cola: NULL Geruch. Wirklich, das Getränk riecht nach NICHTS.
K-Classic Cola: Metalisch... billig...
River Cola: Subtil, ganz angenehmer Duft, nicht besonders stark.
Vita Cola: Super unangenehm, unabhängig davon, dass ich weiß was es ist, ist derGeruch unglaublich unappetitlich, riecht als wäre es nur aus Chemie, mir wird wirklich übel dabei
Club Mate Cola: Sehr unangenehm und zitronig, kein Geruch den ich mit Cola verbinden würde

Paiclya:
Dr. Pepper: Ich weiß welche Cola das ist, weil sie genau so riecht wie sie schmeckt, 
UND ZWAR SCHEISSE!! HÖRST DU DAS YORAIKO?!

Pizzajuice:
Dr. Pepper: KOMPLETT anders als die anderen Düfte, Oh mein Gott die riecht WUNDERBAR
K-Classic Cola: Leichter Klogeruch
Club Mate Cola: Riecht nach Parfüm


Geschmack: (Wurde blind und in wahlloser Reihenfolge durchgeführt)
Yoraiko:
Coca Cola: Ich merke sofort an den Zähnen, wie viel süßer es ist, der Zucker legt sich förmlich ab, lecker aber viel zu süß
Coca Cola Cherry: Leider liegt unter dem süßen Geschmack Chemie und Bitterkeit, es geht ebenfalls an die Zähne, seeehr süß
Fritz Cola: Interessant, etwas weniger süß, Bitterer Nachgeschmack ist gewöhnungsbedürftig
miomio: Noch nie getrunken, sehr eigenener Geschmack aber auch sehr süß, gewisser Nachgeschmack, nicht zu aufdringlich
Dr. Pepper: Köstlich, kein Nachgeschmack, sehr eigen, sehr fruchtig und frisch, nicht zu süß
Pepsi: Schmeckt ein bisschen komisch, geht an die Zähne, chemisch und aufdringlich, aber auch nicht wirklich schlecht
Ja! Cola: Im Nachgeschmack besser als zu Anfang
K-Classic Cola: 'UÄÄÄH', zitronig, nicht colamäßig, nicht zu stark, kein Nachgeschmack 
River Cola: Gibt mir nichts, würde ich nicht öfter trinken
Coke Zero: Bestimmt eine Billigcola
Vita Cola: 'UÄÄÄRRGGHHH' *Ekelverzerrtes Gesicht* Oh Schande ist das EKELHAFT, das einzig Gute ist, dass der Nachgeschmack quasi nonexistent ist, und das Getränk somit nicht im Mund bleibt. Ekelerregend. Abscheulich. 
Club Mate Cola: Noch nie gerunken, sehr besonders, richtig starker Eigengeschmack, schwer zu beschreiben, geht nicht an die Zähne, nicht aufdringlich, kein Nachgescmack, sehr gut

Pizzajuice:
Fritz Cola: Bääh. Wie Pilz, so richtig pilzig eklig widerlich, nicht mal süß, einfach nur schlecht
Dr. Pepper: Schmeckt wie Medizin
Pepsi: Ne ich spürs nicht. Eine ziemliche Try hard-Cola
K-Classic Cola: Komplett langweilig und generisch
River Cola: 'Hast du mir Wasser gegeben?' Schmeckt wie Wasser mit Zucker
Coke Zero: Wie Wasser mit Geschmacksverstärker
Vita Cola: Oh Gott, schmeckt wie Cola und Spülwasser, ist einfach nur Abwasser, sauer säuerlicher Nachgeschmack
Club Mate Cola: Kaffegeschmack, unglaublich eklig, nicht süß


6. Testbericht kurz - Wertungen und Daten 

Vermarktung, Image, Gesamtbild:
Yoraiko:
Coca Cola: 10
Coca Cola Cherry: 7
Fritz Cola: 6
miomio: 5
Dr. Pepper: 9
Pepsi: 1
Ja! Cola: 6
K-Classic Cola: 5
River Cola: 3  
Coke Zero: 5
Vita Cola: 4
Club Mate Cola: 6
Afri Cola: 7

Paiclya:
Coca Cola: 9
Coca Cola Cherry: 9
Fritz Cola: 9
miomio: 9
Dr. Pepper: 8
Pepsi: 5
Ja! Cola: 1
K-Classic Cola: 2 
River Cola: 2
Coke Zero: 9
Vita Cola: 5 
Club Mate Cola:
Afri Cola: 6

Pizzajuice:
Coca Cola: 9
Coca Cola Cherry: 8
Fritz Cola: 10
miomio: 8
Dr. Pepper: 8
Pepsi: 5
Ja! Cola: 2
K-Classic Cola: 3
River Cola: 3
Coke Zero: 5
Vita Cola: 2
Club Mate Cola: 7
Afri Cola: 8

Coca Cola: 28
Dr. Pepper: 25
Fritz Cola: 25
Coca Cola Cherry: 24
miomio: 22
Afri Cola: 21 
Club Mate Cola: 21
Coke Zero: 19
Pepsi: 11
Vita Cola:11
K-Classic Cola: 10 
Ja! Cola: 9
River Cola: 8

Design, Aussehen Flasche und des Getränkes: 
Yoraiko:
Coca Cola: 7
Coca Cola Cherry: 8
Fritz Cola: 9,5
miomio: 6
Dr. Pepper: 7,5
Pepsi: 5
Ja! Cola: 5,5
K-Classic Cola: 3
River Cola: 2,5  
Coke Zero: 7
Vita Cola: 1
Club Mate Cola: 8,5
Afri Cola: 9

Paiclya:
Coca Cola: 8
Coca Cola Cherry: 8
Fritz Cola: 8
miomio: 4
Dr. Pepper: 5
Pepsi: 1
Ja! Cola: 1
K-Classic Cola: 2 
River Cola: 2
Coke Zero: 9
Vita Cola: 1
Club Mate Cola: 9
Afri Cola: 8

Pizzajuice:
Coca Cola: 8
Coca Cola Cherry: 7
Fritz Cola: 10
miomio: 8
Dr. Pepper: 7,5
Pepsi: 4,5
Ja! Cola: 3
K-Classic Cola: 2,5
River Cola: 4
Coke Zero: 6
Vita Cola: 3
Club Mate Cola: 9,5
Afri Cola: 7,5

Fritz Cola: 27,5
Club Mate Cola: 27
Afri Cola: 24,5
Coca Cola Cherry: 23
Coca Cola: 22
Coke Zero: 21
Dr. Pepper: 20
miomio: 18
Pepsi: 10,5
Ja! Cola: 9,5
River Cola: 8,5
K-Classic Cola: 7,5
Vita Cola: 5

Duft: (Wurde blind und in wahlloser Reihenfolge durchgeführt)
Yoraiko:
Coca Cola: 6
Coca Cola Cherry: 5
Fritz Cola: 5,5
miomio: 4,5
Dr. Pepper: 10
Pepsi: 5,5
Ja! Cola: 2,5
K-Classic Cola: 4,5
River Cola: 6  
Coke Zero: 5
Vita Cola: 1
Club Mate Cola: 3
Afri Cola: 6,5

Paiclya:
Coca Cola: 1
Coca Cola Cherry: 3
Fritz Cola: 8
miomio: 2
Dr. Pepper: 0
Pepsi: 8
Ja! Cola: 1
K-Classic Cola: 7
River Cola: 7
Coke Zero: 4
Vita Cola: 0
Club Mate Cola: 8
Afri Cola: 'Riecht gut' = 7?

Pizzajuice:
Coca Cola: 8
Coca Cola Cherry: 8
Fritz Cola: 7
miomio: 5
Dr. Pepper: 10
Pepsi: 5
Ja! Cola: 5
K-Classic Cola: 2
River Cola: 3
Coke Zero: 5
Vita Cola: 4
Club Mate Cola: 9
Afri Cola: 7

Fritz Cola = 20,5
Afri Cola = 13,5 + riecht gut(Paiclya) = 7 = 20,5
Dr.Pepper = 20
Club Mate Cola: 20
Pepsi = 18,5
Coca Cola Cherry = 16
River Cola = 16
Coca Cola = 15
Coke Zero 14
K-Classic Cola 13,5
Miomio = 11,5
Ja! Cola = 8,5
Vita Cola = 5

Geschmack: (Wurde blind und in wahlloser Reihenfolge durchgeführt)
Yoraiko:
Coca Cola: 5
Coca Cola Cherry: 6
Fritz Cola: 5,5
miomio: 5,5
Dr. Pepper: 9
Pepsi: 5
Ja! Cola: 7
K-Classic Cola: 4
River Cola: 5  
Coke Zero: 3
Vita Cola: 1,5
Club Mate Cola: 8
Afri Cola: 7

Paiclya:
Coca Cola: 2
Coca Cola Cherry: 3
Fritz Cola: 5
miomio: 0
Dr. Pepper: 3
Pepsi: 3
Ja! Cola: 4
K-Classic Cola: 5
River Cola: 3
Coke Zero: 2
Vita Cola: 3
Club Mate Cola: 2
Afri Cola: 5

Pizzajuice:
Coca Cola: 5
Coca Cola Cherry: 8
Fritz Cola: 4
miomio: 3
Dr. Pepper: 7
Pepsi: 3
Ja! Cola: 5
K-Classic Cola: 4
River Cola: 4
Coke Zero: 8
Vita Cola: 0
Club Mate Cola: 0
Afri Cola: 7

Dr. Pepper: 19
Afri Cola: 18
Coca Cola Cherry: 17
Ja! Cola: 16
Fritz Cola: 14,5
K-Classic Cola: 13
Coke Zero: 13
River Cola: 12
Coca Cola: 12
Pepsi: 11 
Club Mate Cola: 10
miomio: 10
Vita Cola: 4,5

Preis, Verfügbarkeit: 
Coca Cola: Coca Cola ist natürlich die Bekannteste aller Colamarken, und somit fast in jedem Laden zu erhalten. Selbst in kleineren Bistros und Restaurants findet man eigentlich IMMER eine davon in der ein oder anderen Ausführung. Preislich liegt diese Cola im overen Durchschnitt.

Coca Cola Cherry: Hier wird es schon schwieriger. Kaufland und andere größere Supermarktketten wie Rewe oder Edeka haben diese Variation in der Regel da, aber bei kleineren Läden wie Lidl oder Aldi wird es dann schon schwierig, und außerhalb von Supermärkten ohnehin. Preislich an Coca Cola angepasst. 

Coca Cola Zero: Das Selbe wie bei Cherry.

Fritz Cola: Friz Kola scheint als deutsches Produkt auch sehr populär zu sein, und so findet man Fritz Kola fastz schon ebenso populär wie Coca Cola in diversen Geschmacksrichtungen in Handelsketten aber auch in Bistros oder kleinen Kiosks. Wenn man mal anfängt darauf zu achten, merkt man, wo die beiden grinsenden Studenten überall anzutreffen sind. Umso beschämender, dass Kaufland die Marke nicht führt. 
Schande! Schande! Schande! Preislich liegt eine Glasflasche im guzten Durchschnitt.

miomio: Eine eher schwierig aufzutreibende Sorte. Kaufland, Fehlanzeige, Bistros, Fehlanzeige. Rewe, Fehlanzeige. Das Getränk macht sich rar, und ist durch zufall quasi nicht zu entdecken, wenn man nicht gezielt danach sucht. Preislich unterer Durchschnitt, also recht günstig. 

Dr. Pepper: Bedauerlicherweise viel, viel zu unterpräsentiert in Deutschland. Viele Läden führen das Getränk überhaupt nicht, Kaufland nur die Dosen, Rewe ist einer der wenigen Lichtblicke, da es hier auch die Flaschen gibt. Außerhalb von Discountern so gut wie nie anzutreffen. Preislich durchschnittlich.

Pepsi: Ebenso wie Coca Cola sehr häufig und einfach zu finden, wenn auch nicht ganz so breit gestreut in anderen Geschäften als Discountern. Preislich recht günstig, günstiger als eine Coke. 

Ja! Cola: Rewe. Einerseits ist es gut, dass es sie in jedem Rewe gibt, andererseits gibt es sie auch NUR da, falls man aus irgendwelchen Gründen unbedingt eine Ja!-Cola will... 
als Billig-Cola kostet sie fast nichts.
K-Classic Cola: Kaufland. Einerseits ist es gut, dass es sie in jedem Kaufland gibt, andererseits gibt es sie auch NUR da, falls man aus irgendwelchen Gründen unbedingt eine K-Cola will...  als Billig-Cola kostet sie fast nichts.
River Cola: Aldi. Einerseits ist es gut, dass es sie in jedem Aldi gibt, andererseits gibt es sie auch NUR da, falls man aus irgendwelchen Gründen unbedingt eine River-Cola will...  als Billig-Cola kostet sie fast nichts. 

Vita Cola: Ähnlich populär und breit gestreut in Discountern vorzufinden wie Coca Cola, auch in den Kleineren, und mitunter in Bistros und ähnlichen Minishops. Sehr günstig.

Club Mate Cola:Ehrlich, ich habe keine Ahnung. Wir bekamen diese Cola nach längerem Suchen in einem Rewe, aber es gibt sie auch nicht in jedem. Kaufland führt sie nicht, viele Discounter auch nicht. Eine Rarität. Unterer Durchschnitt, was den Preis angeht.

Afri Cola: Noch schwieriger zu finden als Club Mate. Absolute Nische, und nirgendwo wirklich sicher zu finden. Enorm günstig.

Inhaltsstoffe: 
Coca Cola:
Wasser, Zucker, Kohlensäure, Farbstoff: Zuckerkulör E150d, Säuerungsmittel E338, natürliches Aroma, Koffein. Aspartam
Zucker: 10,6g  
https://www.codecheck.info/getraenke/limonaden_erfrischungsgetraenke/cola/ean_5449000018687/id_324385/Coca_Cola.pro

Cherry:
Wasser, Zucker, Kohlensäure, Farbstoff E 150d, Säuerungsmittel Phosphorsäure, Aroma, Aroma Koffein.
Zucker: 10,7g
https://www.codecheck.info/getraenke/limonaden_erfrischungsgetraenke/colamix/ean_54492790/id_394579/Coca_Cola_Cherry.pro

Fritz:
Wasser, Zucker, Kohlensäure, Farbstoff Ammonsulfit-Zuckerkulör, Säuerungsmittel Phosphorsäure, Koffein, Natürliches Aroma
Zucker: 11 g
https://www.codecheck.info/getraenke/limonaden_erfrischungsgetraenke/cola/ean_4260107220015/id_365700/fritz_kola.pro

Miomio:
Natürliches Mineralwasser, Zucker, Kohlensäure, Farbstoff E 150d, Säuerungsmittel Phosphorsäure, Aroma Koffein, natürliches Aroma.
Zucker: 11g
https://www.codecheck.info/getraenke/limonaden_erfrischungsgetraenke/cola/ean_4002846034306/id_1110011648/Mio_Mio_Cola.pro

Dr. Pepper:
Wasser, Zucker, Kohlensäure, Farbstoff E150d, Säuerungsmittel Phosphorsäure, Aroma, Aroma Koffein, Süßungsmittel Acesulfam-K und Sucralose.
Zucker: 6,8 g  
http://das-ist-drin.de/Dr-Pepper-Dr-Pepper-Original-0-5-l--430967/

Pepsi: 
Wasser, zucker, kohlensäure, farbstoff zuckerkulör E150d, Säuerungsmittel Phosporsäure, Aroma Koffein, Aroma
Zucker: 10,7 g 
https://www.codecheck.info/getraenke/limonaden_erfrischungsgetraenke/cola/ean_4060800148834/id_376236/Pepsi_0_5L.pro

Ja!-Cola: 
Wasser, Zucker, Kohlensäure, Farbstoff Ammonsulfit-Zuckerkulör, Säuerungsmittel Phosphorsäure, Aroma Koffein, natürliches Aroma
Zucker: 9,5 g 
https://www.codecheck.info/getraenke/limonaden_erfrischungsgetraenke/cola/ean_4388810057701/id_372229/Ja_Cola.pro

K-Classic Cola: 
Wasser, Zucker, Kohlensäure, Farbstoff: E150d, Säuerungsmittel: Phosphorsäure, Aroma Koffein, natürliches Aroma.
Zucker: 10g  
https://www.codecheck.info/getraenke/limonaden_erfrischungsgetraenke/cola/ean_4335896544519/id_1233799569/K_Classic_Cola.pro

River Cola: 
Wasser, Zucker, Kohlensäure, Farbstoff: Ammonsulfit-Zuckerkulör; Säuerungsmittel: Phosphorsäure; natürliches Aroma, Aroma: Koffein
Zucker: 10,5 g
https://www.codecheck.info/getraenke/limonaden_erfrischungsgetraenke/cola/ean_42142140/id_324359/River_Cola.pro

Coke Zero: 
Wasser, Kohlensäure, Farbstoff E 150d, Säuerungsmittel Phosphorsäure, Süßungsmittel (Natriumcyclamat, Acesulfam K, Aspartam), Aroma, Säureregulator Natriumcitrate, Aroma Koffein. Enthält eine Phenylalaninquelle.
Zucker: 0 g
https://www.codecheck.info/getraenke/limonaden_erfrischungsgetraenke/cola/ean_5000112552492/id_338641/Coca_Cola_zero.pro

Vita Cola: 
Natürliches Mineralwasser, Zucker, Kohlensäure, Säuerungsmittel (E270, Citronensäure, Phosphorsäure), Farbstoff E 150 d, natürliches Aroma, Vitamin C, Aroma: Koffein
Zucker: 8,8 g
https://www.codecheck.info/getraenke/limonaden_erfrischungsgetraenke/cola/ean_4013595644814/id_10151120/Vita_Cola.pro

Club Mate Cola:
Wasser, Glucose-Fructosesirup, Zucker, Getränkegrundstoff (Mate-Extrakt, Colanuss-Extrakt, Tee-Extrakt, natürliches Aroma; Farbstoff: Zuckerkulör E150d; Säuerungsmittel: Phosphorsäure), Kohlensäure.
Zucker: 10 g 
https://www.codecheck.info/getraenke/limonaden_erfrischungsgetraenke/cola/ean_4029764001883/id_809175/Club_Mate_Cola.pro

Afri Cola:
Natürliches Mineralwasser, Zucker, Kohlensäure, Farbstoff E150d, Säuerungsmittel E338, Koffein, Antioxidationsmittel Ascorbinsäure, natürliches Aroma.
Zucker: 10,6 g
https://www.codecheck.info/getraenke/limonaden_erfrischungsgetraenke/cola/ean_2000422779353/id_19638277/Afri_Cola.pro          

Extrapunkte und Abzüge: 
Yoraiko:
Fritz Cola: +2
Dr. Pepper: +4
Pepsi - 2 
Vita Cola: -3 
Club Mate Cola: +1 
Afri Cola: +1

Pizzajuice:
Pepsi: +1
Ja! Cola: -2
Coke Zero: -1
Vita Cola: -3
Club Mate Cola: +1

7.Endwertung + Siegerehrung:

Fritz Cola:   89,5
Dr. Pepper: 88
Afri Cola:    85
Coca Cola Cherry: 80
Club Mate Cola:    80
Coca Cola:            77
Coke Zero:           66 
miomio:              61,5 
Pepsi:                 50
River Cola:         44,5 
K-Classic Cola:   44
Ja! Cola:           41
Vita Cola:        19,5


Die Endwertung des Colatestes entspricht, alles in allem, dem was man auch so erwarten könnte und würde. Das Rennen an der Spitze zwischen den drei klaren Favoriten war zwar denkbar eng, aber letztendlich sind es Qualitätsmarken, von denen man eine solche Leistung gewohnt ist. Es ist im Gefälle zwischen Marken-, und Billig-Colas geblieben, so sind alle drei vertretenen Billig-Colas weit unten in der Skala. Es fällt auf, dass sie vor allem im Image und Design einstecken mussten, wohingegen sie bei Geschmack und Duft mehr Punkte abräumen konnten, was einfach mal wieder zeigt, dass bei einer Cola das Design und die Vermarktung einfach alles ist - Die Billigcolas konnten nicht ganz aus dem Schatten ihres schlechten Rufes treten. Aber auch geschmacklich waren die Marken fast durchweg besser, bei Cola lohnt sich der tiefere Griff in die Geldbörse also tatsächlich. Auch stark auffällig ist, dass die Gesamtwertungen in den Kategorien Geschmack und Duft durch Paiclyas niedrige Noten stark gedrückt werden, wohingegen sie bei den optischen und externen Kategorien deutlich höher wertete. Vita Cola ist, und das vollkommen zurecht, mit schwindelerregendem und demütigendem Abstand auf dem schmutzigen, letzten Platz gelandet, und verteidigt damit seinen Titel als Ekelgetränk des Jahrzehnts. Auch Pepsi hat es als traurige Cola übel erwischt, auch wenn sie tatsächlich gar nicht so furchtbar schmeckt, wie ihr Ruf es ihr immer nachsagt. Überraschungshits waren für mich der verdiente Sieger Fritz Kola, der sich mit seiner sympathischen Marke, dem tollen monochromen Design und seinem erwachsenen Geschmack gegen die fast durchgängig süße Konkurrenz durchsetzen konnte, und zu dem ich von jetzt an vielleicht doch öfter mal greife. Auch Afri Cola hat mich sehr positiv überrascht und es ist schade, dass die Marke so schwer zu bekommen ist. Fritz hat allerdings auch hauchdünn den höchsten Zuckergehalt, während Dr. Pepper abgesehen vom chemischen Coke Zero mit Abstand den Niedrigsten hat. 

Letztendlich ist all das natürlich ein subjektiver Test gewesen, jeder hat seine Vorlieben und Abneigungen, aber eine Tendenz hin zur Marke ist im Colamarkt für uns definitiv erkennbar. Ich bedanke mich bei meinen eifrigen Mitrichtern und bei euch für das Lesen dieses Testes und hoffe, er konnte euch zu dem einen oder anderen Experiment anregen, wenn ihr das nächste Mal durch die Getränkeabteilung streift. Sollten mir beim Zusammenrechnen irgendwelche Fehler unterlaufen sein, freue ich mich über eure Hinweise. 

Und beim nächsten Mal in Test-osteron
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Seid gespannt! 

- Yoraiko



Samstag, 12. Oktober 2019

Rammstein - Deutschland, Deutschland über allen!


Musik ist für viele ein unentbehrlicher Aspekt ihres Lebens - Entweder sie spielen eines oder mehrere Instrumente (beruflich), sind leidenschaftliche Anhänger einer bestimmten Band oder definieren sich und ihren Lifestyle sogar komplett über ein einzelnes Genre wie Hip Hop. Für viele musikalische Einzeller wie etwa auch mich aber ist Musik meisten auch nur das, Musik. Unsere schmerzlich-krude und ranzig-abgestandene Antwort auf die beliebte unbeliebte Frage "Welche Musik hörst du so?" wird wohl niemals viel mehr sein als ein unentschlossenes 'Och, eigentlich alles.'

Es fiel mir immer schwer, wie andere Kinder, Jugendliche und schließlich Erwachsene, mich über die Musik die ich höre zu definieren, oder klar zu sagen 'Ich bin Anhänger von X-Musik!'. Ich höre eben Musik, die mir gefällt. Es gibt Tendenzen bei den Genres, und klare regionale Muster(Japan...), aber tatsächlich bin ich kein leidenschaftlicher Fan auch nur eines bestimmten Genres. Und so gab und gibt es zwangsweise auch nicht viele Bands, die ich mit einem Funkeln in den Augen benennen konnte, wenn eine Frage in diese Richtung gestellt wurde. Schwach von mir, denn wer nicht mal ein paar Lieblingsbands hat, von dem ist persönlichkeits-technisch wohl sonst auch nicht viel zu erwarten. Zumindest hat es sich immer so angefühlt. 

Mein Glück also, dass es da schon immer eine einzige, strahlende Ausnahme gab. Der Titel hat es verraten - Rammstein. Die landeseigene Band war schon immer, von Kindesbeinen(!) an, unbestreitbar und wohl bis zum Tag an dem ich sterbe meine absolute Lieblingsband. Puh, das war mal ein langes Vorgerede. Ich möchte jetzt etwas länger noch über meine Beziehung zu Rammstein, ihre für mich größten Hits und was sie in meinen Augen aus-, und zur besten Band Deutschlands macht sprechen. 
Seit der Gründung Deutschlands.


Mein erstes Lied samt Musikvideo von Rammstein sah ich auf Viva, mit vielleicht sieben oder acht Jahren - Es handelte sich um 'Keine Lust.' Da hörte ich auch das erste Mal den als Bube wenig anziehenden Namen Rammstein. Ich sah das Video, und dachte mir: 'Aha. Ein paar fette Männer in komischen Sachen die böse Texte singen.' 
Den richtigen Durchbruch gab es für mich erst, als ich eine unbestimmte Zeit später den unzweifelhaft größten Hit in der Geschichte der Band auf Viva sah - 'Engel'.
Dieses Video faszinierte mich, und fing mich mit seinem verträglicheren Klang auch auditiv voll und ganz ein. 
Sein es die gruseligen Kinder, der melodische Chor, die schmutzige Fetisch-Action, die einfach verständliche Engels-Thematik oder vielleicht auch der verdauliche Rock, das Video nahm mich ein, und ich hörte das Lied rauf und runter. Nochmal ein, zwei Jahre später stieß ich nach und nach auf weitere Kassenschlager wie Rosenrot, Feuer Frei oder Du riechst so gut, allesamt ikonische Hits, die Rammstein unsterblich machten. Bald begann ich, im Internet nach den Liedern zu recherchieren, weitere herauszusuchen, mit der Band zusammenzuwachsen, eine Leidenschaft für sie zu entwickeln. Mit dreizehn oder vierzehn war Rammstein die erste Band, von der ich bewusst und willendlich mehr als fünf Lieder regelmäßig hörte, und damit automatisch meine Lieblingsband. Das hat sich bis heute nicht geändert, da ich beinahe jedes Lied der in meinem Geburtsjahr 1994 gegründeten Band kenne. Manche mag ich mehr, manche weniger, aber ich bin Vollblut-Rammstein-Anhänger. 

Warum? Was macht Rammstein in meinen Augen und Ohren zu mehr als andere ''Rock''-Bands, warum sind sie ein wichtiges Nationalgut und überschreiten oftmals die Grenze zu Kunst und Poesie, wo andere nur das Brüllen beherrschen?

Was mich an Rammstein sehr früh schon reizte war das, was die musikalische Identität der Band für mich auch heute noch ausmacht - Die Vereinigung tiefenpoetischer, nachdenklicher und gesellschaftskritischer Texte mit hartem, guten Rock voller Melodik. Das Erste und Häufigste, was man sich als Rammstein-Enthusiast von Unkundigen anhören muss ist, dass das doch nur stumpfer Rock mit Hang zum rechten Spektrum wäre, weil Till Lindemann, unbezahlbarer und unvergesslicher Frontsänger der Band, seit jäher ein rollendes R in seinen Gesang einarbeitet. 

Das ist schlicht und ergreifend nicht wahr. Wer sich die Zeit nimmt auf die Lyrics zu hören, die zwischen den einprägsamen Industrial-Tönen verborgen liegen, wird sehr schnell feststellen, dass hier eine feingeistige Sprache zum Einsatz kommt, die harte und unangenehme Botschaften ungeschönt und dennoch sehr unterhaltsam vermittelt. Der Rock und die Musik ist bei Rammstein nur der halbe Reiz, es sind die großartigen und einprägsamen Lyrics von Songs wie 'Deutschland', 'Sonne', 'Mutter', 'Rosenrot' oder 'Ausländer', die den Reiz des Hörens und Lebens der Band ausmachen. Hier hört man nicht nur gute, düstere Musik, hier lernt man am Ende noch was! Ich kann gar nicht zählen, zu vielen ernsten Themen Rammstein mein Zugang war - Misshandlung, Inzest, Rassismus, Necrophilie(!!), Homosexualität, Gier, Missstände der Kirche, Suizidgedanken und so weiter. Das sind etwa 5x so viele Themen als in anderen Bands dieses musikalischen Spektrums abgedeckt werden. 

Das rollende R ist keine Absicht, wie Till Lindemann schon vor vielen Jahren bestätigte, und klingt ehrlich gesagt trotzdem unheimlich gut, weil er einfach ein wunderbarer, unerreichter Sänger ist. Die Band ist übrigens bekennend, klar, eindeutig und kompromisslos links

Abgesehen von ihren mal mehr oder weniger komplexen Texten haben Rammstein oft von ihren Musikvideos Reden gemacht. Diese sind ein essentieller Punkt der Rammstein-Ästhetik, und variieren von ruhig-besinnlich, über verstörend-explizit bishin zu fantasievoll-theatralisch. Die kleinen Filme zu den Songs werden auch nicht umsonst schon seit mehr als 15 Jahren auf vielen Musiksendern ausgestrahlt, und haben mehrere Milliarden Klicks auf Youtube - Selbst jene, die mit Rammstein nichts am Hut haben, kennen in der Regel einige Songs und Videos von ihnen. Dabei ist auch eine Entwicklung erkennbar, denn das jüngst veröffentlichte Video zu 'Deutschland' ist meines Erachtens nach das bisher gelungenste Video der Bandgeschichte, taugt ohne Probleme als eigener Film, ist unzweifelhaft Kunst und darf sich auch die Bezeichnung Meisterwerk gefallen lassen. 


Zwar bin ich ohne Frage ein riesiger Rammstein-Enthusiast, aber ich war noch nie auf einem Konzert von ihnen, oder irgend einer anderen Band, nebenbei gesagt. Auch kann ich abgesehen vom Frontmann die Namen der Bandmitglieder nicht auswendig aufsagen, verfolge die aktuellen Geschehnisse um das sechsköpfige Ensemble nicht und besitze auch nicht besonders viel Rammstein-Merchandise. 
Mich also einen der wirklichen Vollblut-Fans zu bezeichnen wäre vermessen, aber so ist eben meine Beziehung zu Musik, ich höre sie, ich sehe sie, ich rede mit Leuten darüber und empfehle ihnen die Band. Mittlerweile bin ich auch da angekommen, dass ich zumindest ab und zu mal hereinsehe, was alle bei Rammstein so treiben, mir die Bücher Till Lindemanns auf die Liste gesetzt habe und dergleichen, aber ein inniges Verhältnis meinerseits ist irgendwie auch nach 10+ Jahren Lieblingsband nicht möglich. Aber das ist ja auch okay, es gibt da draußen genug Fans, die Rammstein wissen lassen, dass sie die beste und wichtigste Band Deutschlands sind, die international weltweit einen so bahnbrechenden Erfolg haben, dass wohl kaum ein anderer, deutscher Act da mithalten kann oder jemals konnte. Ich bin stolz, dass Rammstein unser Land damit präsentiert, und auch vielen Menschen rund um die Welt bekannt ist. Manchmal, ja manchmal, setzt die Band sich sogar für Gerechtigkeit in Ländern voller Ungerechtigkeit ein. Es gibt kaum einen Grund, Rammstein nicht sympathisch zu finden. Keine Skandale oder dergleichen.

Apropos viele Menschen... ich lebe ja in Leipzig, und nächstes Jahr wird Rammstein hier ein Konzert abhalten. Diesmal habe ich also tatsächlich versucht, selbst dabei zu sein, aber ein in der Rammstein-Community altes Problem hat das effektiv verhindert - Der gnadenlose Andrang. So gab es Newsartikel darüber, wie sämtliche Ticketseiten nur wenige Minuten nach Beginn des Verkaufs vollkommen überlastet waren und zusammenbrachen, selbst die Mitglieder des kostenpflichtigen Rammstein-Fanclubs, die alle zuerst dran waren, hatten nicht ausnahmslos Erfolg. Und das bei Ticketpreisen ab 150 €. Tja, die beispiellose Popularität Rammsteins ist für einen Lauwarm-Fan wie mich Fluch und Segen. Aber so bleibt es eben dabei, dass ich Lindemann & Co. still aus der Ferne bewundere. Zum Glück gibt es Youtube, und die hervorragenden und hochqualitativen Mitschnitte der legendären Rammstein-Konzerte, die mit viel Pyrotechnik, spektakulären Lichtshows und einzigartigen visuellen Ideen noch mal ein ganz eigenes Kapitel im großen Buch der Kunst verdienen. 

Zuletzt werde ich noch ganz persönlich eine Liste meiner Favoriten aus etwa 15 Jahren Rammstein-Leidenschaft verlinken. Als Erinnerung für Alteingesessene und Empfehlung für Neulinge. Ein kleiner Abriss des Phäonems Rammstein, bitte sehr. 

Ausländer
Bestrafe mich
Dalai Lama
Deutschland
Du riechst so gut
Engel
Frühling in Paris 
Halleluja
Haifisch 
Hilf mir  
Ich tu dir weh
Mein Herz brennt
Moskau
Ohne Dich
Rosenrot
Roter Sand
Sonne
Spiel mit mir
Spielur 
Tier
Waidmanns Heil


Es sind Einige, dessen bin ich mir bewusst, aber das ist bereits die engere Auswahl von Liedern, die ich sehr schätze. Und schon wenn man sich hier durchhört wird einem bewusst, wie musikalisch variabel Rammstein war und ist - Von klassischen Rockliedern über Märchenparabeln, alten Westernsounds, dramatischen Chorklängen bishin zu ruhigen Balladen. Alles dabei. 

 Ich hoffe, ich konnte ein wenig von meiner Begeisterung und ehrlicher Überzeugung für Rammstein herüberbringen, und habe so vielleicht den ein oder anderen inspiriert, sich auch nochmal ein Lied mehr der deutschen Band anzuhören, die zum Glück (noch) sehr aktiv ist. Wie lange das noch weitergeht, lässt sich nicht genau sagen, aber klar ist, dass Rammstein wohl nun langsam ihrem wohlverdienten Bandabend entgegengeht.Ich gönne es ihnen, aber gleichwohl hoffe ich auch, noch möglichst viele neue Werke von ihnen hören und genießen zu können.

- Yoraiko

Montag, 7. Oktober 2019

Durchgelesen - Schneewittchen Party

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Agatha Christie ist jeder Person auf dieser Erde, die in ihrem Leben schon mal ein Buch in den Händen gehalten hat, ein wohlbekannter Begriff. Die wohl berühmteste Kriminalautorin der Welt hat in ihrem Leben viele, sehr viele Werke veröffentlicht, und während ich bereits einige der Populärsten wie den Orient Express oder die politisch wenig korrekten Zehn kleinen Negerlein vor längerer Zeit gelesen habe, trieb es mich Anfang 2018 auch zum wenig namhaften 'Schneewittchen-Party', das mir von der Familie geschenkt wurde, weil ich die vorher genannten Bücher sehr mochte. Hoch waren meine Erwartungen nicht, aber verriet mir der Klappentext bereits, dass hier abermals Agatha Christies männliche Antwort auf Sherlock Holmes, Hercule Poirot, das Ermittlungszepter schwingen würde. Poirot hatte ich im Orient Express kennengelernt, wo er mir als Identifikantionsfigur sehr sympathisch wurde, und so freute ich mich darauf, hier nochmals von ihm zu lesen. Lesen könnt ihr hier wiederum, dass Schneewittchen-Party für alle Freunde seichter Krimiliteratur und insbesondere Fans von Agatha Christie durchaus eine Lesung wert ist. Neulinge im Christe-Kosmos jedoch fangen besser mit den bekannteren (und besseren) Büchern an, da sie sonst von dem hier eher kruden Schreibstil abgeschreckt werden könnten. 

Die Handlung
Als eine junge Witwe in einer verschlafenen Kleinstadt eine Kinderparty ausrichtet, auf der die halbe Nachbarschaft samt dutzenden Schützlingen versammelt ist, kommt es zur Tragödie - Ein Kind wird in einem Wasserfass, das für das Apfeltauch-Spiel vorgesehen war, ertränkt vorgefunden. Niemand will etwas gesehen haben. Wer hat das Mädchen auf der Party ermordet, und warum?

Wie gesagt, niedrige Erwartungen hatte ich an dieses Buch. Und tatsächlich gestalteten sich die ersten fünfzig Seiten für mich recht zäh, und ich habe es nur langsam geschafft, mich durch die Vorstellung zahlreicher Charaktere, deren Namen ich einfach nicht zuordnen konnte und ständig wieder vergaß, dem Etablieren der Kleinstadt und ihrer Gemeinde und den Hintergründen der Feier durchzukämpfen. Aber irgendwann hat die Ermittlung Poirots mich dann doch ein wenig in ihren Bann gezogen, wenn man von der Party weggeht und das Ganze etwas mysteriöser und vielschichtiger wird - Ein geheimnisvoller Naturpark, durch den regelmäßig ein wunderschöner Mann stolziert, ein verschrobenes und seltsames Mädchen, das sich ebenfalls in den Tiefen des Parks aufhält und alles über jeden zu wissen scheint, und die Hintergrundgeschichte des Opfers, die deren Ermordung erklärt. All das ist letztendlich viel interessanter als die anfängliche Prämisse, und so wird man hier durchaus für sein Durchhalten belohnt, mit einigen überaus interessanten Charakteren und einigen spannenden Dialogen. Im Folgenden werde ich noch etwas zu meiner eigenen Theorie zur Auflösung während des Lesens schreiben, das betrifft nur den nächsten Absatz, seht das bitte als potentielle Spoilerwarnung.

Als das Mädchen Miranda ihren ersten, längeren Auftritt hatte, war ich mir sicher, dass sie die Mörderin ist. Das Einzige, das mich daran hat zweifeln lassen ist, dass ich nicht geglaubt habe, dass Agatha Christie eine kleine Psychopathin als Täterin inszeniert, ihre Zeit war einfach zu früh dafür. Als es am Ende dann mehr und mehr um Miranda ging, hatte ich mich schon gefreut, hier überrascht und bestätigt zugleich zu werden, leider kam es dann doch etwas anders, was schon ein wenig enttäuschend war. Ich hatte die Auflösung so nicht kommen sehen, aber sie war für meine Begriffe auch nicht sonderlich geschickt eingearbeitet, und letztendlich nur ein Schulterzucken wert. Dennoch, der Weg dahin im letzten Drittel des Buches war unterhaltsam. 

Das Buch trägt vor allem der Charakter des Poirot, den ich immer noch sehr schätze, und mehr als einen Sherlock Holmes für charismatisch halte. Am Ende war es ein deutlich belangloseres Buch als And then there was no one oder Orient Express, aber für das einmalige Lesen ging es vollkommen in Ordnung. Ich mochte die zeitgenössische Sprache, die sich hier wie in allen von Agatha Christies Büchern durch die Seiten zieht, und in der so einige schöne Satzkonstruktionen unterkommen.

Ein Must-read ist dieser Titel sicher für niemanden, aber einem Schinkenroman oder Bahnhofs-Thriller ist auch dieses bescheidenere Werk der Kriminalkönigin einspruchslos vorzuziehen. 



5/10 Äpfel für Schneewittchen-Party




- Yoraiko

Freitag, 4. Oktober 2019

Kinderwagen-Terroristen




Unterhalten wir uns doch mal über ein Problem des öffentlichen Verkehrsnetzes, in diesem Fall Leipzigs, an dem zur Abwechslung mal nicht (wirklich) die LVB Schuld ist - Kinderwagen-Terroristen. Der Name mag etwas extrem und populistisch gewählt sein, aber er ist in meinem Kopf schon vor Jahren bezüglich der Thematik entstanden und war das Erste, was mir zu dieser Menschengruppe einfiel. 

Das Grundprinzip ist simpel: Der Platz in Straßenbahnen ist begrenzt. SEHR begrenzt. In der Regel bieten die durchschnittlich 12 - 15 Meter langen Abteile viel zu wenig Platz für die mittlerweile über 500.000 Einwohner Leipzigs, von denen ein beträchtlicher Teil das öffentliche Angebot der Trams aktiv nutzt. Zu keiner Zeit spürt man das mehr als zum Berufsverkehr, zu besonderen Anlässen wie der Buchmesse, zu Schlechtwetter das den Leuten die Lust am Laufen nimmt, zu Gutwetter das den Leuten die Lust am Laufen nimmt, oder natürlich und selbstverständlich, wenn mal wieder eine Bahn zwanzig Minuten Verspätung hatte, und sich die potentiellen Fahrgäste an der Haltestelle gesammelt haben wie Fliegen im Spinnennetz. An Sitzplätze ist in diesen nur all zu alltäglichen Ausnahmesituationen gar nicht zu denken, und um jeden Stehplatz wird gekämpft wie zur Zeit der Gladiatoren. Aber wie heißt es doch so schön im Klassiker Jurassic Park: Das Leben, uh, findet einen Weg. Und das tut es, am Ende des Tages steht man gedrängt, gequetscht, mit den Gerüchen anderer Leute bombardiert, unangenehmen Situationen ausgesetzt im öffentlichen Gefährt, aber man steht. Alles könnte so schön zufriedenstellend ein. 
Und dann kommen sie. 

Mütter (Oder seltener Väter) mit Kinderwagen. Zu Dutzenden regnen sie auf die ohnehin schon überfüllten Straßenbahnen hinab, und blockieren mit ihren Minimensch-Transportgeräten den Platz, der sonst vier oder fünf Personen eine Zuflucht bieten würde, und das mit einer Selbstverständlichkeit, als gehöre hier alles ihnen -  
Na gut, gewissermaßen ist das auch so. 
Die begehrtesten Stehplätze in einer Straßenbahn sind, das weiß jeder öffentliche Verkehrsteilnehmer nach ein zwei Jahren, die großen, eckigen Stellplätze. Stellplätze für Fahrräder, Rollstühle, oder eben, na ja, Kinderwagen. Diese Stellplätze haben ein mal den Vorteil, sehr breit und tief zu sein, so dass hier drei Personen nebeneinander stehen können, und auch noch welche vor ihnen Platz haben. Was aber den eigentlichen Reiz dieser Plätze ausmacht ist, dass sie ein gesonderter Bereich der Bahn sind - Im Gegensatz zu ALLEN ANDEREN Stehplätzen in der Straßenbahn steht man hier niemandem im Weg herum und muss sich so nicht den unbehaglichen Momenten aussetzen, die einen dann erwarten. Wir alle kennen es - Die Straßenbahn ist rapplevoll, wir haben nur noch einen Platz mitten im Gang zwischen vier Sitzplätzen erwischt und jemand hinter uns möchte raus und muss an uns vorbei. Mit aller Mühe quetschen wir uns also beiseite, reiben unfreiwillig unseren unansehlichen Körper an der neben uns sitzenden Person, treten fünf Personen sprich-, und wortwörtlich auf die Füße, bis endlich alle Aussteiger passiert sind, und wir nicht mehr im Weg herumstehen - Bis zur nächsten Haltestelle. 
Der Stehplatz in einer Straßenbahn vermittelt einem Demut - Man lernt das Gefühl kennen, gehasst zu werden. So also fühlen sich Raucher, AfD-Wähler, Fleischesser und Leute die Naruto gut finden. Kein schönes Gefühl. Ein schönes Gefühl aber ist die sichere Zuflucht der Stellplätze, die von den Gehwegen innerhalb einer Tram losgelöst sind wie eine Auszeit-Zone am Spielfeldrand, von der aus wir niemanden behelligen und an uns niemand vorbei will. Dann aber Kinderwagen.

Das Problem mit Kinderwagen in Leipzig ist ein Besonderes - Alle Straßen sind voll mit ihnen. Mehr noch als in anderen Großstädten, das haben mir auch externe Gäste und Touristen bestätigt, sieht man Mütter mit ihren Schützlingen hier ÜBERALL herumwuseln. Und wer wuselt, der will auch fahren. Ist ein Kinderwagen in Sicht, heißt es für die Schutzsuchenden der Stellplätze automatisch, stöhnend die Segel zu setzen und sich zu verpissen. Und ja, selbstverständlich - Es sind Plätze, die für die Kinderwagen reserviert sind, also ist das nur gut und recht, richtig? FALSCH! Kinderwagen-Terroristen haben, wie alles Unangenehme, die Angewohnheit in Rudeln aufzutauchen. Da sieht man sich also als Stehender oft nicht mit einem Kinderwagen konfrontiert, sondern mit vier bis fünf pro Bahn. Oft werden von Kinderwagen nicht nur die Stellplätze blockiert, sondern auch die davor liegenden Türplätze, so dass man sich beim Aussteigen vorsichtig und unangenehm an den Kinderwagen vorbeidrücken muss, unter den anklagenden Blicken der Mütter die glauben, sie könnten hier alles machen, nur weil sie eine kleine, scheißende, schreiende Biobombe dabei haben. 

Und da sind wir auch bei einem anderen Aspekt angekommen, der Kinderwagen-Terroristen ihren Namen verleiht: Entitled. Für dieses englische, sehr aussagekräftige Wort gibt es keine richtige Übersetzung, aber das, was ihr am nächsten kommt, ist berechtigt. Wer sich entitled fühlt, der geht davon aus, dass er das kompromisslose Recht auf etwas hat. Das beschreibt genau Kinderwagen-Fahrerinnen - Mit einer Selbstverständlichkeit platzen sie mit ihren klumpigen Gefährten in überfüllte Straßenbahnen, lassen sich meistens nicht mal zu einem "Könnten sie bitte ein Stück beiseite gehen?" herab sondern schieben ihre Maschine des Todes selbstgefällig zwischen die in der Regel auseinanderhuschenden Massen, oder bedrohen diese mit ihrem "Das ist MEIN Kinderwagenplatz da!"-Blick, falls sie es nicht tun. 

Und das Blöde ist: Man kann dagegen nicht mal was sagen. Ich meine, es sind nun mal Mütter mit Kinderwagen, was sollen sie denn machen, die kleinen Bälger draußen lassen? Nein, also das geht natürlich wirklich nicht, dann würden die ja die Gleise blockieren. Aber dennoch ist es sehr anstrengend und anmaßend, wie viele Kinderwagenmütter sich verhalten, und mit welcher Selbstgerechtigkeit sie glauben, die Straßenbahn gehöre ihnen, obwohl sie meistens dutzende und aberdutzende Menschen blockieren, und als Mutter selbstverständlich auch noch einen nahegelegenen Sitzplatz angeboten bekommen wollen, man müsse ja schließlich auf das Kleine aufpassen, dem sonst sicher Flügel wachsen und es aus dem Fenster befördern.

Sicher gibt es noch viele andere, äußerst unangenehme Subkategorien des Platz-Terrorismus im öffentlichen Verkehr, darunter bekannte Vertreter wie alte Menschen, Menschen mittleren Alters bei denen man sich nicht sicher wäre ob es höflich oder unhöflich wäre ihnen einen Sitzplatz anzubieten, Kinder, Kindergartengruppen, Menschen mit Behinderung die aber eindeutig nicht ihre Stehfähigkeit beeinträchtigt, und so weiter und so fort. All diese Fressfeinde des ganz gewöhnlichen, gesunden Kleinbürgers ohne tragische Hintergrundgeschichte, der aber dennoch stinkend faul ist, begegnen einem zwangsweise in der täglichen Bummelfahrt mit den gelb-blauen Tramgefährten, aber keinen davon nahm ich über die Jahre so massiv störend, so unverschämt, so entitled wahr wie Kinderwagen-Terroristen.

Natürlich muss man der Fairness halber auch wieder auf die Mitschuld der LVB zu sprechen kommen - Der Platz in den Bahnen ist schlichtweg nicht ausreichend. Das weiß man seit 10 Jahren, die Anzahl der Fahrgäste steigt mit jedem Weiteren. Neue, modernere Straßenbahnen werden gebaut, aber keine davon mit mehr Plätzen ausgestattet als die Letzte, und die einzig vernünftigen Stehplätze bis zum heutigen Tag sind nun mal die Stellplätze. Ein Designfehler der LVB, unter denen Stehende leiden und den Kinderwagen-Terroristen gnadenlos nutzen und dafür - teilweise zurecht, teilleise zu zu Unrecht - die Rolle des Superschurken aufgebührtet bekommen. Und dabei bräuchte es nicht mal mehr Sitzplätze, liebe LVB - Straßenbahnen, die nicht nur aller zwanzig Minuten fahren und sich dann auch noch um eine halbe Stunde verspäten würden schon helfen. Aber wir kommen doch ein wenig vom Thema ab. 

Ich glaube, zu eben diesem Thema wurde jedoch so allmählich genug gesagt. Kinderwagen in Straßenbahnen sind, wie jede besondere Spezies des Tram-Nutzers, anstrengend. Sie nehmen unheimlich viel Platz weg, beinhalten schreiende, übelriechende kleine Monster, blockieren die begehrenswertesten Plätze so wie einen Großteil der Gänge innerhalb der Bahn, und die zunehmende und selbstverständliche Kaltschnäuzigkeit und Arroganz der schiebenden Mütter hilft auch nicht. 
Aber was tut man als höfliches, wohlerzogenes, weltoffenes, tolerantes und aufmerksames Mitglied unserer Gesellschaft?

Man nickt lächelnd, tritt beiseite und denkt sich seinen Teil.
Das beschwichtigt die Kinderwagen-Terroristen. 
Würde das doch nur bei allen anderen auch so einfach funktionieren.

- Yoraiko


Montag, 30. September 2019

Anime-Review: Your Lie in April - 'Did it reach her?'


                                             Your Clannad in Bad


Your Lie in April war vor ein paar Jahren das neue, große Ding für Fans emotionaler Anime. Es wollte das sein, was Violet Evergarden und Kimi no Namae wa heutzutage sind.  Das Prädikat 'Für Fans von Clannad' hing in seinem Windschatten wie ein Wassersurfer beim Springbreak. 
Und ganz unabhängig davon, dass mich solche Vorschusslorbeeren immer skeptisch machen, so wie es auch hier der Fall war, bevor ich die viel zu viele Episoden(22) umfassende Serie begonnen und durchgesehen habe, kann ich mich dem nicht anschließen. Ganz persönlich empfand und empfinde ich ihn als zutiefst mittelmäßig, in manchen Punkten besser, in vielen schlechter. Your Lie in April ist ein (liebenswerter) Abklatsch und Baukasten von und für wirklich jeden überambitionierten Dramamance-Anime da draußen. Eure Tränen werden gefordert! Eure Hirnzellen, die lasst besser daheim.

Story
 
Nach der ersten Episode wisst ihr buchstäblich, wie dieser Anime abläuft und endet. Wenn ihr schon ein paar Vertreter des Genres gesehen habt, und somit Erfahrung mit deser Art Anime habt(Dramatisch, Romanze, Kitsch), könnt ihr den Verlauf jeder einzelnen Episode quasi runterbeten. Nach der ersten Folge. im Grunde braucht ihr euch die anderen 21 Folgen also gar nicht anzuschauen, weil ihr recht habt, genau so wie ihr es euch denkt läuft es ab und endet es. YLIA unternimmt über einen langen Zeitraum hinweg nichts, um euch zu überraschen oder abgesehen von den in diesem Genre erwartbaren Standardmühen zu unterhalten. Stattdessen rattert es sein Dramance-Modelkit mit Twists und unglaublichen Wendungen herunter, die ihr kilometerweit vorher kommen seht. Das ist nicht unbedingt schlimm, denn viele Dramance-Anime machen das so, denn am Ende des Tages geht es in einem so realistischen, nahbaren Genre um das Wie. Der Unterschied dieser anderen Anime zu YLIA ist, dass diese es irgendwie kreativ und unterhaltsam machen. YLIA ist weder kreativ noch unterhaltsam beim Kopieren. Es fühlt sich an, als ob ihr euch hier etwas anseht, das ihr schon tausende Male gesehen habt. Und das habt ihr auch.

Charaktere


Fast alle vorkommenden Charaktere sind flach und / oder Stereotypen, mit einigen seltenen Ausnahmen bei den Nebenakteuren. Der Protagonist ist das ruhige, traumatisierte Genie, introvertiert und insgesamt nicht wirklich sozial, keine herausragenden Persönlichkeitsmerkmale, obwohl es für ihn zumindest eine Entwicklung in der Geschichte gibt, nur leider keine Große. Tsubaki ist der typische Kindheitsfreundin-Trope, und das MEINE ICH WIRKLICH SO. Es dauert nicht mehr als einen Auftritt von ihr, und ihr wisst schmerzhaft genau, was sie für wen fühlt. Sie ist ein ungehobelter Wildfang, immer fröhlich und gibt natürlich bestimmte Gefühle bis zum Ende vehement nicht zu, obwohl ihr gesamtes Umfeld, einschließlich uns, es lange schon besser weiß. Arische Titelheldin Kaori hat im Grunde gar keine Persönlichkeit. Sie ist hyperaktiv, krankhaft optimistisch, zutiefst unschuldig und im Großen und Ganzen nur ein Plotdevice, um Drama zu produzieren und Kousei's Schritt zum Beulen zu bringen. Sie hat keine Entwicklung und es gibt keine tieferen Einsichten in ihre Persönlichkeit, was eigentlich eine Schande ist, sie hätte eine gute Figur sein können, denn das interessante Potential war da. Der Rest der Besetzung ist nicht erwähnenswert, ein bruderanbetendes Mädchen, wettbewerbsorientierte Teenager-Konkurrenten für Kousei, seine unhöfliche, brutale Mentorin, die coole, eisige Freundin von Tsubaki und so weiter. YLIA ist ein Bilderbuch mit alten,verranzten Stereotypen, die wir schon seit Anno 2005 leid sind. Zumindest nerven sie einen aber nicht, und das ist ein wirklich guter Punkt für Your Lie in April. Kein einziger der Charaktere ist in 22 Folgen wirklich nervig. Die meisten Anime schaffen das nicht. Selbst wenn kein Charakter interessant ist, sind sie auch nicht schrecklich. Das ist doch schon mal etwas? Für den Clannad-Vergleich erinnern wir uns aber mal daran, welche komplexe Entwicklung und Persönlichkeit dort wirklich jeder Hintergrundstatist, geschweige denn Nebencharakter hat, und wo jeder dritte Dialog uns mit einer Gänsehaut bombardiert. In YLIA? Da bekommen wir nur eine Gänsehaut von den fremdschämigen WirKennenUnsMitKlassischerMusikAus-Dialogen.


Optik
 

Irgendwie ist die Optik nicht schlecht. Eher schon gut. Nichts Wunderbares, nichts Außergewöhnliches, aber gut gemacht über den Fortschritt des Anime und mit ein paar schönen Bildern und Szenen. Wenn ich etwas Schlechtes über die Optik sagen kann, dann dass sie vielleicht etwas langweilig daherkommt. Nichts Außergewöhnliches in der Masse der Durchschnittswerte, nichts, was wirklich hängen geblieben wäre. Bei Clannad habe ich heute noch die Poolszene mit den weinenden Zwillingen, die Prügelei mit Sunohara oder die absolut ikonische, andere Welt vor Augen. Wieder eine Runde für das Original, Your Lie in April. Sorry.

Sound


Natürlich der beste Teil eines Anime, der sich fast nur um klassische Musik dreht. Während Openings und Endings alle langweilig, klischeehaft und unkreativ sind, trifft die klassische (Klavier-)Musik in der Serie selbst immer den Ton(Haha) und ist es wert, angehört und genossen zu werden. Der Soundtrack ist einprägsam, besonders das Maintheme ist ein ikonisches und wunderschönes  Stück, das man nicht so schnell vergessen kann oder will. Jedes Mal, wenn es einsetzt, bekommt man eine Gänsehaut, und die bekomme ich auch heute noch, wenn ich es ab und zu auf Youtube anmache. Dieses Stück hat Clannad-Vibes. Dieses Stück erinnert einen beim Schauen daran, warum YLIA eigentlich überhaupt relevant geworden ist. Und wenn man es sich heute noch anhört, denkt man wieder an den Anime zurück, und wie schön das doch war und... dann fällt einem ein, dass es das leider nicht war. Zu schade.



Fazit

Ich muss zugeben, dass ich es keinen Moment lang wirklich genossen habe, Your Lie im April anzuschauen. Ich halte die 22 Folgen, die man problemlos auf 12 hätte runterkürzen können, weitestgehend für Zeitverschwendung, aber es besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass ihr anderer Meinung seid. Wenn es euch nichts ausmacht, die gesamte Handlung und alle Charaktere mit deren Innenleben schon von der ersten Episode an vollständig kennen und 22 Folgen einem Drama-Anime-Hamster dabei zuzusehen, wie er sich in seinem Rad dreht, wie er es bereits 4000 Mal vorher getan hat, und wenn ihr Serien wie Clannad(Okay, ich habe es gesagt!!!) wirklich, wirklich, wirklich liebt und nicht genug davon bekommen könnt, könntet ihr euch an diesem entspannten, unaufgeregten Anime erfreuen, der sich viel Zeit für das Innenleben seines Hauptcharakters und dessen Gefühlswelt nimmt und dabei noch einen Querschnitt durch das Genre der klassischen Musik macht. Und in seinen manchmal, ganz selten, wirklich unglaublich gelungen und berührend geschriebenen Dialogen Zitate raushaut, die die Jahre als einzige positive Spur von Your Lie in April überdauern. Did it reach her? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass sie vermutlich eine ebenso intensive Gänsehaut hat wie ich, wenn ich diesen Satz höre. 
Erwartet von YLIA keine Überraschungen. Oder ihr werdet bitterlich enttäuscht sein. Versprochen.



5/10 Friend B's für Your Lie in April


- Yoraiko